Politik

bau_werk Halle: Erste Meinungen und ein Vorschlag

Am Dienstag wurde das Thema bau_werk Halle und Forderungen der Kulturschaffenden nach mehr Freiraum im Kulturausschuss diskutiert.

Vertreter des offenen Bündnisses „Creative Mass“ verfolgten gestern Abend die Diskussion im Kulturausschuss.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am) Am vergangenen Samstag haben rund 300 Kulturschaffende und -interessierte in Oldenburg für mehr Freiraum demonstriert. Anlass war unter anderem ein möglicher Verkauf der bau_werk Halle am Pferdemarkt. Auf Antrag der Grünen Fraktion wurde das Thema gestern erstmals im Kulturausschuss diskutiert. Schriftsteller Klaus Modick griff Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jürgen Krogmann scharf an.

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Die Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg (GWO) möchten in der bau_werk Halle ein italienisches Restaurant eröffnen, in dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung arbeiten sollen. Kulturamtsleiterin Christiane Cordes teilte mit, dass das Angebot zurzeit geprüft werden. Aus Sicht der Verwaltung gebe es dafür drei Gründe: Es könnte ein inklusives Projekt in zentraler Lage am Pferdemarkt entstehen. Außerdem könne die Halle so langfristig gehalten werden und die Sanierungskosten müssten nicht von der Stadt getragen werden.

Details und Inhalte des Angebotes sind bisher nicht bekannt, weshalb Bernhard Ellberg (SPD) die Dringlichkeit des Antrags in Frage stellte und erst Beratungen in den Fraktionen und Entscheidungen ohne Zeitdruck empfahl. Das war vergeblich, denn wegen des öffentlichen Interesses sprachen sich die anderen Fraktionen für einen sofortigen ersten Austausch in dieser Frage aus. „Es muss diskutiert werden, das Thema bewegt viele Menschen“, fasste Esther Niewerth-Baumann (CDU) die gegenteiligen Auffassungen zusammen. Das beratende Ausschussmitglied Jörg Kowollik (Jugendtheater Rollentausch) bat darum, die Vertreter der kreativen Szene, insbesondere junge Menschen, ernst zu nehmen.

Die Immobilie jetzt zu verkaufen, ohne Not, bei den zurzeit geordneten städtischen Finanzen, hielt Kurt Bernhardt (Grüne) für fragwürdig. Den Vorschlag des derzeitigen Hauptnutzers bau_werk e.V. bezeichnete Bernhard als „geniale Lösung und eine Aufwertung des gesamten Ensembles“. Michael Schilling (CDU) verwies darauf, dass eine energetische Aufbereitung bei dieser Kombi-Nutzung nicht notwendig wäre. Einen alternativen Standort brachte Christiane Ratjen-Damerau (FDP) überraschend ins Spiel: Die ehemalige Steffmann-Gaststätte in der Kurwickstraße könnte für das inklusive GWO-Restaurant in Betracht gezogen werden. Es wäre schade, wenn die bau_werk Halle mit der besonderen Atmosphäre als Kunst-Freiraum zerstört würde, so Ratjen-Damerau weiter. Auch Niewerth-Baumann betonte, dass sich für das Restaurant sicherlich andere Räume finden lassen würden. Sie möchte das Thema mit dem Gestaltungsbeirat diskutieren und dafür bräuchte man Zeit. Ohne weitere Fakten wären Aussagen zurzeit schwierig, fand Nicole Pichotta (SPD), man müsse vernünftig abwägen.

Dass es grundsätzlich nicht nur um die bau_werk Halle gehen würde, sondern um die Förderung der freien Kulturszene in Oldenburg, war Helga Wilhelmer (beratendes Ausschussmitglied, Cine k) ein Anliegen. In den Stadtteilen müsste nach Freiräumen geschaut werden, stimmte Bernhardt ihr zu und erwähnte das ehemalige Offizierskasino auf dem Fliegerhorst, den Ringlokschuppen, der verfällt, und mögliche temporäre Zwischennutzungen von Leerständen. Pichotta hofft dazu auf Impulse der Kulturschaffenden für die Politik.

Massive Kritik an Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jürgen Krogmann kam dann von Klaus Modick (beratendes Ausschussmitglied). Dass der Kulturdezernent wieder nicht da sei, wäre befremdlich bis unerträglich. „Er hätte auf dieser Demo auftauchen sollen. Es kann doch nicht sein, dass er in Deckung geht“, so Modick. „Machen Sie Schluss mit der Posse, wir hätten einen Kulturdezernenten“, sagte er aufgebracht in Richtung Christiane Cordes.

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1 Kommentar

  1. W. Lorenzen-Pranger
    18. Mai 2017 um 9.15

    Einen verfallenden Ringlokschuppen zu einem Konzertsaal umzubauen, womöglich gar mit den Ansprüchen, die „klassische“ Musiker heute fordern – was kostet das? Zweistellige Millionenbeträge – wenn das denn reicht? Wer bezahlt das?
    Und was junge Künstler angeht: Müssen die sich ihren Weg nicht zuallererst mal selber bahnen, wenn auch gern mit beratender Unterstützung älterer Kollegen? Die Hand aufzuhalten ist leicht, sich etwas zu erarbeiten manchmal schwer. (Aber lehrreich!)
    Was ist eigentich mit den Künstlern, die nah am Existenzminimum tatsächlich zuverlässig produktiv tätig sind, wie die Schauspieler am Staatstheater, oder die die schon existierenden Privattheater etwa? (Der Künstler-Report Taschenbuch – 1975, ISBN-10: 3446120181 / ISBN-13: 978-3446120181 / ISBN-13: 978-3446120181) – – – Künstler. Ein Report, ISBN-13: 9783837622874 / ISBN-10: 3837622878 – – – usw.) Alles nicht gar so neu.
    Ein Stück, das einem /einer Schauspieler/in ALLES abverlangt, was man nur im Studium zu diesem Beruf lernen kann wie „Supergute Tage“ – für kaum mehr als das Honorar eines ungelernten Arbeiters?
    Wie sagte eine Mitinhaberin eines kleinen Theaters zu mir: „Die jungen Leute, die arbeiten nicht mehr so wie wir.“ Ich hatte nicht den Eindruck, daß sie damit nur andere Arbeitsmethoden gemeint hat – und die hoffnungslose Naivität, mit der mir ein Mitstreiter hier auf das Thema an anderer Stelle geantwortet hat, spricht mehr als Bände – Techniken und Hintergrundwissen gibts nicht, ist einfach alles „Gechmackssache“…

    „„Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.“
    Karl Kraus