Oldenburg

Oldenburg profitiert von dynamischem Wachstum

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann sieht Erfolge bei Stadtentwicklung in Oldenburg und warnt aber auch vor Selbstzufriedenheit.

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann sieht Erfolge bei Stadtentwicklung und warnt vor Selbstzufriedenheit.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (Michael Exner) Die Stadt Oldenburg liegt nach den Worten ihres Oberbürgermeisters Jürgen Krogmann (SPD) im Aufwärtstrend. Steigende Einwohnerzahlen, steigende Gewerbesteuereinnahmen und mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte seien Belege für ein dynamisches Wachstum, sagte Krogmann am Donnerstag bei der Vorstellung zentraler Projekte der Wirtschaftsförderung. Er warnte aber auch vor Selbstzufriedenheit angesichts der Herausforderungen durch knapper werdende Gewerbeflächen und den zwingend notwendigen Wohnungsbau.

Anzeige

LzO Vorsorge

Im Fokus der Wirtschaftsförderung liege aktuell die Weiterentwicklung von Flächen zur Technologieansiedlung. Der Technologiepark Oldenburg (TPO) in Uni-Nähe und ein früheres Industriegelände im Stadtsüden böten hervorragende Möglichkeiten mit insgesamt zehn Hektar Fläche. Das auf dem ehemaligen ACC-Gelände in Kreyenbrück geplante Quartier „MediTech Oldenburg“ (MTO), für das Wirtschaftsminister Olaf Lies vor kurzem einen 3,4-Millionen-Förderbescheid überreicht hat, ermögliche vor allem Ansiedlungen aus dem medizintechnischen Bereich. Mit der Ansiedlung erster neuer Betriebe auf dem gut sechs Hektar großen Gelände rechnet die Stadt 2019. Es gebe zwar schon die eine oder andere Nachfrage, sagte der Leiter der Wirtschaftsförderung Klaus Wegling. Doch die Stadt werde noch nicht in die Vermarktung einsteigen, sondern erst ein Gesamtkonzept für die Entwicklung dieses medizinisch-technischen Quartiers entwickeln. Wie beim Technologiepark wolle man darauf achten, dass die Betriebe zur festgelegten Struktur passten.

Die Bedeutung der Ausweisung solcher Flächen habe sich im Bewerbungsverfahren um ein Helmholtz-Institut gezeigt. Die vorhandenen Flächen im TPO seien ein wesentlicher Grund für die Zusage gewesen. „Die Stadt muss sich darauf einstellen, dass solche Ansiedlungen hier passieren und nicht im Umland“, sagte der Oberbürgermeister, der erst vor wenigen Tagen beim traditionellen Gilde-Abend der Kaufmannschaft genau diesen Aspekt betont hatte: „Ich möchte nicht erleben, dass ein Institut anfragt und ich sage muss, ich habe keinen Platz.“

Auch bei den allgemeinen Gewerbeflächen gebe es eine positive Entwicklung. In den vergangenen 15 Jahren habe man im Schnitt vier bis fünf Hektar pro Jahr verkauft. Hier blickt Krogmann aber mit Sorge in die Zukunft, weil die verfügbaren Flächen zur Neige gehen. Noch in diesem Jahr soll ein Gewerbeflächenentwicklungskonzept erarbeitet werden. Eine zentrale Stellung wird dabei (aber auch beim Wohnungsbau) der ehemalige Fliegerhorst einnehmen – und (wie der OB ausdrücklich betonte) die geplante Straße durch das Areal zwischen nördlichem und westlichem Stadtteil, weil so zwei wachsende Gebiete verbunden werden könnten. Die Feststellung ist nicht ohne Zündstoff: Der Streit um diese Straße verhinderte nach der Wahl eine Fortsetzung des rot-grünen Ratsbündnisses.

Angesichts steigender Einwohnerzahlen (aktuell 166.000) hat auch die Beschaffung von Wohnraum Priorität, wobei angesichts der Investorenneigung zum gehobenen Preissegment vor allem bezahlbarer gefragt ist. „Bei 3500 bis 5000 fehlenden Wohnungen sind selbst die 1000 auf dem Fliegerhorst geplanten nur eine Linderung“, meint der Rathaus-Chef, der weiterhin auf das Bündnis Wohnen setzt. Die gelegentlich angedachte Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnraum sieht Krogmann skeptisch: „Wir müssen aufpassen, dass die Lösung des einen Problems nicht das andere verschärft.“

Kommentar: Positives Signal

Wenn die Zeichen nicht trügen, steht Oldenburgs Stadtentwicklungspolitik vor einer grundlegenden Kurskorrektur: Auf einmal soll erst gedacht, dann geplant und danach gebaut werden. Das lässt sich hören.

Jahre – nein jahrzehntelang war man gewohnt, dass Stadtentwicklung nach dem Salamiprinzip betrieben wurde. Kam ein Investor, bekam er in der Regel die Fläche, die er haben wollte. Auf diese Weise sind Arbeitsamt und Landeszentralbank am Hafen gelandet – Projekte, mit denen eine Wasserstadt im Ansatz vermurkst wurde. Und während Oldenburg sich vor Jahren als Übermorgenstadt feierte, war die Bauleitplanung für Kreyenbrück noch immer von vorgestern. In dem Stadtteil hat es Tradition, dass stets um die nächste Ecke gebaut wird. So sieht’s auch aus.

Wenn jetzt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und sein Wirtschaftsförderer Klaus Wegling verkünden, für das medizinische Quartier auf dem ehemaligen ACC-Gelände solle erst eine Art Masterplan entwickelt werden, um danach zur geschaffenen Struktur passende Betriebe anzusiedeln, ist das ein positives Signal für eine Trendwende. Man darf beim Masterplan nur nicht vergessen, die Verkehrsverbindungen weiträumig einzubeziehen. Da gibt’s im Stadtsüden nämlich einiges zu tun.

Vorheriger Artikel

Fahrrad auf Gleis abgelegt

Nächster Artikel

VfL Oldenburg: Willi Lemke soll es richten