Politik

Die Oldenburger CDU wird jünger – und friedlicher

Der CDU-Wahlparteitag ohne Kampfkandidaturen, aber mit neuen Namen und etlichen Studierenden, fand gestern im Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik (BFE) statt.

Der CDU-Wahlparteitag ohne Kampfkandidaturen, aber mit neuen Namen und etlichen Studierenden, fand gestern im Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik (BFE) statt.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (Michael Exner) – Gut vier Monate vor der Kommunalwahl präsentieren sich Oldenburgs Christdemokraten jünger und friedlicher. Die Zeiten von Kampfkandidaturen, Verbalschlachten und Parteiaustritten scheinen (zumindest im Moment) vorbei zu sein. Der Personal-Parteitag am Donnerstagsabend war jedenfalls seit sehr langer Zeit der erste ohne eine einzige Gegenkandidatur – (selbst angekündigte unterblieben) – und er geriet zum Erfolg für den in der Stadt spürbar erstarkten Studierendenverband RCDS.

Anzeige

LzO Vorsorge

Zwar stehen alle zehn Mitglieder der aktuellen Ratsfraktion wieder auf den 66 von 72 möglichen Namen umfassenden Listen der sechs Stadtbezirke und vier von ihnen auf Spitzenpositionen, darunter der Fraktionsvorsitzende Olaf Klaukien (42) und der Wirtschaftsausschussvorsitzende Hans-Georg Heß (61). Doch der Nachwuchs ist erstaunlich präsent. Der RCDS schickt gleich 13 Mitglieder in die Ratswahl und stellt in der 25-jährigen Annika Eickhoff im Bezirk III (Nordwest) sogar die Spitzenkandidatin. In dem klassischen Hochschulbezirk (hier liegt die Carl von Ossietzky Universität) stehen auf den ersten sieben Plätzen vier Angehörige des RCDS. Wegen des komplizierten Wahlrechts gibt es im Gegensatz zu Bundes- und Landtagswahlen im Kommunalen zwar keine sicheren Listenplätze (auch vom letzten Rang aus kann man noch in den Rat einziehen). Doch die Erfahrung lehrt, dass die Spitzenpositionen bei den großen Parteien (zu denen in Oldenburg auch die Grünen gehören) ein Ratsmandat stets in sehr greifbare Nähe rücken.

So stehen auch die Chancen gut für einen Mann, der in kurzer Zeit eine erstaunliche Karriere hingelegt hat: Christoph Baak (50) führt die Liste im Wahlbezirk II (Mitte-Süd) an. Der Werbekaufmann war vor zwei Jahren noch als Parteiloser für die Union bei der Oberbürgermeisterwahl angetreten und hatte dort ein sehr ordentliches Ergebnis erzielt: 25 Prozent im ersten Wahlgang und 30 Prozent bei der Stichwahl waren jeweils mehr, als die CDU bei der Ratswahl von 2011 geholt hatte, bei der sie mit 20 Prozent und gerade noch 10 von 50 Mandaten untergegangen war. Danach trat Baak in die CDU ein, wurde erst Stadtbezirksverbandsvorsitzender, dann Partei-Vize und ist nun einer der Spitzenkandidaten für den Rat. Es ist kein Geheimnis, dass er auch als Kandidat für andere Mandate bei der damit nicht eben üppig ausgestatteten Stadt-CDU im Gespräch ist. Baak selbst hat das bislang stets ausgeschlossen, will aber wohl darüber nachdenken – wobei er die Intensität des Nachdenkens von seinem Abschneiden bei der Wahl im September abhängig macht. 1000 Stimmen hat er sich nach eigenem Bekunden als untere Grenze gesetzt.

Eher überraschend dagegen kommen zwei andere Namen. So hat Klaukien in seinem Bezirk I (Mitte-Nord) den Präsidenten des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), Eberhard Haunhorst (55) für eine Kandidatur gewonnen. Der steht nun auf Platz 2. Baak wiederum präsentiert in seinem Bezirk auf Platz 7 den ehemaligen Stadtsprecher Andreas van Hooven (45). Wer mag, kann das als ganz besonderes Omen nehmen. Der letzte Sprecher der Stadt Oldenburg, der nach seinem Ausscheiden in den Rat ging, war 2011 ein gewisser Jürgen Krogmann (SPD) – und der ist heute Oberbürgermeister.

Die ersten drei Plätze in den jeweiligen Wahlbezirken

Bezirk I (Mitte-Nord): Olaf Klaukien, Eberhard Haunhorst, Hans-Peter Blöcker.
Bezirk II (Mitte-Süd): Christoph Baak, Michael Schilling, Maike Würdemann.
Bezirk III (Nordwest): Annika Eickhoff, Thomas Theilsiefje, Daniel Kaszanics.
Bezirk IV (Nordost): Esther Niewerth-Baumann, Stefan Menke, Heinrich Braaf.
Bezirk V (Süd): Klaus Raschke, Thomas Schnabel, Stefan Schmalriede.
Bezirk VI (Südwest): Hans-Georg Heß, Petra Averbeck, Niklas Howad.

Mehr zum Thema: Noch bunter geht es kaum

Vorheriger Artikel

An Gesprächen führt kein Weg vorbei

Nächster Artikel

Fan-Empfang für den Poptitan

1 Kommentar

  1. Werner Lorenzen-Pranger
    29. April 2016 um 11.31

    AfD will Auftritt von Punkband Slime verhindern – Anträge scheitern

    Auszug: „Die CDU attestierte den Rechtspopulisten zwar, ihr Vorstoß gehe „in die richtige Richtung“.

    Na denn, zaghafte erste Annäherungen? Immerhin, wenns um die Freiheit der Kunst geht, und die wurde hier sogar vom BGH bescheinigt, traut man sich noch nicht so ganz aus der Deckung. Ja, wohin man sieht – überall eine „sehr friedliche“ Partei.