Oldenburg

Stadionplanung spaltet den Oldenburger Stadtrat

Ein Entwurf der Arena aus dem Jahr 2016.

Ein Entwurf der Arena aus dem Jahr 2016.
Grafik: Initiative NordWestStadion

Oldenburg (jvs/pm) Der geplante Neubau des Fußballstadions an der Maastrichter Straße steht vor der nächsten politischen Etappe. Der Rat hatte am 15. April 2024 die Errichtung eines Stadions mit 10.000 Plätzen und einer Ausbaureserve auf bis zu 15.000 Plätze beschlossen. Die Stadt will den Siegerentwurf am Freitag, 8. Mai, bei einem Pressegespräch vorstellen; der Vergabebeschluss an einen Totalunternehmer soll am 1. Juni im Rat fallen. Das Projekt zählt zu den umstrittensten Vorhaben in Oldenburg, weil Kosten, Finanzierung, Verfahren, Bürgerbeteiligung, Klimaaspekte und mögliche Klagen seit Monaten Rat und Stadtgesellschaft beschäftigen. Den Bebauungsplan 831 beschloss der Rat im April 2026 als Satzung; zugleich änderte er den Flächennutzungsplan.

Anzeige

Nach Angaben der Stadt soll das Stadion südöstlich der Weser-Ems-Hallen entstehen. Es soll die Anforderungen des Deutschen Fußball-Bundes für die 3. Liga erfüllen und später auch höhere Ligen ermöglichen. Die Verwaltung hält den Standort wegen der Verkehrsanbindung und der Nähe zu bestehenden Veranstaltungsstätten für geeignet.

Grüne kritisieren Verfahren und Finanzierung

Die Grünen im Rat kritisieren vor allem den Zeitplan. Nach ihrer Darstellung lagen den Ratsmitgliedern am 6. Mai noch keine Entwürfe vor. Die Gesellschafterversammlung der Stadion Oldenburg GmbH & Co. KG sollte diese erst am 7. Mai erstmals sehen. Einen Tag später will die Stadt den Siegerentwurf öffentlich vorstellen. „Es ist vollkommen unangemessen, bereits im Vorfeld von einem Siegerentwurf zu sprechen und diesen öffentlich zu präsentieren, bevor die zuständigen Gremien entschieden haben“, erklärt Ruth Drügemöller für die Ratsfraktion.

Die Grünen sehen dadurch die Gesellschafterversammlung und den Rat unter Druck gesetzt. Aus ihrer Sicht bleibt keine ernsthafte Zeit, Angebote zu prüfen und gegeneinander abzuwägen.

CDU steht hinter dem Stadionbeschluss

Die CDU-Fraktion verweist auf die bisherige Beschlusslage und steht grundsätzlich hinter dem Neubau. Den Siegerentwurf will sie zunächst intern beraten. Die abschließende Entscheidung treffe der Rat am 1. Juni. Eine inhaltliche Bewertung des Entwurfs gab die Fraktion vor der Vorstellung nicht ab.

FDP unterstützt Projekt unter Bedingungen

Die FDP-Fraktion bewertet die Vorstellung des Siegerentwurfs als wichtigen Schritt, aber nicht als Abschluss der politischen Bewertung. Sie stellt den Ratsbeschluss grundsätzlich nicht infrage. Zugleich betont sie, dass ein Entwurf keine Haushaltsfragen beantworte. Ein modernes Stadion könne den Veranstaltungsstandort Oldenburg stärken und sei als kommunale Infrastrukturinvestition grundsätzlich vertretbar.

Die FDP knüpft ihre Unterstützung an Bedingungen. Kosten müssten realistisch kalkuliert und Risiken transparent benannt werden. Bei Baugrund, Entwässerung und technischen Anforderungen entstünden erfahrungsgemäß die größten Kostensteigerungen oft erst in der Umsetzung, schreibt die Fraktion. Sie fordert eine professionelle Projektsteuerung, klare Verantwortlichkeiten und ein erkennbares Eigenengagement von GmbH und Vereinsseite bei der Sponsorenmobilisierung. „Ein Stadion, das primär auf städtischen Mitteln ruht, ist kein tragfähiges Modell“, erklären Daniela Pfeiffer, Thorge Schramm und René Dittrich.

Für Oldenburg fordert belastbare Zahlen

Die Gruppe Für Oldenburg lehnt die geplante Finanzierung ab und kritisiert das Verfahren scharf. Sie verweist auf das Notifizierungsverfahren bei der EU-Kommission. Nach ihrer Auffassung darf die Stadt vor dessen Abschluss keinen Auftrag vergeben. Die Gruppe sieht in einem Fragenkatalog der EU an die Stadt ein Zeichen dafür, dass das Verfahren nicht so problemlos verlaufe, wie Oberbürgermeister Jürgen Krogmann es darstelle.

Für Oldenburg hält die Finanzierung angesichts der Haushaltslage nicht für vertretbar. Die Gruppe verweist auf mögliche Einschnitte bei freiwilligen Leistungen wie Schwimmbädern, Theater, Bibliotheken, Jugendeinrichtungen und Tourismusförderung. Neben den Baukosten nennt sie den späteren Defizitausgleich als zentrales Risiko. Nach ihrer Darstellung könnten jährlich 2,6 Millionen Euro oder mehr auf die Stadt zukommen.

BSW will nach Gesellschafterversammlung Stellung beziehen

Die BSW-Fraktion gab vor der Gesellschafterversammlung keine inhaltliche Stellungnahme ab. Hans-Henning Adler teilte mit, dass am 7. Mai der Vergabevorschlag vorgestellt werde. Die endgültige Entscheidung solle in der Gesellschafterversammlung am 19. Mai und anschließend am 1. Juni im Rat fallen.

SPD verweist im Programm auf Kostenkontrolle

Die SPD-Fraktion antwortete bis zur Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage der OOZ. In ihrem Kommunalwahlprogramm spricht sich die Partei jedoch für das neue Stadion aus. Dort heißt es, die SPD stehe zu der Entscheidung, weil sie Oldenburg als Fußballstadt stärke und weil Fußballspiele Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft zusammenbrächten. Zugleich kündigt die Partei an, den Bau eng zu begleiten und auf ein striktes Kostencontrolling zu achten. Sämtliche Kosten sollten so überwacht und gesteuert werden, dass der vom Rat verabredete Kostenrahmen eingehalten werde.

Bürgerinitiative kündigt Normenkontrollverfahren an

Die Bürgerinitiative gegen den Stadionneubau widerspricht der Darstellung, dass das Vorhaben politisch abgeschlossen sei. Sie betont, dass zwar eine Ratsmehrheit im April 2024 für die Errichtung des Stadions gestimmt habe, Bauauftrag und Umsetzung aber weitere Entscheidungen erfordern. Die Initiative lehnt ein zweites Fußballstadion in Oldenburg ab und kündigt ein Normenkontrollverfahren gegen die Bauleitplanung an. Sie will damit die Rechtmäßigkeit der Planung gerichtlich prüfen lassen.

Die Initiative kritisiert Kosten, Bürgerbeteiligung, Klimafolgen und die vollständige Finanzierung aus Steuergeld. Sie verweist auf mehr als 1000 Einwendungen im Bauleitplanverfahren und auf eine Online-Petition gegen das Projekt. Außerdem warnt sie vor Folgekosten über Jahrzehnte. „Demokratie bedeutet nicht geräuschloses Durchregieren“, schreibt die Initiative. Einfluss auf das eigene Lebensumfeld zu nehmen, sei legitim.

Entscheidung fällt nicht mit der Präsentation

Mit der Vorstellung des Siegerentwurfs endet die politische Auseinandersetzung nicht. Der Rat soll am 1. Juni über die Vergabe an einen Totalunternehmer entscheiden. Für die Befürworter/innen geht es um Profifußball, Veranstaltungsinfrastruktur und den Sportstandort Oldenburg. Für Kritiker/innen geht es um Haushaltsrisiken, Verfahrenstreue, Bürgerbeteiligung und die Frage, ob die Stadt ein Stadion dieser Größenordnung vollständig finanzieren soll. Die kommenden Wochen entscheiden deshalb nicht nur über einen Entwurf, sondern über den nächsten verbindlichen Schritt eines Projekts, das Oldenburg weiter spaltet.

Vorheriger Artikel

CSU-Politiker gegen Widerspruchslösung bei der Organspende

Nächster Artikel

Trigema-Erbin offen für höheren Spitzensteuersatz

1 Kommentar

  1. Karl-Heinz Wemken
    7. Mai 2026 um 16.41 — Antworten

    „Die kommenden Wochen entscheiden deshalb nicht nur über einen Entwurf, sondern über den nächsten verbindlichen Schritt eines Projekts, das Oldenburg weiter spaltet.“
    Von spalten kann wohl eher keine Rede sein, auch wenn dies von der BI gerne einmal so dargestellt wird.
    In den Kontra Kommentaren liest man stets die gleichen Namen, die sich gegen das Projekt aussprechen.
    In einer kürzlich abgelaufenen Diskussion auf „NWZ-Online“ sprachen sich fast 70 % der Teilnehmer dafür aus, dass das Stadion eine „tolle Sache für Oldenburg“ sei.
    Natürlich ist diese Zahl nicht repräsentativ, allerdings dürfte der Zuspruch nicht derartig ausgefallen sein, wenn denn der angebliche Widerstand gegen das Stadion so groß wäre, wie es „BI“ und „Für Oldenburg“ gerne hätten.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.