OB-Wahl: Fast nur Gewinner

Ulf Prange (links) und Jascha Rohr treten am 27. Septemper in einer Stichwahl gegeneinander an.
Foto: Anja Michaeli
Die erste Runde der Oberbürgermeisterwahl in der Stadt hat fast ausschließlich Gewinner produziert. In unterschiedlicher Intensität sicherlich; aber doch in überraschend großer Zahl. Da haben sich am Sonntagabend eine Menge Leute auf die Schulter geklopft – und das (nach Wahlen nicht gerade die Regel) zu Recht.
Nummer eins in der Gewinnerriege ist natürlich Ulf Prange. Der Sozialdemokrat hat im ersten Wahlgang mit 33,16 Prozent die Nase vorn. Dicht gefolgt von Gewinner Nummer zwei: Jascha Rohr. Der Kandidat der Grünen und der CDU (der in den offiziellen Verlautbarungen der Stadt zum eigenen Missbehagen weiter als Grünen-Kandidat „unterstützt von der CDU läuft“) hat mit 30,54 Prozent nicht nur die Stichwahl erreicht, sondern auch die psychologisch wichtige 30-Prozent-Marke übersprungen. Dafür kann man sich zwar nichts kaufen, aber zur Motivation der Anhängerschaft für die anstehenden zwei Wochen Endkampf bis zur Stichwahl dient das allemal.
Indes: Nichts ist vollkommen – und so muss man bei beiden Gewinnern einen Schuss Wasser in den Wein gießen. Prange liegt zwar vorn, hat aber (bei einer um zehn Prozentpunkte höheren Wahlbeteiligung) mit 28.075 Stimmen (33,16 Prozent) knapp anderthalb Tausend Stimmen (7,76 Punkte) weniger geholt als Vorgänger Jürgen Krogmann in der ersten Runde vor fünf Jahren (29.564 Stimmen / 40,92 Prozent). Und Rohr hat mit 25.850 Stimmen (30,54 Prozent) gut 9000 Stimmen weniger bekommen als die Kandidaten von Grünen und CDU gemeinsam vor fünf Jahren (34.928 Stimmen / 48,34 Prozent), deren Ergebnis damals zusammengerechnet vor dem Krogmanns gelegen hatte. Die Kalkulation einiger Strategen, dass Grün und Schwarz doch zusammen mehr als Rot holen müssten, ist zumindest in dieser Runde nicht aufgegangen. Und bei der Ratswahl hat die CDU dafür den Preis gezahlt.
Eine Gewinnerin gibt es auch: Heike Boldt von der Linken hat mit 12,05 Prozent den dritten Platz (im Neuner-Feld) erobert und mehr als einen Achtungserfolg erzielt. Lohn für den Einsatz der zuvor in der Stadtpolitik weithin unbekannten Frau: ein Mandat bei der parallel ausgetragenen Ratswahl. Dass sich eine im Endeffekt aussichtslose Kandidatur für das OB-Amt bei Parteien und Gruppen auszahlen kann, zeigt auch das Abschneiden von Ralf Butzin. Der lief zwar auf der offiziellen Liste der Wahlleitung als Einzelwahlvorschlag, segelte aber eigentlich unter der Flagge der neuen Wählergemeinschaft „Echt Oldenburg“ und holte nicht nur mit 7,34 Prozent den vierten Platz nebst dem Ehrentitel „Best of the Rest“, sondern auch für seine Gruppe das einzige Ratsmandat. Ein Erfolg, der Sebastian Fröhlich von der FDP, Holger Martin Wilkens vom ebenfalls neuen Bürger Bündnis Oldenburg (für das allerdings OB-Kandidaten-Vorgänger Andreas Sander den erneuten Sprung in den Rat schaffte) und Yakup Castur von DAVA Niedersachsen verwehrt blieb.
Das Rekordfeld von neun Bewerberinnen und Bewerbern bei diesem Wahlgang spiegelt sich auch im Binnenverhältnis der Zahlen. Während von fünf Jahren auf die Kandidaten jenseits des rot-grün-schwarzen Trios gerade mal 10,74 Prozent der Stimmen entfielen, waren es diesmal mit 36,3 Prozent mehr als ein Drittel. Ein Zeichen für die Aufsplitterung des politischen Spektrums, die vor allem die parallele Ratswahl geprägt hat – und das ist nicht unbedingt ein Gewinn für die Stadt.
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2 Comments
Marshall
14. September 2026 @ 14.40
Ich komme bei dem rotgrünschwarzen Trio auf ~75%, da bleiben für den Rest ca. 25%🤔.
Lars
14. September 2026 @ 14.38
Herr Prange hat als Ratsherr 20 Jahre Zeit gehabt sich für die Oldenburger einzusetzen. Leider gat er sämtliche Fehlentscheidungen ( Flötenteichbad, Stadtmuseum, Tiefgarage, Fliegerhorst, Vfb- Stadion) des noch amtierenden OB mitgetragen. Was sollte sich also für uns Oldenburger ändern bei seiner Wahl?