Zahlenspiele vor der OB-Wahl

Jascha Rohr (links) und Ulf Prange könnten am 27. September in die Stichwahl gehen.
Foto: Jonas Wendt
Wenn am Sontag die Wahllokale schließen, ist nur das Ratsergebnis endgültig. In Sachen Oberbürgermeister geht es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zwei Wochen später in die nächste Runde: die Stichwahl. Und es bedarf keiner großen Prophetie für die Vorhersage, dass dort die beiden echten Konkurrenten aufeinandertreffen: Sozialdemokrat Ulf Prange und der erst von den Grünen und später auch von der CDU nominierte parteilose Jascha Rohr. Die übrigen sieben Kandidatinnen (2) und Kandidaten (5) dürften (wie bislang üblich) nicht über Statistenrollen hinauskommen. Sie haben brav die Parteifahne hochgehalten oder sich beim Solotanz im vorübergehenden Glanz der Öffentlichkeit gesonnt, vor allem aber auf den diversen Neuner-Podien (von denen mittlerweile nahezu jeder Kegelclub sein eigenes einberuft) den Betrieb aufgehalten – sodass man bisweilen Großvater Goethe anrufen mochte, der da einst befand: „Getretener Quark wird breit, nicht stark“.
Die Zeichen stehen also auf eine Neuauflage des 21er Wahlgangs: Rot gegen Grün (mit schwarzer Beimischung) in veränderter Reihenfolge. Das lohnt allemal einen Rückblick. Damals hatte sich Amtsinhaber Jürgen Krogmann (SPD) in der Stichwahl gegen Daniel Fuhrhop (parteilos für die Grünen, die es erstmals in die Entscheidung geschafft hatten) mit 54,07 zu 45,93 Prozent durchgesetzt. Der grüne Mastermind Hermann Neemann (ohne den in der Partei seit Jahrzehnten nichts geht) hatte es am Wahlabend präzise auf den Punkt gebracht: Mehr könne seine Partei allein (d.h. ohne Unterstützung Dritter) in der Stadt nicht holen.
Neemann hat daraus seine Schlüsse gezogen, rechtzeitig Kontakte zum (eher unerfahrenen) CDU-Vorstand geknüpft und die Partei tatsächlich dazu gebracht, erstmals in der Geschichte der OB-Wahlen auf einen eigenen Kandidaten zu verzichten (nachdem sie 2021 schon an der Stichwahl-Hürde gescheitert war). Die Rechnung war und ist klar: Schwarz und Grün, zusammen muss das doch reichen gegen Rot.
Klingt zunächst logisch; ein Blick auf die genauen Zahlen von damals indes lässt Zweifel an der Polit-Mathematik aufkommen. Krogmann hatte seinerzeit im ersten Wahlgang 29.564 Stimmen (40,92 Prozent), Fuhrhop 21.612 (29,91 Prozent) und der CDU-Kandidat 13.316 (18,34 Prozent). Zusammen wären das für Grün/Schwarz zwar gut 5000 Stimmen mehr als für Rot gewesen, bei der Stichwahl aber lag Krogmann mit 43.493:36.949 Stimmen deutlich vorn. Gegenüber der ersten Runde hatte er 14.000 Stimmen zugelegt, Fuhrhop gerade mal 2000 Stimmen mehr erhalten als Schwarz/Grün zusammen in der ersten.
Was folgt daraus? Zumindest eine Überlegung: Wer damals einen grünen Oberbürgermeister wollte, hat für Fuhrhop votiert. Wer anderer Ansicht war, ist nicht zu Hause geblieben (die Wahlbeteiligung lag um 6,5 Prozentpunkte höher als in der ersten Runde), sondern hat für den weit ins sogenannte bürgerliche Lager (wenn es das denn im klassischen Sinn noch geben sollte) wirkenden SPD-Mann gestimmt. Könnte also sein, dass Neemanns Analyse unverändert richtig ist, das gemeinsame Potential aber schon damals ausgeschöpft war.
Hinzu kommt diesmal ein (vermeintlicher) Vorteil von Rohr, der sich bei genauerem Hinsehen noch als Nachteil herausstellen könnte. Weil die Grünen die SPD als stärkste Ratsfraktion abgelöst haben, steht ihr Kandidat auf Platz 1 des Stimmzettels. Dahinter folgt Sozialdemokrat Prange. Klingt erstmal gut, aber da der Landeswahlleiter verfügt hat, dass hinter jedem Kandidaten nur eine Partei stehen darf und Rohr sich natürlich für die Grünen entschieden hat, fehlt hinter Rohr die CDU – und damit auch auf dem gesamten Stimmzettel. Und was das mit einem aufrechten Christdemokraten in der Wahlkabine macht, wäre einer genaueren Nachwahlbetrachtung wert.
Es bleibt also spannend – zunächst mit der Frage, wer in der ersten Runde die Nase vorn hat.
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2 Comments
Gabriele Dinklage
13. September 2026 @ 15.10
Das die CDU auf dem großen Wahlzettel nicht erwähnt wurde, weil der nIedersächsische Wahlleiter entschieden hat, nur eine Partei darf namentlich draufstehen, wird viele Wähler irritieren!
Kurt Bernhardt
10. September 2026 @ 7.33
1. 2021 hat die CDU keine Wahlempfehlung in der Stichwahl für den grünen OB Kandidaten abgegeben. 2026 gibt es einen Kandidaten Jascha Rohr, der sowohl von Grünen als auch von der CDU aufgestellt wurde. Da er auf dem Wahlzettel ganz oben steht mit dem Zusatz Bündnis90/Die Grünen, wird er aber wahrscheinlich nicht alle CDU Stimmen bekommen sondern vielleicht nur ca. 60%.
2. Da die OB Stichwahl 2021 gleichzeitig mit der Bundestagswahl stattfand, segelte Jürgen Krogmann im Windschatten von Olaf Scholz zum Wahlerfolg. 25,7% SPD Ergebnis bei der Bundestagswahl 2021, Umfragen 2026 für die SPD bundesweit 12,5%. Das Wahlergebnis am Sonntag in Oldenburg wird zeigen, wie sich der Bundestrend auf Oldenburg auswirkt.
3. Eine Forsa Umfrage für Hannover sieht die SPD mit einem Minus von 7,7% gegenüber 2021, die Grünen mit leichten Gewinnen, die CDU mit leichten Verlusten. Wird es in Oldenburg eine ähnliche Bewegung geben? Am Sonntag sind wir schlauer.
4. Wie wird die Amtszeit von Jürgen Krogmann bewertet? Wollen die Wählerinnen und Wähler nach 12 Jahren SPD-Oberbürgermeister mit Ulf Prange wieder einen SPD Mann? Oder wählen sie mit Jascha Rohr einen Wechsel für die Verwaltungsspitze? Es bleibt spannend bis Sonntag Abend.