OB-Wahl: Wo sich die neun Bewerber/innen unterscheiden

In Oldenburg treten neun Kandidaten zur Wahl des neuen Oberbürgermeisters bzw. der neuen Oberbürgermeisterin an. Ganz schön verwirrend.
Foto: Christian Kruse
Die Entscheidung über Jürgen Krogmanns Nachfolge fällt am Sonntag, 13. September 2026, in Oldenburg. Neun Bewerber/innen treten zur Direktwahl an. Krogmann kandidiert nach zwölf Jahren nicht erneut. Die OOZ hat eigene Berichte, schriftliche Antworten, dokumentierte Auftritte und veröffentlichte Programme verglichen. Berücksichtigt werden nur Positionen, die sich aus diesen Quellen eindeutig ableiten lassen.
Nicht alle Kandidat/innen haben sich zu jeder Frage gleich konkret geäußert. Eine fehlende Aussage ersetzt die Redaktion deshalb weder durch eine vermutete Haltung noch durch die Position einer Partei oder Wählergruppe. Der Vergleich konzentriert sich zudem bewusst auf konkrete Streitfelder. Wohnen und Bildung standen bereits im OOZ-Vergleich vom 7. September ausführlich im Mittelpunkt.
Beim Stadion werden Unterschiede konkret
Beim geplanten Stadionneubau lassen sich mehrere Positionen klar voneinander trennen. Ulf Prange hatte im Rat für das Projekt gestimmt und verteidigte diese Entscheidung anschließend bei einer Diskussion zur Stadtentwicklung. Jascha Rohr gehört dem Rat nicht an. Bei derselben Veranstaltung sagte er, er hätte dagegen gestimmt. „Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Erfolg wird“, erklärte Rohr.
Sebastian Fröhlich befürwortet den Neubau und verbindet ihn mit der Perspektive auf Profifußball in Oldenburg. Byanca Küßner will den Ratsbeschluss umsetzen, zugleich aber Möglichkeiten zur Kostensenkung sowie zusätzliche Beiträge des Hauptnutzers und privater Partner prüfen. Holger Martin Wilkens verlangt eine vollständige Überprüfung des Projekts und lehnt eine komplette Finanzierung aus Steuermitteln ab.
Heike Boldt lässt sich nicht eindeutig einem Ja- oder Nein-Lager zuordnen. Die Linken-Kandidatin kritisierte in einem Podcast das Verfahren und verlangte eine ehrliche Kostenplanung. Zugleich brachte sie die Idee ins Gespräch, das Stadion stärker als Nachbarschaftsprojekt zu nutzen. Eine grundsätzliche Ablehnung des Neubaus ist damit nicht verbunden.
Beim Haushalt geht es um Prioritäten
Die Finanzlage stellt die nächste Rathausspitze vor schwierige Entscheidungen. Der vom Rat beschlossene Haushalt 2026 weist ein planerisches Defizit von rund 69 Millionen Euro aus. Die Stadt kann dieses Minus aus ihrer Überschussrücklage ausgleichen. Für die folgenden Jahre sieht die Finanzplanung jedoch weitere Belastungen vor.
Wilkens kündigt einen Kassensturz an und will Großprojekte kritisch überprüfen. Küßner verwendet ebenfalls den Begriff Kassensturz. Sie will zunächst Verwaltungsabläufe, externe Leistungen und noch nicht begonnene freiwillige Großprojekte prüfen. Pauschale Kürzungen bei Bildung, Jugend, Kultur und Sozialem lehnt sie ab.
Rohr fordert ein Konsolidierungskonzept und ein Effizienzprogramm. Investitionen sollen mitsamt ihren Folgekosten betrachtet werden. Sparen will er zuerst bei Strukturen und nicht bei Vereinen, Kultur, Bildung oder Sozialem. Außerdem fordert er mehr Transparenz bei den städtischen Eigenbetrieben und Beteiligungen.
Fröhlich nennt Haushalt und Finanzen ebenfalls als Schwerpunkt. Konsolidierungsmöglichkeiten sieht er besonders bei städtischen Eigenbetrieben, Gesellschaften und Verwaltungsabläufen. Zugleich setzt er auf Wirtschaftsförderung, um die Einnahmebasis der Stadt zu stärken.
Prange steht in dieser Frage stärker für eine bereits getroffene politische Entscheidung. Als SPD-Fraktionsvorsitzender unterzeichnete er im Januar den Haushaltskompromiss mit CDU und FDP. Der Rat beschloss den Etat anschließend mit den Stimmen dieser drei Fraktionen.
Castur will sich zunächst einen Überblick über Finanzen, Verpflichtungen und laufende Großprojekte verschaffen. Ralf Butzin nennt den Haushalt als einen seiner Schwerpunkte und äußerte bei der VHS-Diskussion Zweifel an den finanziellen Belastungen durch große Investitionen. Boldt setzt einen anderen Akzent: Sie richtet den Blick auf soziale Daseinsvorsorge und die Beschäftigten der Stadt und ihrer Einrichtungen.
Verkehr: Wie stark soll die Stadt steuern?
Beim Verkehr werden unterschiedliche Vorstellungen über den Weg zum Ziel sichtbar. Rohr will Fahrradstraßen und Radwege stärker priorisieren, den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und Park-and-Ride stärken. Fröhlich setzt dagegen stärker auf Akzeptanz als auf Vorgaben. Ein vollständiges Zurückdrängen des Autos aus der Innenstadt hält er für unrealistisch.
Wilkens fordert ebenfalls, zunächst attraktive Alternativen zum Auto zu schaffen. Erst danach solle über weitere Einschränkungen des Pkw-Verkehrs gesprochen werden. Küßner will die Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausspielen. Vor weitreichenden Veränderungen verlangt sie aktuelle Daten unter anderem zu Busverkehr, Nebenstraßen, Parkhäusern, Lieferverkehr und sicheren Rad- und Fußwegen.
Prange und Rohr bekannten sich bei der VHS-Diskussion zum Ziel der Klimaneutralität bis 2035, auch wenn dafür unpopuläre Entscheidungen nötig werden. Michael Stille setzte dort ebenfalls einen deutlichen Schwerpunkt auf Klima und Umwelt. Eine vergleichbar konkrete aktuelle Position zur Aufteilung des Verkehrsraums ist von ihm in den ausgewerteten Quellen nicht dokumentiert.
Boldt fordert ein dichtes und verlässliches Busnetz und versteht Mobilität als öffentliche Daseinsvorsorge. Zu Castur und Butzin liegen in den ausgewerteten Quellen dagegen keine Positionen vor, die einen ebenso konkreten Vergleich zur Verkehrspolitik ermöglichen.
Wie soll die neue Rathausspitze führen?
Auch beim Verständnis des Amtes unterscheiden sich die Akzente. Rohr will Bürger/innen, Verwaltung und Politik stärker zusammenbringen. Ein Organisationsgutachten soll Schwachstellen in den Abläufen zeigen; eine digitale Übersicht soll Beschlüsse, Kosten und Zeitpläne nachvollziehbar machen.
Küßner betont stärker die Aufgabenteilung zwischen Rat und Rathausspitze. Über Haushalt und politische Grundsatzfragen entscheide der Rat. Die Oberbürgermeisterin oder der Oberbürgermeister führe dagegen die Verwaltung, bereite belastbare Vorschläge vor und werbe im Rat um Mehrheiten.
Fröhlich setzt auf klare Verantwortlichkeiten und effizientere Abläufe. Wilkens stellt Führung, Organisation und Transparenz heraus. Castur will Entscheidungswege verkürzen und gleichzeitig Vereine, Verbände sowie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen stärker einbeziehen.
Ralf Butzin beschreibt die Rathausspitze vor allem als Vermittler zwischen Bürger/innen und Rat. Boldt bringt ihre Perspektive als Gewerkschafterin ein und richtet den Blick stärker auf die Beschäftigten. Prange verbindet gesellschaftlichen Zusammenhalt mit einer modernen Verwaltung.
Der Vergleich zeigt damit keine einfache Lagerbildung. Je nach Streitfrage entstehen andere Näheverhältnisse und Gegensätze. Gerade bei Stadion, Haushaltsprioritäten und Verkehr wird jedoch sichtbar, dass die Wahl nicht nur zwischen unterschiedlichen Personen entscheidet, sondern auch zwischen unterschiedlichen Wegen für die kommenden acht Jahre.
Vergleich im Überblick
| Kandidat/in | Stadion | Haushalt | Verkehr/Klima | OB-Amt |
|---|---|---|---|---|
| Ulf Prange | Projekt unterstützt; im Rat dafür gestimmt | Haushaltskompromiss mit CDU und FDP mitgetragen | Klimaziel 2035; ÖPNV und sichere Wege stärken | moderne Verwaltung, gesellschaftlicher Zusammenhalt |
| Jascha Rohr | hätte gegen das Projekt gestimmt | Konsolidierung, Folgekosten und Strukturen prüfen | Rad und ÖPNV stärken; Klimaziel 2035 | Beteiligung und Verwaltungsmodernisierung |
| Sebastian Fröhlich | befürwortet Neubau | Eigenbetriebe, Gesellschaften und Abläufe prüfen | weniger Vorgaben; Auto-Erreichbarkeit erhalten | klare Verantwortung, effiziente Abläufe |
| Heike Boldt | kritisiert Verfahren und Kostenplanung; keine klare Ja/Nein-Position | soziale Daseinsvorsorge und Beschäftigte im Blick | verlässliches Busnetz als Daseinsvorsorge | Beschäftigte und soziale Perspektiven stärker einbeziehen |
| Holger Martin Wilkens | Projekt vollständig prüfen; keine komplette Steuerfinanzierung | Kassensturz und Prüfung von Großprojekten | erst Alternativen, dann Pkw-Einschränkungen | Führung, Organisation und Transparenz |
| Yakup Castur | keine eindeutige Position dokumentiert | Finanzen und Großprojekte zunächst sichten | keine eindeutige Position dokumentiert | schnellere Entscheidungen und breitere Beteiligung |
| Byanca Küßner | Ratsbeschluss umsetzen; Kosten und Finanzierung weiter prüfen | Kassensturz; keine pauschalen Sozialkürzungen | Verkehrsmittel verbinden; Entscheidungen auf Daten stützen | Rat entscheidet Grundsatzfragen, OB führt Verwaltung |
| Ralf Butzin | keine eindeutige Position dokumentiert | Belastungen großer Investitionen kritisch | keine eindeutige Position dokumentiert | Vermittlung zwischen Bürger/innen und Rat |
| Michael Stille | keine eindeutige Position dokumentiert | keine eindeutige Position dokumentiert | Klima und Umwelt deutlich hervorgehoben | keine eindeutige Position dokumentiert |
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt.
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