OB-Wahl: Neues Angebot vergleicht Positionen

Foto: Christian Kruse
Ein neues Online-Angebot soll vor der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag, 13. September 2026, politische Unterschiede zwischen den neun Bewerber/innen sichtbar machen. „Wahlpositionen“ stammt von der Oldenburger Plattform „Politik vor Ort“. Nutzer/innen beantworten zwölf kommunalpolitische Thesen und erhalten anschließend einen Vergleich mit den dokumentierten Positionen der Kandidat/innen. Verantwortlich für das Projekt ist Lars Schwarz.
Alle neun Kandidat/innen erhielten nach Angaben des Betreibers am 14. August denselben Fragebogen mit identischer Frist. Ralf Butzin, Jascha Rohr, Holger Wilkens, Sebastian Fröhlich, Byanca Küßner und Heike Boldt antworteten. Ulf Prange, Yakup Castur und Michael Stille reichten keinen Fragebogen ein.
Öffentliche Aussagen bei drei Kandidaten
Die drei fehlenden Fragebogenantworten führen nicht automatisch zu einer schlechteren Bewertung. „Politik vor Ort“ greift bei diesen Kandidaten auf öffentlich dokumentierte Positionen zurück. Dabei gelten eigene Veröffentlichungen und Wahlprogramme als wichtigste Quellen, danach folgen wörtliche Aussagen in redaktionellen Medien, dokumentiertes Abstimmungsverhalten und weitere öffentliche Äußerungen.
Eine thematisch ähnliche Aussage genügt nach der veröffentlichten Methodik nicht. Nur wenn eine Quelle die konkrete Abwägung der jeweiligen These eindeutig beantwortet, wird eine Position zugeordnet. Andernfalls bleibt sie offen und fließt nicht in die Berechnung ein. Damit können die Vergleichswerte verschiedener Kandidat/innen auf unterschiedlich vielen Thesen beruhen.
Die zwölf Fragen behandeln unter anderem Haushalt, Kontrolle von Großprojekten, Bürgerentscheide, Stadion, Flötenteichbad, Verwaltung, Wohnungsbau, Mobilität, Klimaschutz, Ordnungsdienst, Housing First und Bildungsbau. Der Betreiber hat den Wortlaut der Thesen nach eigenen Angaben am 12. August festgeschrieben und seitdem nicht mehr verändert.
So wird die Übereinstimmung berechnet
Für jede These stehen fünf Antwortstufen zwischen vollständiger Zustimmung und Ablehnung zur Verfügung. Stimmen Nutzer/in und Kandidat/in vollständig überein, zählt die Antwort mit 100 Prozent. Eine Stufe Abstand entspricht 75 Prozent, zwei Stufen 50 Prozent, drei Stufen 25 Prozent. Bei entgegengesetzten Antworten beträgt die Übereinstimmung null Prozent. Nutzer/innen können einzelne Fragen zusätzlich gewichten.
Fehlende Positionen ersetzt das System nicht durch einen Mittelwert oder eine angenommene Haltung. Sie fallen aus der Berechnung heraus. Neben dem Ergebnis steht deshalb auch, wie viele der zwölf Thesen tatsächlich verglichen wurden. Ein hoher Wert auf Grundlage weniger Aussagen hat damit eine andere Aussagekraft als derselbe Wert auf Grundlage aller zwölf Thesen.
Der Betreiber benennt diese Grenze ausdrücklich. „Der Übereinstimmungswert misst Positionen, nicht Eignung, Erfahrung oder Durchsetzungsfähigkeit“, heißt es in der Methodik. Auch zwölf Streitfragen können ein politisches Programm nicht vollständig abbilden. Da mehrere Thesen finanzielle Prioritäten betreffen, erhält dieser Themenbereich im Gesamtergebnis zudem ein größeres Gewicht.
Antworten bleiben im Browser
Nach Angaben von „Politik vor Ort“ werden die Antworten der Nutzer/innen weder gespeichert noch ausgewertet. Sie verlassen die aufgerufene Seite nicht. Nach einem Neuladen muss der Vergleich deshalb erneut ausgefüllt werden. Das Angebot bezeichnet sich selbst ausdrücklich nicht als Wahlempfehlung.
Zusätzlich veröffentlicht die Plattform sechs offene Fragen zum Amts- und Führungsverständnis. Diese Antworten werden getrennt dargestellt und fließen nicht in den Prozentwert ein. Leser/innen können außerdem sämtliche Positionen zu den zwölf Thesen mit Begründungen und Quellen einzeln einsehen.
Anderer Ansatz als beim Lokalomat
„Wahlpositionen“ bezieht sich ausschließlich auf die Oberbürgermeisterwahl. Der Lokalomat zur gleichzeitig stattfindenden Ratswahl vergleicht dagegen die antretenden Listen anhand von 34 Thesen mit drei Antwortstufen. Die Ergebnisse beider Angebote lassen sich nach Angaben des Betreibers deshalb nicht direkt miteinander vergleichen.
Herausgeber von „Politik vor Ort“ und redaktionell verantwortlich für den Vergleich ist Lars Schwarz. Er arbeitet außerdem als Gruppenmitarbeiter für die Gruppe „Für Oldenburg“ im Stadtrat. Die Gruppe ist nicht mit der zur Kommunalwahl antretenden „Wählergemeinschaft Für Oldenburg“ zu verwechseln.
Weitere Informationen gibt es unter www.politik-vor-ort.de.
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