Politik

Krogmann bannt den Oldenburger Fluch

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann bleibt im Amt.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (Michael Exner) Oberbürgermeister Jürgen Krogmann bleibt im Amt. Der 59 Jahre alte Sozialdemokrat gewann am Sonntag die Stichwahl gegen den parteilosen Grünen-Kandidaten Daniel Fuhrhop (53) mit 54,07 zu 45,93 Prozent – bei einer Wahlbeteiligung von 60,29 Prozent. Mit seinem Erfolg hat der alte und neue OB auch einen 40 Jahre währenden Oldenburger Fluch gebannt. So lange ist es her, dass ein Oldenburger Oberbürgermeister mehr als eine Amtszeit absolvieren durfte.

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Nachdem es anfangs noch nach einem knappen Rennen ausgesehen hatte, fiel Krogmanns Sieg letztlich doch deutlich aus. Er holte 43 492 Stimmen, fast 14 000 mehr als in der ersten Runde, die er mit 40,92 Prozent gewonnen hatte. Fuhrhop (der in der Wahlnacht erst sehr spät im Wahlzentrum erschien) bekam 36 947 Stimmen und legte gegenüber der Vorwahl gut 15 000 Stimmen zu. Schon im ersten Durchgang hatte er das Ergebnis seiner gleichermaßen glück- wie profillosen Vorgängerin Marion Rieken von 2014 nahezu verdoppelt. In der Schlussbilanz gelang ihm nicht nur als erstem Grünen-Kandidaten der Einzug in die Stichwahl, er holte auch das historisch beste Ergebnis für die Partei.

Krogmann wiederum setzt mit dem Sieg eine für Oldenburg beispiellose Erfolgsserie fort. Der studierte Historiker und gelernte Journalist hat bislang jede Wahl gewonnen, für die er antrat. Dass er 2006 (Geschichte hat bisweilen einen Hang zur Ironie) von Vorgänger Gerd Schwandner als Stadtsprecher kaltgestellt wurde, war für den bis dato parteipolitisch eher unauffälligen Sozialdemokraten der Startschuss zu einer Blitz-Karriere. Er gewann zweimal (2008/13) im Stadtnorden das Direktmandat für den Landtag (und besiegelte damit das Schicksal von CDU-Minister Lutz Stratmann), übernahm kurzzeitig den SPD-Vorsitz in der Stadt, wurde 2011 mit dem besten Ergebnis aller Kandidaten in den Rat gewählt und landete 2014 einen 70:30-Sieg in der OB-Stichwahl über den heutigen CDU-Vorsitzenden Christoph Baak. Der aktuelle Sieg sieht auf den ersten Blick bescheidener aus, doch das täuscht. Krogmann packte auf das Stichwahl-Ergebnis von damals über 13 000 Stimmen drauf. Die Zahlen sind allerdings nicht 1:1 vergleichbar. Wegen der gleichzeitig laufenden Bundestagwahl lag die Wahlbeteiligung diesmal deutlich höher als 2014 (60,29:33,82 Prozent).

Krogmanns zweite Periode geht bis 2026. Die unterschiedlich langen Amtszeiten (sieben Jahre in der ersten und jetzt fünf) sind auf eine zwischenzeitlich erfolgte Änderung der Kommunalverfassung zurückzuführen. 2013 hatte die damals frisch ins Amt gelangte rot-grüne Landesregierung die Amtszeiten von Verwaltungs-Chefs (damals acht Jahre) und die Ratsperioden (fünf Jahre) angeglichen und gleichzeitig die Wahltermine synchronisiert. In der Übergangszeit kam es zu „gestückelten“ Zeiten für (Ober-)Bürgermeister und Landräte.

Im neuen Rat wird das Agieren für den Oberbürgermeister nicht einfacher. Seine Partei musste die Führungsposition um einen Sitz an die Grünen abtreten. Zweier-Mehrheiten gibt es künftig nur noch für Rot/Grün – und das war in der Vergangenheit eine eher schwierige Konstellation.

Update, 1. Oktober, 12.07 Uhr
Die Wahlausschüsse der Stadt Oldenburg haben am Donnerstagnachmittag das amtliche Endergebnis der Bundestagswahl und der Stichwahl zum Oberbürgermeister vom 26. September festgestellt. Nach Durchsicht der Unterlagen gab es lediglich kleinere Veränderungen bei den Stimmenzahlen. Bei der Stichwahl zum Oberbürgermeister entfielen auf Jürgen Krogmann 43.492 Stimmen, auf Daniel Fuhrhop 36.976 Stimmen. Insgesamt gab es 80.442 gültige Stimmen und 1023 ungültige Stimmen.

Bei der Wahl zum Bundestag entfielen auf die Einzelbewerberinnen und Einzelbewerber folgende Stimmanteile: Stephan Albani (CDU, 34.293), Dennis Rohde (SPD, 65.759), Daniel Rüdel (FDP, 12.860), Andreas Paul (AfD, 8.572), Susanne Menge (Grüne, 35.119), Amira Mohammend Ali (Die Linke, 10.184), Holger Lubitz (Piraten, 1.524), Michael Krüger (ÖDP, 471), Johanna Friederike Jensen (MLDP, 89), Werner Georg Behrends (dieBasis, 1.907), Jens Ahrends (LKR, 136).

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2 Kommentare

  1. W. Lorenzen-Pranger
    27. September 2021 um 22.58 — Antworten

    Besser es wäre anders gekommen – aber was schert die Mehrheit der Oldenburger schon ihre Kunst-Szene z.B.? Andere Orte nutzen gerade so ein Angebot als Marketing-Vorteil…

  2. Julian
    4. Oktober 2021 um 2.07 — Antworten

    Der Mann der in Quarantäne dem Briefträger die Handschütteln will gewinnt die Wahl 1 Tag nach dem der ohne Maske den Abstand nicht einhaltend Werbung macht für sich selbst . Ein Witz dieses System #Korruption lässt grüßen

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