Oldenburg (am) – Die Anzahl der ankommenden Flüchtlinge steigt weiter: Die Stadt Oldenburg erwartet jetzt rund 100 Asylbewerber wöchentlich. Der Zuzug von 980 Menschen muss bis einschließlich März bewältigt werden, danach entscheidet das Land voraussichtlich über neue Verteilquoten. Zurzeit sind fast alle Unterkünfte belegt und neue Unterbringungsmöglichkeiten werden gesucht, bereits angebotene Immobilien geprüft und ausgebaut.

Seit November 2010 liegt die Quote für die Stadt Oldenburg bei 2786 Flüchtlingen. Von Dezember bis März sollen jetzt weiter 980 Menschen aufgenommen werden. Bei der Berechnung der Quote durch das Land Niedersachsen wurden die 1100 Plätze in der Landeserstaufnahmeeinrichtung Kloster Blankenburg, der Notunterkunft im ehemaligen Markt Mios und den in Amtshilfe geschaffenen Plätze in der Post SV-Halle berücksichtigt. Von den insgesamt 3766 in Oldenburg aufzunehmenden Flüchtlingen müssen demnach bis März noch 1230 Menschen aufgenommen werden. Im November wurden 118 Flüchtlinge zugewiesen, im Dezember 164 und im Januar bisher 81. „Der Zuzug nimmt deutlich zu. Wir brauchen ein Vielfaches der bestehenden Plätze. Die Verwaltung arbeitet unter Hochdruck“, betont Sozialdezernentin Dagmar Sachse. Es könne sein, dass bis Ende des Jahres zusätzlich 2500 bis 3500 Flüchtlinge aufgenommen werden müssten. „Das ist mit den vorhandenen Gebäuden nicht darstellbar“, so Sachse, die auf die Unterstützung des Landes baut. Die Herausforderung sei größer, als bisher gesehen wurde. Sie sei auch davon überzeugt, dass auch das öffentliche Leben in Oldenburg davon beeinflusst werden würde. Beispielsweise könne es beim Personal zu Engpässen kommen.

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Flüchtlinge, die in Oldenburg untergebracht wurden, kommen in der Mehrheit aus dem Irak und aus Syrien.

Flüchtlinge, die in Oldenburg untergebracht wurden, kommen in der Mehrheit aus dem Irak und aus Syrien.
Grafik: Stadt Oldenburg

Die Flüchtlinge wurden in den Gemeinschaftsunterkünften Gaußstraße, Cloppenburger Straße, Schützenweg, Alexanderstraße, Containerstandorte Gaußstraße und Alexanderstraße, in der Notunterkunft Sporthalle Fliegerhorst und Schlachthofstraße sowie in der ehemaligen BBS III und in der Jugendherberge untergebracht. Von den 1054 zur Verfügung stehenden Plätze sind derzeit 984 belegt. Zudem wurden für die dezentrale Unterbringung 145 Wohnungen angemietet (137 belegt). Sie werden für 468 Personen genutzt. Aufgenommen wurden insgesamt 545 Mädchen und Frauen, 907 Jungen und Männer – darunter 349 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre (149 wurden dezentral untergebracht). Aus den kommunalen Gemeinschaftsunterkünften (KGU) sind 331 Personen nach Erhalt des Aufenthaltstitels ausgezogen.

Im Sozialausschuss erklärte Sozialdezernentin Dagmar Sachse, dass die Unterbringung in Sporthallen weiterhin vermieden werden soll. Containeranlagen in der Adenauerallee und an der Kolckwiese werden in Betrieb genommen. Im Laufe des Jahres würden weitere Projekte realisiert. „Die Informationen erteile ich erst, wenn alles in trockenen Tüchern ist“, sagte Sachse. Die nach dem Amtshilfeersuchen des Landes für Flüchtlinge zur Verfügung gestellte Post SV-Halle sollte im Frühjahr für Skater hergerichtet werden. „Da stehen wir im Wort“, betonte SPD-Ratsfrau Germaid Eilers-Dörfler. Genaues konnte die Sozialdezernentin gestern dazu nicht verkünden. Als Alternative würden Gewerbeimmobilien geprüft. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. Ebenfalls nur befristet genutzt werden können die ehemalige BBS III und die Halle in der Schlachthofstraße.

Die Situation wird verschärft, weil Flüchtlinge auch nach der Anerkennung weiter in den Gemeinschaftsunterkünften ausharren müssen. Rund 300 Menschen mit Aufenthaltstitel müssten sich eine Wohnung auf dem freien Markt suchen – aber sie finden keine neue Bleibe. Da die meisten Menschen aus Syrien oder dem Irak nach Oldenburg kommen und die Anerkennungsquote für Flüchtlinge aus diesen Ländern sehr hoch sei, müsse davon ausgegangen werden, dass in einem zweiten Schub die Familien nachziehen, die zurzeit in Wartestellung seien, so Hans-Henning Adler von den Linken. „Die Wohnungslage wird sich in den nächsten Wochen und Monaten verschärfen“, warnte er. Auch daran müsse gedacht werden.

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