Oldenburg

Fehlerhafte Gedenkwand sorgt für heftige Kritik

Am 10. November wurde die Gedenkwand offiziell enthüllt. Jetzt sorgt sie für Kritik und eine Lösung ist nicht in Sicht.

Am 10. November wurde die Gedenkwand offiziell enthüllt. Jetzt sorgt sie für Kritik und eine Lösung ist nicht in Sicht.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (zb) Am 10. November letzten Jahres ist eine Gedenkwand für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Oldenburg an der Peterstraße feierlich enthüllt worden (die OOZ berichtete). Doch jetzt wurde Kritik laut, weil sie fehlerhaft ist.

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167 Namen erinnern dort an jüdische Mitbürger, die von den Nazis ermordet worden sind. Die Gedenkwand geht auf die Initiative des Arbeitskreises „Erinnern und gestalten“ (AKE), in dem unter anderem Oldenburgs ehemaliger Kulturdezernent Dr. Ekkehard Seeber mitarbeitet, zurück. Er hatte maßgeblich an der Realisierung mitgewirkt. Doch jetzt stellt sich heraus, dass einige Angaben auf der Wand falsch sind. Allerdings wurden die Fehler bislang nur hinter verschlossenen Türen erörtert und nicht in der Öffentlichkeit.

So steht Axel statt Alex Goldschmidt auf der Gedenkwand. Als seine letzte Wohnung wird die Adresse Staulinie 17 angegeben. Genau das findet Roland Neidhardt, Mitglied der deutsch-israelischen Gesellschaft, „beschämend“. Denn tatsächlich besaß Alex Goldschmidt an der Gartenstraße 34 ein Haus, das von den Nazis arisiert wurde. Er musste es zwangsweise verlassen und lebte danach vor seiner Deportation in der Staulinie 17, in sogenannten „Judenhäusern“. Dort wurden jüdische Bürger aus Oldenburg gesammelt untergebracht. Es handelte sich also keineswegs um ihre eigene Wohnung im Sinne von persönlicher Wohnung.

Auf der Gedenkwand stehen somit nicht durchgehend die ursprünglichen Adressen der Ermordeten, sondern die der „Judenhäuser“, in der sie unter Zwang lebten. Dieser Hintergrund ist jedoch wichtig, um die Adressenangaben historisch angemessen einordnen zu können, argumentieren die Kritiker.

„Die Angabe früherer Adressen käme einer Verschleierung gleich. Konsequent die letzten Wohnungen / Adressen der Todesopfer anzugeben, sei die einzig sinnvolle und pragmatische Methode, um bei der Vielzahl von Adressen zwischen 1933 und 1940 nicht willkürlich zu verfahren“, heißt es dagegen in einem Protokoll einer nicht öffentlichen außerordentlichen Sitzung vom 16. Dezember 2013 des AKE.

Das findet Sebastian Beer, Sprecher der Oldenburger Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, nicht. „Der hier gemachte Fehler zeigt, dass wir immer noch Probleme damit haben, die Ereignisse der Nazizeit richtig zu verstehen und einzuordnen und wir gerade deshalb miteinander darüber reden sollten.“ Warum die Kulturausschussmitglieder nicht auf den Fehler gestoßen sind, erklärt Beer mit dem Begriff „letzte Wohnung“. Er sei davon ausgegangen, es handele sich um die jeweils letzte Wohnung im Sinne von persönlicher Wohnung und nicht um die Zwangswohnung.

Der AKE hat sich in besagter Sitzung auch Gedanken über die Reaktion der Öffentlichkeit und mögliche Folgen gemacht. „Jeder Eingriff an der Wand hat Reaktionen zur Folge“, heißt es in dem Protokoll. „Das ist politisch verantwortungslos. Deshalb sollten diese Diskussionen aus der Öffentlichkeit herausgehalten werden.“ „Genau das ist falsch“, findet Beer. „Es gibt überhaupt keinen Grund, das Thema zu verheimlichen. Vielmehr würde eine öffentliche Diskussion dafür sorgen, dass viele Oldenburger über die Problematik nachdenken.“

Jürgen Krogmann von der SPD-Fraktion bedauert die jetzige Debatte ebenso wie Olaf Klaukien von der CDU-Fraktion. „Alle wollen doch das gleiche, nämlich an die jüdischen Opfer angemessen an einem würdigen Ort erinnern“, sagen sie übereinstimmend. „Jetzt erleben wir gegenseitige Schuldzuweisungen, die nicht im Sinn der Sache sind“, bedauert Klaukien. Krogmann hofft, „dass der Oberbürgermeister auch in seiner Funktion als Kulturdezernent die Angelegenheit in die Hand nimmt und wie versprochen alle Seiten an einen Tisch holt, um so schnell wie möglich eine einvernehmliche Lösung zu erzielen.“

Während Hans-Richard Schwartz von der FDP-Fraktion in einer schriftlichen Erklärung den Standpunkt vertritt, „die Kritik ist nicht durchgreifend“, schlägt Hans-Henning Adler von der Gruppe Die Linke/ Piratenpartei eine Informationstafel neben der Gedenkwand für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Oldenburg vor dem Kulturzentrum PFL vor, auf der die Herkunft der auf der Tafel angegebenen Adressen der ermordeten Juden erläutert wird. Außerdem beantragt die Gruppe im nächsten Kulturausschuss, dass die Verwaltung einen konzeptionellen Vorschlag für eine solche Informationstafel entwickeln soll.

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