Oldenburg

Zahl der Straftaten fast unverändert

Franz Reinermann und Eckard Wache stellten die Kriminalstatistik 2016 für Oldenburg vor.

Franz Reinermann (links) und Eckard Wache stellten die Kriminalstatistik 2016 für Oldenburg vor.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am) Mit 14.816 registrierten Delikten sind die Straftaten in Oldenburg im Verhältnis zu den steigenden Einwohnerzahlen nahezu auf dem Vorjahresniveau geblieben (2015: 14.598). Die Aufklärungsquote konnte um einen Prozent auf 55,11 Prozent (2015: 54,11 Prozent) gesteigert werden. Insgesamt bleibt die Kriminalität in Oldenburg laut polizeilicher Kriminalstatistik 2016 geprägt von einem hohen Diebstahls- aber geringem Gewaltanteil. Mit Sorge betrachtet Polizeidirektor Eckard Wache, Leiter der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt / Ammerland, die Entwicklung bei Wohnungseinbrüchen.

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Oldenburg ist eine sichere Stadt

Als Indiz für die Kriminalitätsbelastung einer Stadt dient die sogenannte Häufigkeitszahl. Sie hat sich in Oldenburg von 9072 auf 9044 Straftaten je 100.000 Einwohner reduziert. „Für eine Stadt dieser Größenordnung ist das eine gute Zahl“, erklärte Wache. Während Wilhelmshaven mit einer Häufigkeit von zirka 13.200 zu kämpfen habe, verzeichne Wolfsburg 7200 Taten. „Oldenburg ist eine sichere Stadt“, kommentierte das Polizeidirektor Franz Reinermann, stellvertretender Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Natürlich sei jede Straftat eine zu viel.

Mord und Totschlag

Alle 19 Fälle im Bereich „Straftaten gegen das Leben“ konnten aufgeklärt werden (2015: 10, davon 7 aufgeklärt). Darunter zwölf Versuche, fünf Verdachtsverfahren gegen Angehörige medizinischer Berufe und zwei vollendete Taten, die zurzeit vor Gericht verhandelt werden (die OOZ berichtete hier und hier).

Rohheitsdelikte (Körperverletzungen und Raubtaten)

1685 Fälle wurden der Polizei gemeldet (2015: 1669). Im Verhältnis zur Gesamtkriminalität liegt der Anteil in Oldenburg bei 11,37 Prozent (landesweit: 14,32 Prozent). Gestiegen sind allerdings die Körperverletzungen von 1104 (2015) auf 1214 (2016). Dies könnte an der gesunkenen Hemmschwelle der Täter liegen, vermutet Wache. Erfreulich sei die Entwicklung bei Raub und räuberischer Erpressung, so Reinermann. Von den 115 gemeldeten Fällen (2015: 124) konnten 68 aufgeklärt werden (2015: 77).

Sexualstraftaten und häusliche Gewalt

Von 112 Fällen (2015: 103) konnten 71 (2015: 70) aufgeklärt werden. In 266 Fällen (2015: 280) kam es zu häuslicher Gewalt.

Wohnungseinbruch

Die Fallzahlen von 308 auf 434 bei Wohnungseinbrüchen zeigen den spürbaren Anstieg trotz zahlreicher Maßnahmen wie Großkontrollen, Beteiligungen an landesweiten Programm oder Präventionsangebote. „Wir arbeiten daran, verschiedene Arbeits- und Ermittlungsgruppen wurden eingerichtet“, sagt Wache. Der Anteil von Versuchstaten stieg in diesem Jahr auf 43,09 Prozent (2015: 37,7 Prozent). Grund dafür sehen die Polizisten im vielfach verbesserten Einbruchschutz, der unter anderem durch rund 280 technische Beratungen des Beauftragten für Kriminalprävention durchgeführt wurden. Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen lag bei rund 17 Prozent.

Diebstahl

Der Anteil der Diebstahlsdelikte in der Gesamtkriminalität lag mit fast 46 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt mit zirka 36 Prozent. Insgesamt wurden 6809 Fälle (2015: 6735) angezeigt. Beim Ladendiebstahl wurden 1119 Fälle (2015: 1091) verzeichnet, die Aufklärungsquote lag bei 91,42 Prozent (2015: 92,03 Prozent). Es wurden 2066 Fahrräder gestohlen (2015: 2036). Davon wurden mehr Fälle als im Vorjahr aufgeklärt (2016: 17,81 Prozent, 2015: 10,66 Prozent). Die hohen Fallzahlen in diesen Bereichen führt die Polizei darauf zurück, dass Oldenburg eine Fahrrad- und Einkaufsstadt ist.

Cyberkriminalität

Die Task Force Cybercrime ermittelte 2016 in 819 Fällen (2015: 657) – darunter Datendiebstahl, Einsatz von Trojanern, gefälschte Handykarten und virtuelle Kriminalität bei Computergames. Die Aufklärungsquote lag bei 86,20 Prozent (2015: 76,10 Prozent). Die Steigerung der Fallzahlen um 24,66 Prozent (landesweit: 6,22 Prozent) führen die Polizeibeamten auf die Bemühungen zurück, das Dunkelfeld aufzuhellen. „Je tiefer man einsteigt, desto mehr gräbt man aus“, weiß Wache.

Rauschgiftdelikte

Von 691 Fällen (2015: 579) wurden wie im Vorjahr zirka 96 Prozent aufgeklärt. Die erhöhten Fallzahlen erklären sich aus der vermehrten Nutzung digitaler Medien. „Anhand der Kommunikation konnte weitere Tatverdächtigte ermittelt werden“, so Reinermann.

Opfer und Tatverdächtige

Zirka 13 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen waren Kinder und Jugendliche. Rund 22 Prozent aller Tatverdächtigen handelten unter Drogeneinfluss (Hartdrogen, Alkohol). Nur 65 Prozent wohnen auch in Oldenburg, 35 Prozent kamen von außerhalb.

Im Verhältnis betrachtet waren ältere Menschen seltener betroffen. 18,8 Prozent der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt, 5,19 Prozent wurden 2016 Opfer einer Straftat.

Bei den rund 15.000 angezeigten Straftaten standen 668 im Zusammenhang mit Flüchtlingen. In 50 Fällen davon waren Flüchtlinge die Opfer. 111 Male wurde die Polizei wegen Konflikten in Flüchtlingsunterkünften gerufen. „Flüchtlinge waren zwar überproportional an Rohheitsdelikten beteiligt, vielfach ging es aber um Auseinandersetzungen untereinander“, berichtet Wache. Wenige – insbesondere junge – Tatverdächtige hätten eine Vielzahl der 618 Straftaten begangen. „Weil die Stadt Oldenburg ein gutes Konzept hat, gibt es weniger Konflikte“, lobt Wache die Stadtverwaltung. Deshalb habe Oldenburg die Probleme anderer Städte nicht. Die Aufklärung von Straftaten sei jedoch erschwert worden, wenn Flüchtlinge mit verschiedenen Identitäten in Deutschland unterwegs gewesen seien. „Die Bundesländer sind bei den Fahndungssystemen, aber nicht bei den Erfassungssystemen miteinander vernetzt“, so Wache.

Gewalt gegen Polizeibeamte

Auch im vergangenen Jahr wurden Beamte der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt / Ammerland vermehrt Opfer von Angriffen. Von insgesamt 115 Fällen ging es bei 74 um Widerstand gegen die Polizei (Steigerung von rund 35 Prozent), bei 24 um Körperverletzung. „Was sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zudem für unerträgliche beleidigende Äußerungen gefallen lassen müssen, ist für mich unfassbar“, so Eckard Wache, der das Thema intensiv mit den Justizbehörden besprechen will. „Wenn so ein Verhalten nicht sanktioniert wird, setzt sich das fort“, ist sich Wache sicher.

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