Gesundheit

Transplantationsbeauftragter verhindert Missbrauch

Transplantationsbeauftragter des Klinikums Oldenburg Samuele Friggi.

Transplantationsbeauftragter Samuele Friggi.
Foto: privat

Oldenburg (zb) Rund 13.500 Patienten in Deutschland warten dringend auf eine Organspende. Doch die Bereitschaft, ein Organ oder gar mehrere zu spenden, ist eher gering. Das liegt vor allem an der herrschenden Unsicherheit. Manch einer befürchtet, dass mit seinem toten Körper Missbrauch betrieben wird. Um das zu vermeiden, muss laut Transplantationsgesetz (TPG) jedes Entnahmekrankenhaus mindestens einen Transplantationsbeauftragten bestellen, der fachlich qualifiziert ist.

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Im Klinikum Oldenburg ist das Samuele Friggi, Oberarzt der Kardiologischen Intensivstation. Der Transplantationsbeauftragte wird von der Krankenhausleitung berufen und ist ihr in dieser Funktion direkt unterstellt. Sie informiert ihre Mitarbeiter sowie die regionale Organisationszentrale der DSO über die Berufung des Beauftragten. Der Transplantationsbeauftragte, der bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben unabhängig ist und keinen Weisungen unterliegt, muss nicht nur über fachliche Kompetenz verfügen sondern vor allem auch die Bereitschaft mitbringen, engagiert und voller innerer Überzeugung die mit dieser Funktion verbundenen Aufgaben wahrzunehmen.

Samuele Friggi verfügt über langjährige intensivmedizinische Erfahrungen und ist ein klarer Befürworter der Organspende. „Ich bin Arzt aus Überzeugung und möchte den Patienten helfen“, erklärt er. Dazu gehören auch junge Menschen, die dringend ein Organ benötigen, um weiterleben zu können. „Wer Kinder hat, der weiß, was das heißt“, sagt der 50-Jährige. Als Intensivmediziner erlebt er regelmäßig lebensbedrohliche Situationen. „Mitunter sind unsere medizinischen Möglichkeiten erschöpft. Dann hilft nur noch eine Organspende“, berichtet er.

Im vergangenen Jahr gab es im Klinikum drei Explantationen. Das heißt, drei Patienten, bei denen der Hirntod festgestellt wurde und die im Besitz eines Organspenderausweises waren, wurden ein Organ oder auch mehrere entnommen. „Ein Organspender legt in seinem Organspenderausweis genau fest, welches Organ er spenden will“, klärt Samuele Friggi auf und fügt hinzu: „Herz, Lunge, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm können gespendet werden.“

Bevor eine Organentnahme stattfindet, müssen zwei unabhängig voneinander arbeitende ausgewiesene Mediziner den Hirntod feststellen. Samuele Friggi nennt ein Beispiel: „Wird ein Patient mit schweren Hirnverletzungen eingeliefert und droht der Hirntod, wird die Hirntoddiagnostik von einem der beiden Mediziner durchgeführt. Stellt er den Hirntod fest, informiere ich die DSO. Besitzt der Patient einen Organspenderausweis oder erklären Angehörige ihr Einverständnis zu einer Organentnahme setzen wir die Hirntoddiagnostik fort. „Erst wenn beide Ärzte feststellen, dass keine vitalen Anzeichen mehr vorhanden sind und wir sicher wissen, dass die Ausfallsymptome nicht wieder herstellbar sind, wird der Patient für tot erklärt“, sagt der Transplantationsbeauftragte.

Die Organentnahme selbst wird von speziellen Medizinerteams vorgenommen, die von der DSO entsendet werden. Denn eine Explantation ist kompliziert und wird nur von Spezialisten beherrscht. Als Transplantationsbeauftragter steht der 50-Jährige dafür gerade, dass alles ordnungsgemäß zugeht und der so sehr befürchtete Missbrauch eben nicht stattfindet. Neben der umfangreichen Koordination und der Aufsicht ist Samuele Friggi auch für die Informations- und Fortbildungsveranstaltungen der Mitarbeiter sowie für die Betreuung und Begleitung der Angehörigen zuständig.

„Das sind oft schwere Stunden für die Angehörigen“, erzählt er. „Manch einer bekommt große Probleme mit der Organentnahme, weshalb wir intensiv mit ihnen sprechen und sie betreuen.“ Hier liegen Freud und Leid sehr dicht beieinander. Während die einen sich von einem Menschen verabschieden müssen, schöpfen andere Lebenshoffnung. Samuele Friggi, der im Besitz eines Organspenderausweises ist, kennt auch die andere Seite. „Ich habe mal einen Jungen erlebt, der dringend ein Herz brauchte. Am Ende bekam er ein Kunstherz und konnte gut damit leben. Die Vorstellung, er wäre so früh gestorben, ist einfach schrecklich. Leider gibt es nicht für jedes Organ einen künstlichen Ersatz, deshalb sind wir auf Organspender angewiesen“, sagt er abschließend und hofft, dass die Entnahmepraxis ebenso wie die Transplantation scharf überwacht werden, um Missbrauch zu vermeiden und Leben zu retten.

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1 Kommentar

  1. Peter
    4. August 2014 um 17.43

    Ich spende keine Organ weil die Ärzte auch nicht kostenlos Operieren, hinzu kommt das es auch ein Geschäft ist. Da es keine Transparenz bei der Sache gibt und es nicht nachvollziehbar ist will ich nicht das Krankenkassen, Krankenhäuser und Ärzte sich bereichern und ich als Rentner kaum den Beitrag für die Krankenversicherung bezahlen kann. Ich habe nach einer Wirbelsäulenoperation EV Kr. (Wirbelbruch) nicht einmal eine Reha nach dem Krankenhaus bekommen.