Oldenburg

Übermäßiger Alkoholkonsum macht einsam

Kai Kupka und Barbara Driskell stellten den Suchtbericht 2013 der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention der Diakonie in der Stadt Oldenburg vor, und stellen fest, dass immer mehr Menschen die Fachstelle aufsuchen.

Kai Kupka und Barbara Driskell stellten den Suchtbericht 2013 vor.
Foto: privat

Oldenburg (zb) Immer mehr Menschen suchen die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention der Diakonie in der Stadt Oldenburg an der Bloherfelder Straße 7 auf. Für Fachstellenleiter Kai Kupka ist das ein gutes Zeichen, weil die Betroffenen damit ihre Isolation durchbrechen.

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Generell wird in der Gesellschaft viel Alkohol getrunken. Er gehört bei vielen Anlässen selbstverständlich dazu. Ob tatsächlich mehr getrunken wird, kann Kupka nicht beurteilen. Er führt die stets steigende Beratungszahl darauf zurück, dass mit dem Tabu, alkoholsüchtig zu sein, häufiger gebrochen wird. „Unsere Beratungsstelle ist einfach bekannter geworden und mehr Menschen trauen sich, bei uns Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagt er bei der Vorstellung des Suchtberichts 2013.

Im vergangenen Jahr nahmen 1046 Personen die Dienste der Fachleute in Anspruch, das waren neun Prozent mehr als in 2012. 556 Neuaufnahmen zählte das Team. „Und fast alle Ratsuchenden befinden sich in der sozialen Isolation“, berichtet Kai Kupka. Alkohol ist nicht nur ein Nervengift, es macht bei übermäßigem Konsum einsam, so lässt es sich auf den Punkt bringen. „Viele verlieren ihre Arbeit, oft gehen Beziehungen kaputt und somit nimmt die soziale Teilhabe rapide ab“, beschreibt der Fachmann die physische, psychische und soziale Abwärtsspirale.

Viele Alkoholsüchtige meinen, ihre Sucht im Griff zu haben. Bis sie sich eingestehen können, krank zu sein, vergeht zu viel Zeit. „Dabei empfinden sich die meisten schon vor der Krankheitseinsicht als unerträglich, haben aber gleichzeitig Angst davor, das Problem aktiv anzugehen. Denn ein Leben ohne Alkohol ist für sie unvorstellbar“, macht Kai Kupka den Konflikt deutlich. „Spätestens wenn Firma, Familie und Führerschein weg sind, stehen sie vor unserer Tür.“

Dabei sind die Möglichkeiten, von der Sucht loszukommen und wieder ein zufriedenes Leben führen zu können, gut. Wer sich bei der Beratungsstelle meldet, kann in wenigen Tagen bereits an einem Gruppenangebot teilnehmen. Auch das erste Gespräch mit einem Psychologen folgt schnell, so dass die Weichen für einen Entzug gestellt werden können. Kai Kupka ist froh, dass immer mehr Betriebe und Verwaltungen das Thema sehr ernst nehmen, sich von der Suchtberatungsstelle unterstützen lassen, und so mehr Alkoholiker früher erkannt werden.

Sorgen bereitet den Therapeuten der Alkoholkonsum unter jüngeren Leuten. „Hier stellen wir eine starke Zunahme fest“, sagt Kia Kupka. Das korrespondiert mit den Zahlen der Krankenhäuser, die schwer alkoholisierte Kinder und Jugendliche aufnehmen. „Hier bieten wir Beratung am Krankenbett an, was 2013 bei 85 Aufnahmen 36 Mal in Anspruch genommen wurde“, berichtet Kai Kupka.

Und noch eine Gruppe fällt den Fachleuten auf. Es sind Frauen, die nach der Erziehungsphase in ein tiefes Loch fallen. Oft liegt es daran, dass sie ohnehin schon belastet sind. „Einige sind traumatisiert, leiden unter Ess- oder Angststörungen“, berichtet Barbara Driskell. Die Psychologin weist darauf hin, dass die reine Alkoholsucht nur noch selten vorkommt. Es handele sich oft um eine größere Bandbreite von Problemen. Die Beratungsstelle bietet für sie eine reine Frauengruppe an, in der ihre Probleme besprochen werden können.

Neben Alkohol spielt Mediensucht eine immer größere Rolle in der Suchtberatung. Rund 100 Anrufe besorgter Eltern bekam die Beratungsstelle im vergangenen Jahr. „Da rollt was auf uns zu“, gibt Kai Kupka zu bedenken. „Diese Kinder sind einfach nicht mehr ansprechbar und sitzen stundenlang vor dem PC“, schildert er die für Eltern oft aussichtslose Lage. Hauptproblem sind die Smart Phones. Er rät Eltern zu klaren Regeln bei der Mediennutzung, die strikt eingehalten werden müssen. „Bei Mahlzeiten dürfen solche Geräte nicht dabei sein. Es muss Tabuzonen geben“, ist er überzeugt.

Kai Kupka und sein Team hoffen, dass Betroffene von stofflicher oder nicht stofflicher Sucht viel eher den Kontakt zur Beratungsstelle suchen, um die Folgen zu minimieren. „Hilfe gibt es, die Betroffenen müssen sie nur annehmen und sich ihre Sucht eingestehen. Dann sind die Chancen, der Sucht zu entkommen, groß“, weiß er aus Erfahrung.

Die Fachstelle Sucht ist telefonisch unter 04 41 / 720 51 oder per E-Mail an fs-sucht-ol@diakonie-ol.de erreichbar. Das Angebot findet man unter www.suchtberatung-oldenburg.de.

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