Gesundheit

Herzinfarkt: Herzkranke warten oft zu lange

Prof. Dr. Albrecht Elsässer im Herzkathederlabor des Klinikums Oldenburg.

Prof. Dr. Albrecht Elsässer im Herzkathederlabor.
Foto: privat

Oldenburg (zb) Bundesweit erleiden jährlich rund 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Fast jeder zweite Betroffene stirbt, bevor das Krankenhaus erreicht wird. Prof. Dr. Albrecht Elsässer, Direktor der Kardiologie des Klinikums Oldenburg, rät, im Zweifelsfall lieber ins Krankenhaus zu gehen, um die Situation abchecken zu lassen und nicht eisern durchzuhalten.

Anzeige

Doch viele Patienten trauen sich nicht, wollen nicht zu früh oder gar unnötig den Notruf alarmieren oder ins Krankenhaus fahren. „Falsch“ sagt Elsässer. „Wir sind auf solche Fälle eingestellt. Außerdem kann der Laie nicht wissen, ob die Beschwerden mit einem verschlossenen Herzkranzgefäß zusammenhängen oder nicht. Genau das prüfen wir vor Ort.“

Tatsächlich sind Frauen stärker gefährdet als Männer. „Ihre Beschwerden sind unspezifisch, weshalb Frauen besonders aufpassen müssen“, berichtet Elsässer. „Bei ihnen gibt es einen ganzen Strauß von Beschwerden. Da stellen sich z.B. Schmerzen im Oberbauch ein oder auch Atemnot und Müdigkeit, Rücken- oder Zahnschmerzen, die nicht zwingend mit einer koronaren Herzerkrankung in Verbindung gebracht werden. Sie tun ihre Beschwerden dann u.a. als Magenschmerzen ab und ahnen nicht, in welcher Gefahr sie sich möglicherweise befinden. Bei Männern sind es oft klassische Brustschmerzen mit Engegefühl und Schmerzen im Arm.“

Je eher ein herzkranker Patient in die Klinik kommt, umso höher sind seine Chancen, rechtzeitig behandelt zu werden. An rund 150 bundesdeutschen Krankenhäusern gibt es eine spezielle Anlaufstelle eben für jene, die sich unsicher sind – die sogenannten Chest Pain Units. Diese Brustschmerzstationen sind mit speziellem Equipment ausgestattet, können jederzeit ohne Voranmeldung aufgesucht werden und sind entsprechend zertifiziert.

„Wir haben zwar keine Chest Pain Unit“, sagt Elsässer, „aber wir stehen für diese Patienten mit all dem erforderlichen Equipment und den Fachärzten rund um die Uhr zur Verfügung. Schließlich betreiben wir eine moderne Herzstation, wo all diese Untersuchungen täglich vorgenommen werden. Für eine Chest Pain Unit müssten wir eine räumliche Trennung vornehmen, dann dürften wir uns auch so nennen. Das ist aber nicht erforderlich, weil wir auch so alles anbieten.“ So werden im Klinikum 14 Betten in der Notaufnahme vorgehalten, so dass die Mediziner jederzeit wie in einer Chest Pain Unit agieren können und es täglich tun.

Wer also zum Klinikum kommt, der wird in der Notaufnahme nach seinen Beschwerden befragt und dann sofort dieser Station zugewiesen, damit Elsässer und seine Kollegen unverzüglich die notwendigen Kontrolluntersuchungen wie Bluttests und Ultraschall starten können. Liegt eine akute koronare Herzerkrankung vor, geht es sofort ins Herzkathederlabor, wo unverzüglich wichtige Eingriffe vorgenommen werden.

„Wenn sich die Beschwerden als harmlos heraus stellen, ist das für alle erfreulich. Der Patient muss auf keinen Fall ein schlechtes Gefühl haben“, stellt der Herzexperte klar. Er weist allerdings darauf hin, dass Patienten mit akuten Beschwerden den Notarztwagen bestellen und sich nicht fahren lassen sollen oder gar selbst noch fahren. „Passiert unterwegs was, kann niemand helfen. Im Rettungswagen wird schon während der Fahrt medizinisch vorgesorgt und manch eine Katastrophe verhindert“, sagt er. „Es kommt leider durchaus vor, dass Patienten, die sich fahren lassen, während der Autofahrt einen Herzinfarkt erleiden“, sagt er abschließend.

Vorheriger Artikel

„Walk´n Art“ gibt Einblicke in die Schulkultur

Nächster Artikel

Puppenspielerinnen in der onkologischen Ambulanz