Gesundheit

Puppenspielerinnen in der onkologischen Ambulanz

Die Puppenspielerinnen Annekatrin Stauß und Julia Warneke kommen seit sechs Wochen in die onkologische Ambulanz des Klinikums Oldenburg.

Annekatrin Stauß (links) mit Rufus und Julia Warnke mit Feline verstehen sich mit Eva, Anna und Mirko prächtig.<
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) In der onkologischen Ambulanz helfen Puppenspielerinnen über manche Klippe hinweg. Anna, Eva und Mirko sind ebenso fasziniert von Rufus und Feline wie all die anderen Kinder in der onkologischen Ambulanz des Kinderkrankenhauses im Klinikum Oldenburg. Die Handpuppen sind längst zu ihren Freunden geworden.

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Seit sechs Wochen kommen Rufus und Feline jeden Dienstag zwei Stunden ins das gemütliche Wartezimmer, das ein bisschen an eine Koje erinnert. Die beiden Handpuppen werden von Annekatrin Stauß und Julia Warneke gespielt – zur großen Freude von Kindern und Erwachsenen, denen auf wunderbare Weise die Wartezeit versüßt wird.

„Das Puppenspiel ist ganz toll“, findet Monika Robin aus Quakenbrück, die einmal in der Woche mit ihrer kleinen Tochter Eva in die Ambulanz zu Dr. Hermann Müller kommt. „Weil es hier so lustig zugeht, kommt die ältere Schwester Anna immer mit und findet den Krankenhausbesuch kein bisschen schlimm“, erzählt die Mutter. Eva wird seit ihrer Geburt vor fast einem Jahr von Hermann Müller behandelt und ist von Rufus und Feline magisch angezogen. Ihre ältere Schwester sitzt zusammen mit dem sechsjährigen Mirko direkt vor den beiden Puppenspielerinnen und beide sind mit den Puppen in ein Gespräch vertieft.

Mirko kommt vier Mal in der Woche mit seiner Mama aus Remels und hat sich längst mit Rufus und Feline angefreundet. Seine Mutter genießt das ebenso wie Monika Robin, die hier Gelegenheit hat, mal mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen, deren Kinder auch an Krebs erkrankt sind. „Wir sind hier nicht mehr so wichtig“, freut sie sich. „Unsere Kinder sind vollkommen ins Spiel abgetaucht, und das wird sie bestimmt stärken.“

Genauso beurteilt Hermann Müller das auch. „Als die beiden Puppenspielerinnen mir erzählt haben, was sie machen, war ich schnell überzeugt. Sie gehen wunderbar mit den Kindern um, hören ihnen genau zu und gehen nur auf das Gesagte ein. Somit bestimmen die Kinder das Thema und nicht die Erwachsenen“, macht der Mediziner klar.

Rufus, der einen Katheder trägt, wurde jüngst von einem Jungen angesprochen, der ebenfalls einen Katheder trug. Er zog sein Hemd aus, zeigte der Puppe seinen Katheder und dann haben sich beide darüber unterhalten. „Das ist eine ideale Art der Krankheitsbewältigung“, sagt Hermann Müller, der von den ausgebildeten Kunsttherapeutinnen, Theaterpädagoginnen und Puppenspielerinnen begeistert ist.

„Für uns ist das hier das richtige Leben“, sagt Annekatrin Stauß. „Über unsere Puppen nehmen wir Kontakt zu den Kindern auf, die uns dann das erzählen, was sie bewegt oder interessiert. Das kann der Fingerpiek vom letzten Mal sein oder auch eine ganz andere Geschichte.“ Dass die Kinder Rufus und Feline nach den paar Wochen schon erwarten, freut die beiden Frauen besonders. „Es zeigt uns, dass unser Konzept aufgeht“, sagt Julia Warneke, die zu Hause mit ihrem achtjährigen Sohn auch gern auf Puppen zurückgreift. „Die können vieles viel besser vermitteln als Erwachsene. Denn die Kinder nehmen uns überhaupt nicht mehr wahr. Sie sprechen mit den Puppen, die für sie schon längst lebendig geworden sind.“

Hermann Müller freut sich über die entspannte Atmosphäre in seinem Wartezimmer. Zudem weiß er, dass die meisten seiner jungen Patienten wieder gesund werden. Pro Jahr erkranken in seinem Einzugsgebiet von rund 2,5 Millionen Menschen rund 60 Kinder und Jugendliche an Krebs. Sie kommen fast alle nach Oldenburg ins Klinikum, um sich von dem Spezialisten behandeln zu lassen. „Kinder sind kraftvoll und sehr empfänglich für die Therapien, die bundesweit einheitlich sind, und schaffen es zu fast 80 Prozent, die Krankheit zu überwinden.

„Das motiviert mich natürlich“, sagt er und hofft, dass die beiden Puppenspielerinnen der onkologischen Ambulanz lange erhalten bleiben und vielleicht zwei Mal die Woche kommen können. „Leider ist das eine Frage der Finanzen. Wir hoffen, dass wir schon bald breite Unterstützung aus der Öffentlichkeit für dieses im Norden einzigartige Projekt erhalten“, sagt er abschließend.

Nachtrag am 30. April

Gerade eben erhielten wir folgende Nachricht: Das Projekt „Wunderzeit“ mit den Puppenspielerinnen in der onkologischen Ambulanz ist dank einer Spende des Vereins „Hilfe für krebskranke Kinder und Jugendliche Lohne e.V. für ein Jahr gesichert (zirka 15.000 Euro).

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