Politik

Mareike Wulf sagt der CDU für OB-Kandidatur ab

Trotz Blumenstrauß kein Happy End: CDU-Chef Christoph Baak und die umworbene Mareike Wulf – hier auf dem Oldenburger Parteitag vom August 2018.
Foto: Daniel Kaszanics / CDU Oldenburg

Oldenburg (Michael Exner) Die Landtagsabgeordnete Mareike Wulf wird Oldenburgs Christdemokraten nicht als OB-Kandidatin in die Kommunalwahl 2021 führen. Die Favoritin des CDU-Vorsitzenden Christoph Baak hat in dieser Woche endgültig abgesagt – nach langem Zögern und über ein Jahr anhaltenden Kontakten. Damit ist Baaks Plan, noch in diesem Jahr „eine Person mit klarem CDU-Profil“ als Alternative zum erneut kandidaturwilligen SPD-OB Jürgen Krogmann zu präsentieren, ernsthaft ins Wanken geraten.

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Diesen Kurs hatte Baak bei seiner Wahl zum Parteivorsitzenden im August 2018 ausgegeben und (obwohl er dabei die Geschlechterfrage offenließ) nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass es aus seiner Sicht auf eine Frau hinauslaufen solle. Schon bei diesem Parteitag hatte der neue Parteichef erste Kontakte zu Mareike Wulf geknüpft, die er als Gastrednerin für diesen Abend im Etzhorner Krug eingeladen hatte. Die Umworbene hatte damals zumindest nicht abgesagt, nur Bedenkzeit erbeten. Der Vorgang wiederholte sich.

Die 40 Jahre alte Landtagsabgeordnete aus Hannover wäre für Baak eine Art Idealbesetzung gewesen. Sie hat (CDU)-Profil, ist aber als sogenannte Quereinsteigerin nicht durch jahrelange Tagespolitik verbrannt und verfügt zudem über Oldenburger Färbung. Sie stammt zwar aus Rendsburg, machte ihr Abitur aber am hiesigen Herbartgymnasium. Ihr Ehemann kommt aus Oldenburg, Familienangehörige leben noch heute hier. Sie hat Kultur- und Sozialwissenschaften studiert und arbeitete seit 2009 bis zu ihrer Wahl in den Landtag 2017 bei den Unternehmerverbänden Niedersachsen in Hannover, zuletzt als Geschäftsführerin. Vor der Landtagswahl holte CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann sie als designierte Kultusministerin in sein Schattenkabinett. Das Amt ging in den Koalitionsverhandlungen an die SPD, Wulf aber zog (bei ihrer ersten Wahl überhaupt) über die Liste in den Landtag (nachdem sie im Wahlkreis Hannover-Mitte gegen den SPD-Bewerber verloren hatte) und wurde gleich stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Diese Blitzkarriere und die damit verbundene Verankerung im Hannoveraner Geflecht haben wohl auch letztlich den Ausschlag gegeben für die Absage nach Oldenburg. Parteikreise hatten die Newcomerin schon als Kandidatin für die OB-Wahlen in der Landeshauptstadt ins Visier genommen. Wulf hatte (möglicherweise in realistischer Einschätzung der Kräfteverhältnisse) abgelehnt – was ohnehin schon mutig war. Die Entscheidung war zudem öffentlich geworden (Schlagzeilen wie „OB-Kandidatin nichts für Mareike Wulf“ liest das Parteivolk ungern), und vor diesem Hintergrund hätte eine frühe Zusage für die Hunte die Sympathiewerte an der Leine nicht unbedingt gesteigert. So blieb die Hoffnung, dass ein Sieg des CDU-Kandidaten bei der nach dem dortigen Rathaus-Skandal vorgezogenen OB-Wahl die Vorgeschichte überdecken könnte. Die Hoffnung war bekanntlich trügerisch. Obwohl die Genossen in Hannover den Prozess der Eigenruinierung durchaus erfolgreich betrieben hatten, profitierte davon letztlich Grün statt Schwarz. So kam die Wulf-Absage in dieser Woche nicht ganz so überraschend, wobei eine zeitlich ungünstige Korrelation zusätzlich eine Rolle gespielt haben mag. Die nächsten Kommunalwahlen (Herbst 2021) könnten sich mit den für gewöhnlich ein Jahr vor dem Termin stattfindenden Nominierungen für die Landtagswahl (vermutlich Herbst 2022) überschneiden.

CDU-Chef Christoph Baak, der noch als Parteiloser bei der OB-Wahl 2014 für die CDU gegen Sieger Krogmann einen Achtungserfolg erzielt und es in der Folge binnen vier Jahren zum Ratsmitglied, Landtagskandidaten und Parteivorsitzenden gebracht hatte, bedauerte die Absage. „Sie wäre eine gute personelle Alternative zum amtierenden Oberbürgermeister gewesen“, sagte er. Über einen Plan B verfügt er derzeit offenbar nicht. Eigene Ambitionen auf eine erneute OB-Kandidatur hatte Baak frühzeitig ausgeschlossen; eine Haltung, die er vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung noch einmal bekräftigte. Auch die Unterstützung einer von interessierter Seite spekulativ ins Gespräch gebrachten möglichen Kandidatur der vom Oberbürgermeister abgehalfterten ehemaligen Baudezernentin Gabriele Nießen sei keine Option.

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