Wie man sichtbar wird – und wie nicht

Bei Podiumsrunden geht es nicht nur um die Personen, sondern immer auch um die von ihnen vertretenen Parteien.

Bei Podiumsrunden geht es nicht nur um die Personen, sondern immer auch um die von ihnen vertretenen Parteien.
Symbolbild: Envato

Dass die Oldenburger Liberalen bei der Wahl im Herbst erstmals seit 2001 wieder einen eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten ins Rennen schicken wollen, ist mehr als eine Schmonzette. Es ist ein Signal – und zwar eines, das im Lager der Christdemokraten aufmerksam registriert werden sollte.

Natürlich kämpft der vor seiner Nominierung stehende Sebastian Fröhlich trotz aller begleitenden Parteilobgesänge nicht um den Chefsessel im Rathaus, auch wenn er durchaus politische Erfahrung aufweisen kann. Immerhin hat er für die FDP 2011 zum Rat und 2013 für den Landtag kandidiert. Zwar jeweils erwartet erfolglos, aber er dürfte dabei gelernt haben, sich öffentlich zu bewegen. Ist auch was wert. Fröhlich wird ebenso wenig Oberbürgermeister werden wie Nobelpreisträger oder Erzbischof. Das weiß er – und das weiß auch die FDP. Aber darum geht es nicht. Es geht in diesem Fall um Sichtbarkeit.

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Wenn bei einer Wahl auch Ratssitze vergeben werden, gilt es für alle Parteien, Flagge zu zeigen. Man will vom Wahlvolk wahrgenommen werden. Geht es nur um die reine Personenwahl für die Rathausspitze, hält sich der Interessentenkreis in Grenzen. 2014, als erstmals ein Oberbürgermeister ohne parallele Ratswahl bestimmt werden musste, trat gerade mal ein rot-grün-schwarzes Trio an (vom spät hinzugetretenen Spaßvogel abgesehen). 2021, als nach fünfzehn Jahren wieder gleichzeitig ein Rat gewählt wurde, hatte sich die Zahl der Bewerber verdoppelt. Kleinere Parteien und Gruppierungen nutzen die diversen Podiumsrunden der ernsthaft chancenreichen Bewerber wie der Möchtegern-Kandidaten und der unvermeidlichen Pausenclowns gern zur Selbstdarstellung. Da steht dann bei der Befragung eben nicht nur eine Person im Mittelpunkt, sondern immer auch die Partei, für die jemand kandidiert. So wird in diesem Wahlkampf auch von der FDP die Rede sein; und vermutlich auch von anderen, deren Hüte aktuell noch nicht im Ring liegen.

Eine Partei indes wird auf den Podien weniger präsent sein: die CDU. Die Christdemokraten haben sich durch den Verzicht auf einen eigenen Kandidaten und das Votum für den Grünen-Bewerber ein Stück weit selbst aus dem Spiel genommen. Da die Grünen listig genug waren, ihren Mann zwar in Absprache mit, aber zeitlich vor der Union zu nominieren, sprechen sie zu Recht von ihrem Kandidaten, der auch von der CDU unterstützt werde. Dies von einem „gemeinsamen Kandidaten“ zu unterscheiden, bedeutet mehr als eine sprachliche Präzisierung. Das dürfte so oder ähnlich auch bei den Kandidatenrunden spürbar werden. Umso mehr, als man mit Spannung erwarten darf, wie jemand die bisweilen diametral entgegengesetzten Positionen von Grün und Schwarz gleichzeitig (oder gleichwertig) vertreten kann.

Für Unterhaltung ist jedenfalls gesorgt.

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