Jürgen Krogmann: Abschied nach zwölf Jahren an Oldenburgs Spitze

Ministerpräsident Olaf Lies überbrachte Lobesworte und ein Porzellanpferd zum Abschied von Oberbürgermeister Jürgen Krogmann.
Foto: Finn Gohra
Mit einer Feierstunde im Stadtmuseum hat Oldenburg am heutigen Mittwochabend seinen Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) verabschiedet. Im Beisein des niedersächsischen Ministerpräsidenten Olaf Lies und zahlreicher Gäste aus Politik, Verwaltung und Institutionen wurde seine zwölfjährige Amtszeit gewürdigt. Offiziell endet sie am 31. Oktober. Der 62-Jährige hinterlässt eine Stadt, die deutlich gewachsen ist und in der viele große Vorhaben angestoßen wurden. Doch zu seiner Bilanz gehören auch politische Konflikte und finanzielle Herausforderungen.
„Es waren keine ganz ruhigen zwölf Jahre“, stellte Krogmann in seiner letzten Rede als Oberbürgermeister fest. Er blickte auf die Herausforderungen und Erfolge seiner Amtszeit zurück und dankte besonders seinem Team in der Stadtverwaltung für die gemeinsame Arbeit.
Auch Ministerpräsident Olaf Lies würdigte Krogmanns Arbeit für Oldenburg. Beide waren 2008 gemeinsam in die Landespolitik gestartet. Lies bezeichnete Krogmann als streitbaren Geist, dessen Ungeduld durchaus spürbar gewesen sei. Zugleich betonte er dessen Einsatz für die Stadt: „Du stehst für kommunale Verlässlichkeit. Für dich ist diese Arbeit kein Selbstzweck.“ Für Heiterkeit sorgte Lies mit der Bemerkung, als amtierender Oldenburger Grünkohlkönig hätte er eigentlich das Recht gehabt, einen Oberbürgermeister abzusetzen. Krogmann habe sich aber anders entschieden.
Weitere humorvolle Grußworte überbrachten die Erste Stadträtin Dr. Julia Figura und der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Dr. Jan Arning. Moderiert wurde der Abend von Antonia zur Mühlen. Für die musikalische Unterhaltung sorgten Signe Koefoed Madsen, Jonas Mosebach und Holger Denckmann.
Krogmann hatte das Amt am 1. November 2014 von Gerd Schwandner übernommen. Sieben Jahre später bestätigten ihn die Wähler/innen für eine zweite Amtszeit. Er ist damit der bislang einzige direkt gewählte Oberbürgermeister Oldenburgs, der wiedergewählt wurde. Zugleich stand keiner seiner Vorgänger seit Einführung der Direktwahl länger an der Spitze der Stadt. In seiner Zeit als Verwaltungschef musste er nicht nur das Wachstum der Stadt gestalten, sondern auch mehrere Krisen bewältigen.
Oldenburg wächst – und der Bedarf ebenfalls
Die Einwohnerzahl stieg während seiner Amtszeit von rund 162.000 auf etwa 176.500. Nach Angaben der Stadt entstanden zwischen 2015 und 2025 insgesamt 11.342 neue Wohneinheiten. Gleichzeitig wurden Schulen erweitert, modernisiert und digital ausgestattet. Rund 840 Krippenplätze und 660 Kindergartenplätze kamen von 2014 bis 2024 hinzu.
Doch trotz der Bautätigkeit blieb bezahlbarer Wohnraum knapp. Zeitweise ging die Zahl der fertiggestellten Wohnungen deutlich zurück. Die Entwicklung des ehemaligen Fliegerhorsts zu einem neuen Stadtteil zählt deshalb zu den wichtigen Aufgaben, die Krogmann seinem Nachfolger hinterlässt.
Große Projekte prägen die Stadt
Zu den sichtbaren Ergebnissen seiner Amtszeit gehört das neue Stadtmuseum, das im Juni 2026 eröffnet wurde und rund 26,4 Millionen Euro kostete. Auch die Entscheidung für ein neues Fußballstadion neben den Weser-Ems-Hallen fiel unter seiner Führung. Nach jahrelangen Debatten beschloss der Rat im April 2024 den Neubau. Der Baupreis liegt bei 57,3 Millionen Euro, hinzu kommen voraussichtlich 2,36 Millionen Euro an Baunebenkosten. Das Stadion soll Ende 2028 oder Anfang 2029 fertiggestellt werden.
Weitere Vorhaben sind das geplante Tagungs- und Kongresszentrum an den Weser-Ems-Hallen, das Sport- und Gesundheitsbad am Flötenteich sowie die Neubauten am Klinikum Oldenburg. Die Projekte sollen die Infrastruktur stärken, stellen die Stadt aber auch vor erhebliche finanzielle Aufgaben. Besonders beim Flötenteichbad, dessen veranschlagte Kosten von ursprünglich rund 20,6 Millionen auf inzwischen etwa 82 Millionen Euro gestiegen sind, bleibt zu klären, wer für Planungsfehler und Mängel bei der Kostenkontrolle verantwortlich ist.
Auch am Klinikum Oldenburg wurden während Krogmanns Amtszeit umfangreiche Neubauten auf den Weg gebracht. Bei der Verabschiedung sprach sich Ministerpräsident Olaf Lies dafür aus, das Klinikum zu einer Universitätsklinik weiterzuentwickeln. Krogmann unterstützte diese Forderung nachdrücklich. Insgesamt werden viele der unter Krogmann begonnenen Vorhaben erst in den kommenden Jahren zeigen, ob sie die Erwartungen erfüllen.
Krisen als ständige Begleiter
Mehrfach stand der Oberbürgermeister vor Herausforderungen, die sich kaum vorhersehen ließen. Die Aufnahme zahlreicher Geflüchteter 2015 und 2016, die Corona-Pandemie, die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine und die Energiekrise verlangten der Verwaltung viel ab. Hinzu kamen die Hochwasserlagen zum Jahreswechsel 2023/2024.
Besonders eindringlich erinnerte Krogmann an einen Moment während der Corona-Pandemie. Eine damalige Hochrechnung habe ergeben, dass ohne einen sofortigen Lockdown bis zu 200 Todesfälle in Oldenburg drohten. Diese Prognose sei für ihn der schlimmste Moment seiner Amtszeit gewesen.
„Die Stadtverwaltung kann Krise“, betonte Krogmann beim Abschied. Er verwies auf die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Hilfsorganisationen und Stadtgesellschaft. Dass während der Energiekrise 2022 selbst kalte Duschen im Marschwegstadion bundesweit Schlagzeilen machten, gehört zu den ungewöhnlicheren Erinnerungen seiner Amtszeit.
Ein Oberbürgermeister mit Ecken und Kanten
Politisch war Krogmann nicht immer unumstritten. Nach seinem Amtsantritt gelang es ihm zunächst, das zuvor angespannte Verhältnis zwischen Rathaus und Kommunalpolitik zu beruhigen. Später gab es wiederholt Kritik an seiner Kommunikation und einzelnen Personalentscheidungen. So schlug er 2018 Stadtbaurätin Gabriele Nießen trotz der Unterstützung einer Ratsmehrheit nicht für eine zweite Amtszeit vor.
Auch bei anderen Entscheidungen gab es Reibungen. So erfuhren Betroffene von Überlegungen zur Neugestaltung des Pferdemarktes erst durch Medienberichte. Krogmann räumte anschließend Fehler bei der Kommunikation ein. Der Oberbürgermeister galt als durchsetzungsstark, konnte mit seiner direkten Art aber auch anecken. Sich selbst bezeichnete er als „meinungsstark“. Im Gespräch mit der OOZ sagte er 2024: „Ich bin kein Psychotherapeut und auch kein Buddha.“
Auch das Verhältnis zu seiner eigenen Partei war zuletzt nicht frei von Spannungen. Kurz vor der Oberbürgermeisterwahl nahm Krogmann eine umstrittene Umbesetzung innerhalb der Verwaltung vor, mit der der Rat nicht einverstanden war, auf die er rechtlich aber keinen Einfluss hatte. Die Entscheidung und Krogmanns Umgang mit der anschließenden Kritik sorgten für Verärgerung in der SPD. Selbst deren Oberbürgermeisterkandidat Ulf Prange bezeichnete ein Interview Krogmanns zu dem Vorgang als nicht hilfreich.
Ein Abschied und ein Neuanfang
Bereits im August 2025 hatte Krogmann erklärt, nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren zu wollen. Seine Nachfolge ist inzwischen geregelt. Der parteilose Jascha Rohr, der für die Grünen mit Unterstützung der CDU antrat, gewann am 27. September die Stichwahl gegen Ulf Prange. Am 1. November übernimmt er die Leitung der Stadtverwaltung.
Krogmanns politische Laufbahn hatte eine ungewöhnliche Vorgeschichte. Seit 1993 arbeitete er in der städtischen Pressearbeit, im Februar 2000 übernahm er die Leitung des Pressebüros. Sein späterer Amtsvorgänger Gerd Schwandner enthob ihn 2006 dieser Funktion und versetzte ihn innerhalb der Verwaltung. Zwei Jahre später zog Krogmann für die SPD in den Niedersächsischen Landtag ein, dem er bis 2014 angehörte. Parallel dazu saß er von 2011 bis 2014 im Oldenburger Stadtrat und führte den SPD-Unterbezirk. 2014 kehrte er als Oberbürgermeister ins Rathaus zurück – als Nachfolger Schwandners.
Ganz von der Kommunalpolitik zieht er sich noch nicht zurück: Als Präsident des Niedersächsischen Städtetages bleibt er bis April 2027 im Amt.
Seinen Abschied hatte er zuvor als ein Gefühl „irgendwo zwischen Dankbarkeit, Wehmut und auch Erleichterung“ beschrieben. Künftig möchte er mehr Zeit für Familie, Freunde und persönliche Interessen haben. Bei seiner Verabschiedung machte er deutlich, dass die Entscheidung zum Rückzug bewusst gefallen sei. „Ich hätte es noch ein paar Jahre machen können. Aber das nur noch absitzen, hat Oldenburg nicht verdient.“
Mit zahlreichen begonnenen und abgeschlossenen Projekten endet nun seine Zeit an der Spitze der Stadt. Viele der damit verbundenen Aufgaben bleiben für seinen Nachfolger bestehen. Krogmann selbst verabschiedete sich mit einem zuversichtlichen Satz: „Heute ist der Tag des Abschieds, aber ich bin mir sicher, wir sehen uns wieder.“
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