Oldenburg

Beherzt dem Teddy den Bauch aufgeschnitten

Der Teddy Benny hat Bauchschmerzen und für die Kinder des Elternselbsthilfekindergartens ist klar, er muss im Teddybärkrankenhaus des Klinikums Oldenburg behandelt werden.

Mit einem Skalpell wird Bennys Bauch aufgeschnitten.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg / zb – Benny weint. Der Teddy hat Bauchschmerzen und für die Kinder des Elternselbsthilfekindergartens an der Wienstraße in Oldenburg ist klar, er muss sofort behandelt werden. Was liegt da näher, als in das Teddybärkrankenhaus zu fahren, wo Teddys und andere Stofftiere liebevoll von angehenden Medizinern behandelt werden.

Rund 200 Kindergartenkinder ließen an zwei Tagen ihre Kuscheltiere in der Kinderklinik des Klinikums Oldenburg verarzten. Leona Buschmann studiert Medizin im 4. Semester an der Universität Oldenburg und empfängt die Kindergartengruppe. Alle Drei- bis Sechsjährigen haben ihr Kuscheltier dabei und wollen in die Sprechstunde. An verschiedenen Tischen sitzen Medizinstudierende in weißen Kitteln, denen die Kinder sehr schnell erzählen, was den Kuscheltieren fehlt. Dann dauert es nicht lange und sie horchen ab, gucken mit einem Licht in Nase und Ohren oder untersuchen den Bauch.

Ein Teddy hat eine Wunde, ein weiterer ist erkältet. Verbandszeug steht bereit. Die Wunde wird gemeinsam versorgt, gegen die Erkältung gibt es ein Rezept. Bei einem anderen Teddy muss das Bein geröntgt werden. Das Kuscheltier wird auf einen Tageslichtprojektor gelegt. In einem Nebenraum liegt die Aufnahme, die die Studierenden zuvor von Teddys gemacht haben. Mit großem Interesse gucken die Kinder die Bilder an und machen sich mit den Studierenden an die Versorgung.

Im OP stehen derweil ein paar Kinder um Benny herum, der mittlerweile laut jammert. Chirurg Joshua Preibisch, ebenfalls Medizinstudent im 4. Semester, hat ihnen passende Kleidung angezogen, Mundschutz verteilt und dann wird Benny narkotisiert. Jedes Kind gibt ihm eine Spritze und plötzlich schläft Benny tief und fest. „Wir müssen jetzt den Bauch aufschneiden“, erklärt der Chirurg den Kindern, weil mit Bennys Bauch etwas nicht stimmt. Mit einem kleinen Skalpell wird der Bauch – in diesem Fall der Reißverschluss – langsam geöffnet.

Die Kinder sehen Bennys Herz, seine Lungen, den Magen, Leber und Niere und den Darm. Langsam ziehen sie ihn aus dem Bauchraum und entdecken schnell eine Engstelle. Ein grüner Faden schnürt den Darm ab. „Wir müssen den Faden wegschneiden“, rufen die Kinder. „Schnell nehmen sie die Schere und befreien Benny von seinem Leiden. Jetzt geht es ans Zunähen. Behutsam ziehen sie den Reißverschluss wieder zu und kurz darauf erwacht Benny. „Ich habe keine Schmerzen mehr, bin aber furchtbar müde“, erklärt er den Kindern und dreht sich zufrieden auf die Seite.

„Wir möchten mit dieser Aktion den Kindern die Angst vor einem Arzt- oder Krankenhausbesuch nehmen“, sagt Leona Buschmann. „Dazu haben wir verschiedene Stationen aufgebaut. Zudem bekommt jedes Kind ein Rezept, das in der Teddyapotheke eingelöst wird. Dabei handelt es sich um kleine Geschenke.“ Die Kinder sind begeistert von der Aktion. Schnell machen sie mit, haben Spaß am untersuchen und verbinden aber auch am Operieren.

Was so leicht aussieht, darüber haben sich die Medizinstudierenden viele Gedanken gemacht. „Eines Tages sind Kinder unsere Patienten. Wie sie sich verhalten und wie wir richtig auf sie reagieren können, das wollen wir für uns erfahren“, sagt Leona Buschmann, die wie ihre Kommilitonen mit der Aktion sehr zufrieden ist. Stolz ziehen die Kinder wieder ab. Ausgestattet mit einem Geschenk und Mundschutz, den sie als Erinnerung an diesen Tag mit nach Hause nehmen dürfen.

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