Oldenburg

Die Zukunft der Innenstädte

In der bau_werk Halle am Pferdemarkt ist der Wandel der Innenstädte das Thema, dem sich zahlreiche Experten stellen.

In der bau_werk Halle am Pferdemarkt ist der Wandel der Innenstädte das Thema, dem sich zahlreiche Experten stellen.
Foto: Christian Kruse

Oldenburg (am) Der Oldenburger Verein bau_werk hat heute sein Veranstaltungsprogramm für die kommende Saison vorgestellt. Unter dem Motto „Wo bleibt die Mitte?!“ drehen sich 16 Vorträge und Podiumsdiskussionen vom 19. Mai bis zum 21. September in der bau_werk Halle am Pferdemarkt um die Zukunft der Innenstädte. Die Experten stellen unter anderem die Frage, ob sich die neuen „virtuellen Räume“ mit den realen Stadträumen verbinden lassen.

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Leere Innenstädte durch Online-Handel

Der E-Commerce und das veränderte Kaufverhalten machen dem Einzelhandel in den Zentren immer mehr zu schaffen. Während eine Stadt wie Oldenburg weiterhin als attraktiv gilt und Erlebnisse bietet, haben kleinere Kommunen mit Leerständen zu kämpfen. „Dort ist nicht mehr viel los, der Reiz fehlt“, so Oldenburgs ehemaliger Stadtbaurat Dr. Frank-Egon Pantel, Vorsitzender des Vereins bau_werk. Der Rückzug des Einzelhandels und der Wandel vollzöge sich immer schneller. Und auch in den Randgebieten der Oldenburger Innenstadt – wie am Heiligengeistwall – „bröckele“ es, der Prozess sei schleichend. Auf der anderer Seite folge ein Event dem nächsten. „Handel, Kultur, Begegnung, Wohnen: Die Nutzungen verschieben sich. Aber wie passt das nebeneinander?“, fragt Franziska Lüder, Ingenieurinnen Netzwerk (IngNet). Deshalb stellt der Verein die Fragen nach der Zukunft der Mitte, dem Erhalt lebendiger Innenstädte und nach neuen positiven Konzepten. „Wir wollen aufzeigen, wie wichtig ein Stadtzentrum ist, das wir oft als selbstverständlich hinnehmen“, so Dagmar Pommerening, IngNet.

Wohnen im Zentrum

Als Katastrophe bezeichnet die Innenarchitektin Katharina Semling die Tatsache, dass die halbe Innenstadt Oldenburgs in den oberen Etagen leer stünde. Immer mehr ältere Menschen würde es ins Zentrum und in die naheliegenden Viertel ziehen. „Bisher war es lukrativ, nur die Erdgeschosse an Geschäfte zu vermieten“, so Pantel, aber das ändere sich jetzt: „In den Randbereichen merken die Vermieter schon jetzt, dass sich die Ladenlokale nicht mehr so schnell vermieten lassen.“ Als Beispiel führt er Delmenhorst an. „Hier wird längst umgeschaltet und Einkaufsstraßen wieder in Mischstraßen zurückgewandelt“, so Pantel. Es gelte nun, die Wahrnehmung zu schärfen und Strategien für die Zukunft zu entwickeln.

Auszug aus dem Programm des Vereins bau_werk

„Die Mitte wiederfinden: die neue Bedeutung der Stadtzentren“
Freitag, 19. Mai, 19 Uhr
Der Stadtsoziologie Dr. Frank Eckardt spricht zum Auftakt der Veranstaltungsreihe über die gesellschaftliche Bedeutung der Innenstädte.

„Bleiben Innenstädte Herz und Motor?“
Mittwoch, 31. Mai, 19 Uhr
Diese Frage wird im Rahmen einer Podiumsdiskussion von drei Referenten aus Wissenschaft, Forschung, Verwaltung, Immobilienberatung und Publizistik diskutiert.

„Projekt Augsburg City“
Freitag, 9. Juni, 19 Uhr
Der Gast, Tobias Häberle aus Augsburg, ist der Teamleiter der Stadtsanierung. Er berichtet über die Hintergründe und die Maßnahmen.

„Neue Wege für städtische Mitten – Projekte und Pioniere“
Dienstag, 20. Juni, 19 Uhr
„bau_werk unterwegs“ lädt zur Podiumsdiskussion in die Turbinenhalle nach Delmenhorst. Stadtbauräte und Vertreter der Zwischenzeitzentrale (ZZZ) und des Autonomen Architektur Ateliers (AAA) diskutieren.

„Smart Cities – Zurück in die Zukunft“
Mittwoch, 9. August, 19 Uhr
Der Wiener Stadtforscher Christoph Laimer betrachtet Smart-City-Konzepte kritisch.

„Innenstadt – Quo Vadis? Die städtische Mitte im digitalen Zeitalter“
Mittwoch, 23. August, 19 Uhr
Der Architekt und Stadtplaner Dr. Franz Pesch aus Dortmund spricht über identitätsstiftende Architektur und den Wandel. Wenn ehemalige Flaniermeilen triste Pfade zu drohen werden.

„Innenstadtstrategie für Oldenburg“
Dienstag, 5. September, 19 Uhr
Stadtbaurätin Gabriele Nießen und Gäste sprechen über eine Strategie für Oldenburgs Innenstadt.

„Street Art – So Sweet Art!“
Donnerstag, 21. September, 19 Uhr
Verschiedene Akteure sind auch in dieser Saison an der Abschlussveranstaltung beteiligt. Die Gäste erwartet eine Mischung aus Kunst, Kultur, Klüngel, Klängen und Käsestangen.

Weitere Termine und mehr Informationen sind unter www.bauwerk-oldenburg.de zu finden.

bau_werk e.V.

Im Verein bau_werk haben sich vor zwölf Jahren elf regionale Vereine, Verbände und Institutionen in Kooperation mit der Stadt Oldenburg zusammengetan, um sich mit der baulichen Entwicklung des Lebensraums Stadt zu befassen. Die Themen Bauen, Stadtplanung und Baukultur sollen in die Öffentlichkeit getragen werden. Mitglieder: Architektenkammer Niedersachsen, Bund Deutscher Architekten (BDA), Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. (BDB), Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA), Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Ingenieurinnen Netzwerk e.V. (INGNET), Jade Hochschule Wilhelmshaven / Oldenburg / Elsfleth, Junge Architekten Oldenburg (Reihe 7), Kompetenzzentrum Bauen und Energie e.V. (KoBE), Oldenburgischer Architekten- und Ingenieurverein (AIV), Oldenburgische Landschaft, Staatliches Baumanagement Niedersachsen, Verein der Förderer der Fachhochschule Oldenburg, Vereinigung Freischaffender Architekten (VFA).

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2 Kommentare

  1. Christian Kalvelage
    18. Mai 2017 um 13.11

    Es ist sicherlich richtig, dass immer mehr Kunden das Internet als Einkaufsmöglichkeit nutzen. Aber bei vielen Online-Produkten kann man eindeutig erkennen, dass dieser Prozess auch seine Grenzen hat. Beispielhaft sei hier der Abschluss von Kfz-Policen über das Internet angeführt, wo sich der Anteil der Online-Abschlüsse in den letzten Jahren wenig verändert hat.

    Ich sehe die Schuld nicht beim E-Commerce, sondern an den Rahmenbdingungen für die Einzelhänder in den Zentren, die zu höheren Preisen führen – und auf die die Stadt Oldenburg nur wenig Einfluss hat. Ganz sicher ist ein entscheidender Faktor die Höhe der Mietleistungen, die in der Innenstadt von Oldenburg sehr hoch sind – obwohl am Standort Zentrum eine abnehmende Kundenfrequenz zu verzeichnen ist. Wenn der Immobilienmarkt richtig funktioniert würde, dann müssten die Preise für Innenstadtimmobilien in den kommenden Jahren zum Teil deutlich fallen – weil die Lage heute eben keine so hohen Mieten mehr rechtfertigt. Für die Städte wäre es fatal, wenn die Mieten auf dem aktuellen Stand bleiben, denn sonst werden die Innenstädte durch viele Leerstände deutlich an Attraktivität verlieren und damit eine Kettenreaktion auslösen..

    Fakt ist, dass viele Kunden gerne in die Zentren gehen und auch dort einkaufen möchten – es im Internet (mit besserer Kostenstrüktur – eben keine hohen Innenstadtmieten) aber zum Teil deutlich günstiger ist. Die Kunden sind bereit für die Beratung etwas mehr zu zahlen – aber nicht so viel mehr, dass es die hohen Mieten in der Innenstadt rechtfertigt.

  2. Manfred Murdfield
    20. Mai 2017 um 13.52

    Wo oder was ist das Ziel? Der Weg? Der ist seit Jahrzehnten derselbe. Es soll „besser werden“, aber ständiges, pauschales Ausschenken von kaltem Kaffee kann nicht der Weg sein. In Erinnerung an mein Stadtplanerstudium: Anfang der 1970er Jahre haben wir mal eine kleine, unbedeutende Seminararbeit über „Fluktuationen“ in der Oldenburger Innenstadt (mit z.T. Fotovergleich) gemacht. An den Parametern hat sich nichts verändert: ob bauliches Erscheinungsbild und Denkmalschutz, Mietpreise, Nutzungen, Leerstand usw., es ist wie bei vielen Dingen: die nächste Generation kann sich besserwissend über die selben Ärgernisse und Zusammenhänge echauffieren. Erkenntniswiederholungen mit der Hoffnung auf signifikante Veränderungen sind in diesem Sinne ja (noch) keine Lösungen, aber was ist von wem überhaupt gewollt? Vielleicht ist das ein eher ein ewig-heisser Brei, und daher gerne die vielen Konjunktive?