Oldenburg

Evangelisches Krankenhaus in Schieflage

Das Evangelische Krankenhaus in Oldenburg soll komplett umgebaut werden. So soll es im Endzustand aussehen.

Das Evangelische Krankenhaus soll komplett umgebaut werden. So soll es im Endzustand aussehen.
Grafik: Evangelisches Krankenhaus

Oldenburg (zb) Das Evangelische Krankenhaus in Oldenburg hat nie Schulden gehabt, doch jetzt befindet es sich in einer Schieflage. 2012 betrugen die Verluste 8,6 Millionen Euro, in diesem Jahr rechnen Vorstand und Aufsichtsrat mit 4,7 Millionen Euro Defizit. Deshalb wird das Krankenhaus vollständig durchleuchtet. Tabus gibt es keine.

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Zwar schrieben zurzeit zwei Drittel aller deutschen Krankenhäuser rote Zahlen, aber das sei kein Grund, das Haus nicht auf den Prüfstand zu stellen, erklärte Thomas Kempe, Kaufmännischer Vorstand, der jetzt gemeinsam mit dem Medizinischen Vorstand Dr. Rüdiger Schönfeld und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Helmut Hartig über die kritische Lage des Krankenhauses berichtete. Demnach konnten die Verluste aus dem Vorjahr durch Rücklagen ausgeglichen werden. Doch das drohende Defizit für das laufende Jahr ist nicht abgedeckt, weshalb das Krankenhaus bereits mit ihren Banken im Gespräch ist.

Außerdem wurde der Osnabrücker Unternehmensberater Armin Sülberg hinzugezogen, der Schwachstellen im Haus aufdecken und ein Sanierungskonzept erarbeiten soll. „Es geht um Optimierungsprozesse“, sagte Kempe. „Wir streben eine nachhaltige Gesundung an und können bereits erste Erfolge vermelden“, berichtete er weiter.

Doch längst nicht alles liegt in der Hand des Hauses. Denn im Gegensatz zu einem privat geführten Unternehmen können Krankenhäuser ihre Preise nicht selbst bestimmen. Die sind festgelegt in sogenannten Fallpauschalen, die jedoch teilweise zu niedrig kalkuliert sind, um die Kosten zu decken. Außerdem sind u.a. Personal- und Versicherungskosten gestiegen und Förderungen des Bundes ausgelaufen. „Wir können unsere Einnahmeseite somit kaum beeinflussen“, machte Kempe deutlich.

Darüber hinaus ist das Krankenhaus wegen seiner Umbaupläne in Vorleistung getreten. Der Bau von Funktionsräumen sollte eigentlich schon stattfinden, doch durch die kritische finanzielle Lage ist er seitens der Krankenhausleitung aufgeschoben worden. „Wir gehen davon aus, dass der Startschuss im September fällt“, so Kempe. Letzte Gespräche mit der Landesregierung seien terminiert. Kempe hofft, dass dann die 32 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt bewilligt werden.

Auf diesem Gelände an der Marienstraße ist das Containerhaus aufgebaut werden. Hierfür ist das krankenhaus in Vorleistung getreten und wartet nun auf grünes Licht aus Hannover für den ersten Bauabschnitt.

Auf diesem Gelände an der Marienstraße ist das Containerhaus aufgebaut werden. Hierfür ist das krankenhaus in Vorleistung getreten und wartet nun auf grünes Licht aus Hannover für den ersten Bauabschnitt.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Die 1100 Mitarbeiter seien über die Lage vollständig informiert, hieß es weiter. Denn anstehende Sonderzahlungen in Höhe von 2,3 Millionen Euro kann das Krankenhaus derzeit nicht aufbringen. „Deshalb sind wir demnächst mit dem Marburger Bund und der Gewerkschaft Verdi im Gespräch“, berichtete Kempe weiter. Allerdings haben die Verantwortlichen nicht nur die Schieflage benannt, sondern bereits im vergangenen Jahr erste Veränderungen vorgenommen. So ist die Neurologie um zusätzliche 30 Betten ausgebaut worden ebenso wie die Schlaganfallstation von sechs auf 15 Betten. „In diesen Bereichen ist der Zuweisungsdruck erheblich“, berichtet Schönfeld. „Das heißt, viele Patienten mussten wir abweisen, weil kein Platz vorhanden war. Das ist jetzt anders und rechnet sich.“ Darüber hinaus ist ein neues Konzept zur Pflegeorganisation auf den Weg gebracht worden. Doch das reicht noch nicht aus, um eine schwarze Null zu schreiben.

Im September, so hofft Hartig, liegt das Sanierungskonzept des Unternehmensberaters auf dem Tisch. „Dann ist alles im Haus kritisch und vorbehaltlos unter die Lupe genommen worden. Es gibt also keine Tabus. Das betrifft auch unser Personal. Allerdings hoffen wir, daran nicht rütteln zu müssen. Wir sehen das hohe Engagement unserer Mitarbeiter als besondere Ressource des Hauses“, stellt Hartig klar. „Deshalb sind sie in alle Prozesse einbezogen. Schließlich sind sie es, die am Ende die Veränderungen nicht nur mittragen sondern auch umsetzen müssen.“

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