Oldenburg

Mit der „Blauen Plakette“ gegen dicke Luft

Am Heiligengeistwall in Oldenburg wird der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten.

Am Heiligengeistwall in Oldenburg wird der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am/pm) In zahlreichen Innenstädten herrscht dicke Luft, so auch in Oldenburg (die OOZ berichtete). Deshalb möchten die Umweltminister von Bund und Ländern nach Rot, Gelb und Grün eine „Blaue Plakette“ für Dieselfahrzeuge mit schlechten Abgaswerten einführen. Mehr als zehn Millionen Fahrzeuge, die die Abgasnorm Euro 6 nicht erfüllen, würden damit aus den stark belasteten Gebieten verbannt. Das soll für eine Entlastung bei den hohen Stickoxiden in den Innenstädten sorgen. Die ankündigten Pläne, die neue Umweltplakette bereits im Herbst zu realisieren, sorgten für Aufregung.

Anzeige

LzO Vorsorge

Weil das Thema auch in Oldenburg bereits kontrovers diskutiert wird, teilt die CDU-Bundestagsabgeordnete Barbara Woltmann mit: „Der Zeitpunkt der Einführung der ‚Blauen Plakette‘ steht noch nicht fest“. Und weiter: „Es besteht Handlungsbedarf. Wir haben in den Städten erhebliche gesundheitsschädliche Stickoxidbelastungen. Deshalb ist es richtig, das Problem mit Augenmaß anzugehen. Zunächst muss geprüft werden, wo die Ursachen liegen. Erst dann können Entscheidungen getroffen werden. Zu Lösungsansätzen gehören unter anderem auch ein kluges Verkehrskonzept, vernünftige Angebote für den Umstieg auf den Öffentlichen Personennahverkehr oder alternative Fahrzeuge“, sagt Woltmann, die sich gegen ein generelles Dieselverbot ausspricht.

Das Bundesumweltministerium wird mit den Ländern und den anderen Ressorts die Ausgestaltung prüfen. Ob das gelingt, wird sich zeigen, denn Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) lehnt die Plakette ab.

Vorheriger Artikel

BGE: Wander-Buch-Projekt gestartet

Nächster Artikel

Watt en Schlick-Fest: Dangast erwartet Besucherrekord

5 Kommentare

  1. Werner Lorenzen-Pranger
    20. Juli 2016 um 0.09

    Ob Dobrindt die Plakette ablehnt oder peng, sie wird kommen. Jedenfalls dann, wenn die Bürger begreifen, daß es unmittelbar um die Gesundheit, vor allem der eigenen Kinder, geht. Inzwischen können ja die CDU-ler, IHK-ler – und, wer war das doch gleich noch in Oldenburg? – egal! – weiter Autos zählen, während sich die Eltern um ihre Kinder im Lastenfahrrad oder Fahrradanhänger sorgen. Letztere immerhin stets auf Auspuffhöhe.
    CDU / CSU, stets auf der der Höhe der Zeit – der Zeit der 50-er Jahre! 😉

  2. Barbara Klebinger
    28. Juli 2016 um 13.54

    … mit der blauen Plakette wird die Innenstadt samt Bewohnern von selbst vergehen :
    – keine Warenanlieferung mehr
    – keine Getränkelieferungen mehr
    – immer weniger Einkäufer/Passanten
    – wenig Müllabfuhr
    – wenig Straßenreinigung
    – keine Bautätigkeit mehr
    – kein Straßenbau mehr
    – keine Pflasterarbeiten mehr
    – kein Abschleppen (Versetzen) mehr
    – keine Feuerwehr-Einsätze mehr
    – keine Rettungseinsätze mehr
    – keine Pflegedienste mehr

    Danach gibt es gute Luft ohne Feinstaub, stille Leere in den Straßen und abends stille Dunkelheit, da die Beleuchtung abgestellt werden kann.
    Schön daran wäre, daß die Natur mit Fledermäusen, Eulen und Wildpflanzen zurückkehren kann – was für Aussichten !
    – Barbara Klebinger

    • Werner Lorenzen-Pranger
      29. Juli 2016 um 11.57

      All das, was sie beschreiben, läßt sich leicht regeln. Schon länger wird ein Teil der Müll-Entsorgung in Oldenburg mit elektrisch betrieben Klein-LKW erledigt. Für den Rest gäbs, wie für etliche andere, sicher übergangshalber erst einmal eine Sondergenehmigung.
      Interessant heute ein Artikel im Göttinger Tageblatt, nach dem Lieferfahrten für Lebensmittel zum Teil bereits mit sogenannten Pedelecs erledigt werden.

      Göttinger Tafel fährt Elektrobikes

      Ein Trend, der auch in Oldenburg längst im kommen ist. Selbst Pizza-Boten fahren sowas zum Teil schon.
      Ihre Einwände sind also zumindest dahin überflüssig, daß Alternativen in vielen Bereichen gesucht und gefunden werden – und jede Einschränkung der Umweltbelastung unserer Kinder und Enkel ist ist doch willkommen, oder etwa nicht?
      Na gut, die CDU, die IHK und solche Witzbolde haben davon noch nicht so viel mitbekommen. Liegt eben alles auch immer an der Allgemeinbildung…

  3. Werner Lorenzen-Pranger
    12. August 2016 um 9.58

    In der tat, gegen alle Vernunft hat sich Verkehrsminister Dobrindt durchgsetzt – und gegen den Rat auch seines Staatssekretärs liegt das Thema jetzt erst einmal auf unbestimmte Zeit auf Eis. Das heißt, vor allem auch für umweltbewußte Eltern, die nachweislich krebserregende Feinstaubbelastung wird nicht weiter verringert. Ein Hoch auf den Schwachsinn – oder sollte man sagen auf die kriminelle Energie zugunsten der Autobauer gegen die Bürger, vor allem gegen deren Kinder – der „Konservativen“! Na ja, für Dobrindt ist die Abgasaffaire wohl schon zu den Akten gelegt, damit nicht noch mehr rauskommt. Immerhin wurden manche Auto-Marken trotz alarmierender Werte (!) nur am Rande erwähnt, andere, oh Wunder, gar nicht. (Warum hat man eigentlich z.B. überhaupt nichts von BMW gehört? Ach so, Bayern…)

  4. Anton Weber
    15. August 2016 um 2.07

    Lieber Herr Werner Lorenzen-Pranger,
    Nein es sind nicht immer nur CDU, die IHK und solche Witzbolde die eine andere Einstellung zum Auto haben: Wir sind schon seit Jahren nicht mehr in der Oldenburger Innenstadt gewesen. Wenn man gehbehindert, aber nicht außergewöhnlich gehbehindert ist, bekommt man nicht den blauen Schwerbehinderten-Ausweis, und somit auch nicht in den „Genuss“ einiger Sonderrechte bei der Parkplatz suche. Dies dürfte bei den allermeisten Schwerbehinderten so sein. Somit sind wir auf allgemein zugänglichen Parkplätze in direkter Nähe zur Fußgängerzone angewiesen…Ja, es gibt Menschen für die 500 m schon ein weiter Weg sind. Und schwerbehindert sind mehr als 10 Prozent der Bevölkerung…Und beim Aussteigen aus dem Bus vom Fahrrad angefahren zu werden, ist in Oldenburg nunmal eine reale Gefahr, die bei jemandem der sowieso schon wackelig auf den Beinen ist, schnell zu katastrophalen Folgen führt.