Oldenburg

Blankenburg: Vom Un-Ort zum Wohnidyll

Am Kloster Blankenburg soll günstiges Wohnen, kreatives Arbeiten und kulturelles Leben vereint werden. Es könnten in den kommenden drei Jahren 350 bis 400 Wohneinheiten entstehen.

Die Planer wollen das Kloster Blankenburg „von einem Ort der Ausgrenzung und Unfreiheit zu einem Ort der Integration und Selbstbestimmung“ führen.
Foto: Bin im Garten / Martina Nolte; Lizenz: CC BY-SA 3.0

Oldenburg (am) In der heutigen Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Bauen stellten Wolfgang Schwerdt und Kathrin Helms von Wolfgang Schwerdt Immobilien, Architekt Hermann Möhlenkamp und Werner Steimer von der NWP-Planungsgesellschaft ihre Vorstellungen über die Zukunft des Klostergutes Blankenburg vor. Sie wollen dort günstiges Wohnen, kreatives Arbeiten und kulturelles Leben vereinen. Es könnten in den kommenden drei Jahren 350 bis 400 Wohneinheiten entstehen.

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Die Planer wollen das Kloster Blankenburg „von einem Ort der Ausgrenzung und Unfreiheit zu einem Ort der Integration und Selbstbestimmung“ führen. Das Gelände ist insgesamt 197.170 Quadratmeter groß. Es besteht aus Wasser-, Wald- und Wiesenflächen, unter anderem ein Sportplatz und ein Kinderspielplatz. Die ehemaligen Klostergebäude haben eine Nutzfläche von 17. 500 Quadratmetern. Derzeit stehen insgesamt zirka 13.000 Quadratmeter Gewerbe- und Wohnfläche, rund 1.460 Quadratmeter Kellerfläche und rund 1.000 Quadratmeter Garagenfläche zur Verfügung. Hinzu kommt die Klosterkirche mit rund 170 Quadratmeter Nutzfläche und das Kesselhaus. Unter Denkmalschutz stehen die Kirche (1868), das Torhaus (1728), das Haupthaus und das alte Brauhaus (1623).

Das Areal ist zirka sechs Kilometer von der Oldenburger Innenstadt entfernt. „Die Nähe wird aber nicht gefühlt“, sagte Hermann Möhlenkamp. Er zeigte andere Vorteile, insbesondere für die Freizeitgestaltung, Erholung und alternatives Wohnen, auf. Ein Hafen für Haus- und Sportboote mit Slipanlage und Wassersportmöglichkeiten ist Teil des Vorschlags, denn das Gelände grenzt an die Hunte. Die Energieversorgung könnte autonom durch ein Blockheizkraftwerk gesichert werden.

Auf dem Gelände sollen kostengünstige Wohnungen, generationsübergreifende und genossenschaftliche Wohnformen, Pflegewohngemeinschaften mit Therapie-Gärten, ein Jugend- und Studentenhotel, schulische Einrichtungen wie ein Internat, Atelierräume, Werkstätten, ein Café mit Gartenterrasse und Kiosk, eine Privatbrauerei und Büroräume entstehen. Grünflächen, zum Beispiel für die Anzucht von Kräutern oder Streuobstwiesen, würden verpachtet. Für Ausstellungen, Feiern der Quartiersbewohner oder Seminare soll die Kirche genutzt werden. Die Werkschule Oldenburg, die ihr Gebäude verlassen muss, könnte hier ein neues Domizil finden. Der 90.000 Quadratmeter große Mischwald bietet sich für Jogging-Wege, einen Natur-Lehrpfad und Kletterparcours an.

Für diese Pläne müsste der Gebäudebestand ergänzt werden. Zwischen den Komplexen sollen Lücken geschlossen werden. „Da es sich hinsichtlich der landschaftlichen und historischen Besonderheiten um einen sensiblen Bereich handelt, sind an eine adäquate Bestands-Ergänzung bestimmte Anforderungen zu stellen. So wäre es zum Beispiel nicht angebracht, die benachbarte Bebauung stilistisch und inhaltlich einfach zu kopieren. Auf die eher negativ besetzte Geschichte (Geschichte des Klosters Blankenburg) sollte eine positive, selbstbewusste und nachhaltig hoffnungsvolle Antwort gegeben werden“, schreiben die Planer in ihrem Nachnutzungskonzept. Integration, soziales Miteinander, generationsübergreifendes Wohnen und experimenteller Wohnungsbau sind einige ihre Ideen, um diese Ziele zu erreichen.

Wolfgang Schwerdt und Kathrin Helms haben Ende 2013 das Klostergut Blankenburg erworben. „Die Gebäude stehen vier Jahre lang leer, jetzt muss dort mal was passieren“, so Schwerdt. Für die weitere Planung fehlt ihnen eine grundsätzliche Zusage. Der Flächennutzungsplan muss angepasst werden, der Bauleitplan erstellt. Zahlreiche Fragen nach der Bebauung beziehungsweise Bestandserweiterung, der Nahversorgung und der übrigen Infrastruktur wurden gestellt.

Einem reinen Freizeit- und Touristengebiet, ein Vorschlag von SPD-Ratsfrau Ursula Burdiek, erteilte Schwerdt eine Absage: „Wenn Wohnen ausgeschlossen wird, würde das den Tod des Dorfes bedeuten“. Grünen-Ratsherr Markus Dietz schlug eine Ortsbegehung vor, es müsse konkreter werden. Er sorgt sich um die Bestandserweiterungen, weil die Pläne noch nichts Genaueres zeigen. Henning Adler von der Gruppe Linke/Piratenpartei will in Blankenburg kein soziales Ghetto. Der Vorschlag erfordere eine Grundsatzentscheidung, dazu bräuchte er Bedenkzeit. „Da soll schließlich ein ganz neuer Stadtteil entstehen“, so Adler.

„Der besondere Ort braucht eine besondere Behandlung. Details müssen später folgen, jetzt geht es um die städtebauliche Grundlage“, erklärte Möhlenkamp. Stadträtin Gabriele Nießen sagte, dass man das Areal in vorhabensbezogene Bebauungspläne aufteilen könne, um dann detailliert darüber sprechen zu können. Einen klassischen Bürostandort wolle man dort nicht entwickelt wissen, Weiterbildung und Internat könne man sich gut vorstellen. Sozialer Wohnungsbau sei an dieser Stelle schlecht möglich, weil die Versorgung fußläufig erreichbar sein müsste. Dass es nicht um Sozialwohnungen ginge, meinte Steimer. „Wir reden von Menschen vieler sozialer Schichten, die mit einem gemeinsamen Solidaritätsgedanken hier wohnen und arbeiten möchten. Das ist nicht vom Einkommen abhängig.“

Schwerdt sieht eine grundsätzliche Frage: „Soll das Klostergut Blankenburg verrotten oder erhalten werden?“. Er sei auf jeden Fall positiv gestimmt. Wenn es irgendwie möglich sei, wolle man auch für das Oldenburgische Staatstheater eine Lösung für das Projekt „Blankenburg“ finden, erklärte Schwerdt nach der Sitzung (die OOZ berichtete).

Voraussichtlich wird das Thema in der Mai-Sitzung wieder auf der Tagesordnung stehen.

Geschichte des Klosters Blankenburg, Ort der Ausgrenzung

1294
Das Gelände kauften fünf stiftsbremische Adlige und Ministerialen für 200 Mark Bremer Silber von Graf Johann II. von Oldenburg und gründeten dort ein Dominikanerinnenkloster für Nonnen des Augustiner- und Predigerordens. Im Rahmen der Weihe wurde laut Wikipedia erstmals der Namen Blankenburg bzw. Blankenborch erwähnt. Der Name geht vermutlich auf eine Nonne namens Blanca aus dem Umfeld des heiligen Dominikus zurück. Der Zusatz „Burg“ bezieht sich auf die Wurt, auf der die Klostergebäude entstanden.

1299
Der Bremer Erzbischof löste das Kloster aus dem Pfarrbezirk St. Lamberti in Oldenburg heraus und erhob die Klosterkirche zur Pfarrkirche. (In der Folgezeit diente das Kloster als Versorgungsinstitut für Töchter gutsituierter Oldenburger und in mindestens einem Fall auch für die illegitime Nachkommenschaft des Grafenhauses. Quelle: Wikipedia)

1335
Weihe der ersten Klosterkirche.

1499
Verwüstung durch die „Schwarze Garde“ (Landknechtsregiment aus den Niederlanden).

1527
Graf Anton I richtete ein Malz- und Brauwerk ein.

1557
Letzte Erwähnung einer Priorin (Alheidis).

1577 (*)
Säkularisierung (Verweltlichung) des Klosters im Rahmen der Reformation zu einem gräftlichen Vorwerk mit Brauerei.

1623
Graf Anton Günther ließ ein neues Brauhaus errichten, das das Malz- und Brauwerk ersetzte.

1632
Gründung der Stiftung „Kloster Blankenburg“ (bis 1989 Eigentümerin des Klostergutes).

1632 bis 1859
Armen- und Waisenhaus der Grafen von Oldenburg, vorher zeitweise Lager für Pestkranke.

1859 (1786*) bis 1935
Bewahr- und Pflegeanstalt für psychisch Kranke (Siechenhaus).

1864
Erste Klosterkirche wird wegen Baufälligkeit abgerissen.

1868
Weihung der neuen Kirche.

1933
Eingemeindung in die Stadt Oldenburg. Vorher war Kloster Blankenburg eine eigene, zur Gemeinde Holle gehörende Bauernschaft und hatte z.B. im Jahre 1855 insgesamt 115 Einwohner. Hinzu kam die „Blankenburger Windmühle“ mit neun Bewohnern. (Quelle: Planungsbüro)

1935 bis 1937
Hilfsdienstlager des SA-Arbeitsdienstes für jugendliche Arbeitslose, Gefängnis und Marine-Hospital.

1937
Verlegung der städtischen Pflegeeinrichtung „Gertrudenheim“ ins Kloster Blankenburg.

1941
Deportation im Rahmen des NS-Euthanasie-Programms (Aktion T4).

1945 bis 1957
Tuberkulose-Klinik.

1949 bis 1987
Teilnutzung der Stadt Oldenburg als Altenheim.

1957 bis 1988
Psychiatrische Langzeitklinik mit zehn Stationen, 300 Patienten, durchschnittliche Verweildauer 16 Jahre, bis 1980 acht geschlossene Abteilungen.

1989 bis 2011
Zentralen Aufnahme- und Ausländerbehörde (ZAAB), 2010 mit rund 570 Flüchtlingen.

2006
Blankenburg wird von der Immobiliengesellschaft TAG aus Hamburg gekauft.

Heute
Knapp 3000 Quadratmeter Bürofläche, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) genutzt werden. Das „Kesselhaus“ wurde auf Erdgas umgestellt und für die Beheizung der Büros genutzt. Alle anderen Gebäude stehen leer.

* Einige Jahreszahlen beruhen auf Vermutungen. Die OOZ-Redaktion hat sich weitgehend an Wikipedia als Quelle gehalten, wenn die Jahreszahlen mit anderen Quellen nicht übereinstimmten.

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1 Kommentar

  1. rebhan
    6. September 2016 um 8.04

    Kloster Blankenburg ein furchtbarer ort ich wurde als flüchtling dort untegebracht im jahr 2010 aus ehemaligen Yugoslawien. Es waren viele flüchtlinge Syrer .Afganen.Iraker .Kurden. Afrikaner. Roma aus Serbien.Montenegro und Kosovo. ich wohnte in ein raum das Haus mit dem nr24 . 24 häuser schrecklich .marode und abweisend .Bewohner erzählten dass es nachts spuken wurde und plagten über furchtbare albträume .so dass aus angst haben es viele freiwillig unterschrieben eine rrückkehr in ihrer Heimatland ich selber hate ich diese Albträume auch und musste das licht in mein raum an lassen oder der fernseher denn ganzen nacht an durch meinen fenster es war ein Grabstein zu sehn so musste ich nachts die gardinen zu lassen…