Wirtschaft

Stärker durch gemeinsames Auftreten und Handeln

Die IHK, HWK und die Landwirtschaftskammer in Oldenburg arbeiten bereits eng zusammen. Jetzt holen sie als vierten Partner das IÖB mit ins Boot.

Hans-Joachim Harms, Thomas Hildebrandt, Heiko Henke, und Hans Kaminski (von links) unterzeichneten einen Kooperationsvertrag.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Die drei Kammern – Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer Oldenburg (HWK) und die Landwirtschaftskammer – arbeiten bereits eng zusammen. Jetzt holen die drei Akteure als vierten Partner das Institut für Ökonomische Bildung Oldenburg (IÖB) mit ins Boot und unterzeichneten einen entsprechenden Kooperationsvertrag. Ziel ist insbesondere die Verbesserung der Ausbildungsqualität und der Berufsorientierung.

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„Die Zahl der Auszubildenden ist rückläufig. Einerseits liegt es an der Bevölkerungsentwicklung, andererseits an dem Bestreben der Jugendlichen, einen möglichst hohen Schulabschluss zu erzielen. Das hat eine Akademisierung zur Folge, denn immer mehr junge Leute streben das Abitur an und wollen studieren“, fasst IHK-Geschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt die gegenwärtige Situation zusammen. Dabei schaffen viele das Studium nicht. Das neue Bündnis aus Kammern und IÖB will seine Aktivitäten nicht nur verstärken, sondern auch verbessern, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken.

„Wir treffen uns regelmäßig und erörtern Fragen und entwickeln neue Ideen. Künftig sitzt Prof. Dr. Hans Kaminski mit am Tisch und wird einige unserer Ideen wissenschaftsorientiert überprüfen“, ergänzt HWK-Geschäftsführer Heiko Henke. Das IÖB ist etabliert und befasst sich seit Jahren mit beruflicher Bildung. Viele der dort gemachten Untersuchungen könnten für die Kammern und deren Mitgliedsbetriebe nützlich sein, ist Hans-Joachim Harms, Kammerdirektor der Landwirtschaftskammer, überzeugt.

Kaminski bezeichnet das IÖB deshalb auch als „Brückensteg“. „Wir haben eine Scharnierfunktion“, sagt er und verweist darauf, „dass sich das IÖB in diesem Kreis als natürlicher Partner empfindet. Wir lehren und forschen im Bereich Berufsorientierung. So können unsere Erkenntnisse den Kammern zugutekommen, umgekehrt bekommen wir einen noch tieferen Einblick in das duale Ausbildungssystem“, freut sich Kaminski auf die Zusammenarbeit. Er fühlt sich als Leiter des Instituts auch aus regionalpolitischen Überlegungen heraus verpflichtet, in diesem Kreis aktiv mitzuwirken.

Ob es um Messen, Betriebspraktika oder den neu konzipierten Ausbildertag geht, „die Region muss leuchten“, finden alle vier Vertreter. Das klappt nur, wenn ausreichend junge Leute für die duale Berufsausbildung gewonnen werden können. Welche Möglichkeiten es gibt, sie vermehrt zu gewinnen, das soll ab sofort auch wissenschaftlich ausgelotet werden. Darüber hinaus soll es vermehrt Qualitätsschulungen für Unternehmen geben, damit Ausbildungsbetriebe noch attraktiver für Jugendliche werden. Angestrebt ist auch eine stärkere Harmonisierung von Sonderformen dualer Berufsausbildung oder abgestimmte Arbeitsschritte bei Umschulungsmaßnahmen.

Zudem planen sie bezüglich der Berufsorientierung eine engere Zusammenarbeit mit Schulen und hier speziell mit Gymnasien, wo die berufliche Bildung eine eher untergeordnete Rolle spielt, was die Kammern ändern möchten und auf die wissenschaftliche Unterstützung des IÖB setzen. Denn manch ein Schüler sei eben doch besser für die betriebliche Ausbildung geeignet als für ein Studium, worauf die hohen Abbrecherquoten an den Unis hinweisen, heißt es.

Schließlich versprechen sich die vier Akteure von einer abgestimmten Kommunikation gegenüber Trägern aber auch dem Kultusministerium eine größere Wirkung. Hier geht es unter anderem um die schlechte Unterrichtsversorgung in den Berufsschulen, die laut Hildebrandt bei 89 Prozent liegt und in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Gemeinsam wollen sie künftig mehr Bildungsgerechtigkeit einfordern.

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