Wirtschaft

Genossenschaften befördern Kultur des Miteinanders

Heinz-Joachim Schmitz, Johannes Freundlieb, Ralf Zollenkopf, Klaus Krömer, Stephan Weil, Georg Litmathe, Heiko Plump und Johann Kramer begrüßten rund 300 Gäste zum Verbandstag in den Oldenburger Weser-Ems Hallen.

Heinz-Joachim Schmitz, Johannes Freundlieb, Ralf Zollenkopf, Klaus Krömer, Stephan Weil, Georg Litmathe, Heiko Plump und Johann Kramer (von links) begrüßten rund 300 Gäste zum Verbandstag.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Ein klares Bekenntnis zu Genossenschaften legte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil in Oldenburg auf dem Verbandstag des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems (GVWE) ab, zu dem rund 300 genossenschaftliche Mitgliedsunternehmen sowie Gäste aus Politik und Wirtschaft in die Weser-Ems Hallen kamen. Der Gastredner sprach von „Genossenschaften als nachhaltiger Bewegung“, die nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hätte.

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In der Gemeinschaft selbstverantwortlich und mitbestimmend Ziele durchzusetzen, seien die Kernelemente seit über 125 Jahren. „Genossenschaften tragen vor allem zur Kultur des Miteinanders bei und gewinnen im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung stark an Bedeutung.“ Denn sie führten zu einer starken Konzentration, die für kleine und mittlere Wettbewerber zum Problem werden könnten. Eine Genossenschaft könnte für sie der Schlüssel für eine gute Zukunft sein, ist er überzeugt.

Gleichwohl würden sich Genossenschaftsbanken gegenwärtig angesichts der unvergleichlichen Niedrigzinswirtschaft in einer Sandwich-Situation befinden, gab Weil zu bedenken. „Diese Situation ist auf Dauer nicht zu empfehlen, weil die Risiken steigen. „Wir sollten normale Marktverhältnisse anstreben“, meinte der Ministerpräsident, der noch eine weitere Herausforderung benannte: Die Regulierung. „Wir laufen Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten.“ Denn was für weltweit agierende Investmentbanken gelte, gelte nicht für Genossenschaftsbanken, die für die Wirtschaftskrise und ihre Folgen nicht verantwortlich seien. „Regulierung will Risiken in den Blick nehmen, trifft jedoch auch die Falschen“, stellte Weil klar.

Kritik übte er auch an der Umsetzung der Immobilienkreditrichtlinie. Ihm sei nicht klar, warum ein bewährtes System, das auf Bonität und Sachsicherung basiere, unbegründet verlassen werde. Vielmehr solle Eigentumsbildung erleichtert und nicht erschwert werden, meinte er. „Leitplanken einer guten Politik sind der Austausch aller Akteure und das gemeinsame Zugehen auf die Gesellschaft mit dem Ziel, Vertrauen zu bewahren oder zurück zu gewinnen“, erklärte er und bezog das auch auf die Landwirtschaft.

Sowohl Landwirte als auch Verbraucher müssten sich bewegen. Denn Tierwohl und Umweltschutz gäbe es nicht zum Nulltarif. Wer hohe Qualität wolle, müsse für wertvolle Lebensmittel tiefer in die Tasche greifen. In diesem Zusammenhang sprach er auch die Russlandpolitik der Bundesregierung an, deren Leidtragende die Landwirte seien. Gleichwohl würde sich die Politik Putins aber nicht ändern.

Schließlich ging er noch auf die Energiegenossenschaften ein, die dafür sorgten, dass Wertschöpfung vor Ort bliebe. Zudem trügen sie dazu bei, Niedersachsen zum bundesweiten Energiezentrum zu machen. Die Wettbewerbsveränderungen bezüglich des staatlichen Fördersystems im Energiesektor seien richtig, erklärte Weil. Gleichwohl sollten mächtige Energieversorger nicht bevorteilt werden. „Wir beobachten deshalb aufmerksam, dass auch Genossenschaften bei Ausschreibungen gewinnen können“, stellte er klar.

Gemeinsam stark sein, sich intensiv austauschen und Synergieeffekte nutzen, das befürworteten auch die Präsidenten der Universität Oldenburg Prof. Dr. Hans-Michael und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Gerhard Schwetje, die beide ein Grußwort sprachen. Beide unterstrichen die Kultur der Zusammenarbeit. Schließlich stellten die Verbandsdirektoren Johannes Freundlieb und Georg Litmathe den Jahresbericht vor. Die dem GVWE angehörenden Unternehmen hätten wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Region Weser-Ems stabil und wachstumsorientiert weiterentwickelt habe.

Wie der Ministerpräsident kritisierte Freundlieb die Niedrigzinsphase und die Regulatorik. „Schulden belohnen und Sparen bestrafen halte ich für einen ökonomischen Irrweg mit fatalen Folgen“, so Freundlieb. Sinnvolle aber keine gleichmachende Regulierung sei richtig. Und ein bestens funktionierendes System wie genossenschaftliche Einlagensicherung zu vergemeinschaften, lehnte er ebenfalls ab.

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