Oldenburg

Pro:connect will Zuwanderer schneller integrieren

Jörg Bensberg, Gerlinde Röben, Werner zu Jeddeloh und Jürgen Krogmann mit zahlreichen Unterstützern stellten im Oldenburger Rathaus die Vereinsidee von pro:connect vor.

Jörg Bensberg, Gerlinde Röben, Werner zu Jeddeloh und Jürgen Krogmann (von links) mit zahlreichen Unterstützern stellten im Oldenburger Rathaus die Vereinsidee von pro:connect vor.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – „Viele Flüchtlinge brennen darauf, endlich ihr Geld selbst verdienen und ein normales Leben führen zu können“, sagt der ehemalige BÜFA-Geschäftsführer Werner zu Jeddeloh. Damit das schneller gelingen kann, kam ihm die Idee von pro:connect, die jetzt im Oldenburger Rathaus vorgestellt wurde.

Die Stadt Oldenburg und der Landkreis Ammerland wollen mit privaten Förderern den Verein „pro:connect – Integration durch Bildung und Arbeit e.V.“ ins Leben rufen, der eine gemeinsame Anlaufstelle für Arbeitgeber sowie arbeitsuchende Zuwanderer anbietet. Hier werden Fragen rund um die Arbeitserlaubnis, Arbeitsplätze oder Praktika von Fachleuten aus den Jobcentern und den Ausländerbehörden der Stadt und des Landkreises als Team fachübergreifend schnell und kompetent beantwortet.

Unternehmerin Gerlinde Röben aus dem Ammerland möchte wie viele andere Unternehmer Flüchtlingen helfen, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen und keine langen Debatten führen. „Je schneller sie integriert sind, umso besser für alle Beteiligten“, sagt sie und sieht vor allem Chancen für beide Seiten. „Wir brauchen dringend geeignete Arbeitskräfte und die Flüchtlinge möchten ein normales Leben führen. Was liegt da näher, als sich mit anderen zusammen zu tun und aktiv zu werden“, findet sie.

Doch die komplexe Rechtslage macht vielen Arbeitgebern einen Strich durch die Rechnung. Bekommen die Flüchtlinge eine Arbeitserlaubnis, wird der ausländische Berufsabschluss anerkannt, kann eine Fortbildungsmaßnahme oder ein Sprachkurs gefördert werden? All diese Frage bleiben unbeantwortet, weil bis zu fünf verschiedene Stellen beteiligt werden müssten, um die Antworten zu bekommen. „Zu aufwendig für viele Unternehmer“, weiß zu Jeddeloh.

Mit der Anlaufstelle soll sich das ändern, kündigen Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und Jörg Bensberg, Landrat im Ammerland an. „Wir begrüßen das Engagement der Unternehmer und vieler Ehrenamtlicher. Damit ihr Einsatz wirkungsvoll ist, benötigen wir einen strukturierten Prozess. Den bekommen wir mit der Vereinsgründung, die für den Herbst geplant ist, nachdem zuvor die politischen Gremien damit befasst waren“, freut sich Bensberg. Krogmann fügt hinzu, „dass die viel zitierte Willkommenskultur so tatsächlich eine ist, weil die Bürgergesellschaft maßgeblich mitwirkt und Kräfte gebündelt werden.“

Es geht also um die schnelle Hilfe aus einer Hand. Rotary- und Lions-Clubs sowie namhafte Firmen aus dem Oldenburger Land unterstützen die Initiative bereits. Ganz oben auf der Agenda stehen Sprachkurse. „Nur wer Deutsch spricht, wird sich schnell integrieren sowohl beruflich als auch privat“, ist zu Jeddeloh überzeugt. Der Verein plant bis zu 100 Sprachkurse anzubieten. Außerdem sollen die beruflichen Profile der arbeitssuchenden Flüchtlinge erstellt werden, um sie möglichst schnell in die richtigen Tätigkeiten vermitteln zu können.

„Die Befürchtung, dass Zuwanderer Einheimische vom Arbeitsmarkt verdrängen oder in ihrer großen Mehrheit dauerhaft in die Sozialsysteme immigrieren, ist schlicht Unsinn“, stellt Bensberg klar. Im Ammerland liege die Quote der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ausländer im Alter zwischen 15 und 65 Jahren mit einem Anteil von über 62 Prozent deutlich höher als bei der deutschen Bevölkerung mit 57 Prozent – und dies bei einer Arbeitslosenquote von insgesamt 3,9 Prozent und einem stark wachsenden Fachkräftemangel. „Wir brauchen Zuwanderung in dieser Region, um zukunftsfähig zu bleiben“, ist er überzeugt.

Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Für die Einrichtung und den Unterhalt der Räumlichkeiten und für Projektförderungen stehen schon jetzt Sponsorengelder in erheblicher Größenordnung zur Verfügung. „Wir hoffen, dass mittelfristig weitere Landkreise und kreisfreie Städte mitziehen“, sagt Bensberg, der bereits von mehreren Kollegen aus dem Oldenburger Land angesprochen worden ist. Unterstützung erhält der neue Verein zudem von allen drei Kammern, die das Engagement begrüßen.

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5 Kommentare

  1. Dirk
    18. August 2015 um 18.35

    Da haben alle gut Lachen!

    Endlich wieder arbeitswilliges Fußvolk welches sich für den Mindestlohn (ohne weitere Zulagen) beuteln lässt!

    Endlich eine Aussicht eben nicht mehr Menschen zu finden, welche nach ihrer Qualifikation bezahlt werden möchten.

    Und wie sie sich alle freuen…

    • Andreas Speckmann
      18. August 2015 um 21.02

      Ich konnte leider aus Ihrem geistreichen und hilfreichen Kommentar nicht rauslesen, welch grandiose Idee SIE haben um den Flüchlingen aktiv zu helfen.

  2. Anja Markmann
    18. August 2015 um 19.27

    Was soll dieses selbstgefällige Gutmenschentum? Soll das ein Fahrschein in den Himmel sein? Wir haben bei uns in Europa selbst genug arbeitslose Menschen, denen bei der Arbeitssuche zuerst einmal geholfen werden muss. Bei den Flüchtlingen fehlt außerdem die dringend notwendige Differenzierung in „wirkliche“ Kriegsflüchtlinge und solche, die in der Mehrheit bei uns nur ihr Glück auf ein besseres Leben suchen. Die wirklichen Flüchtlinge sind die wenigsten. Und die, denen es richtig dreckig geht, kommen noch nicht mal übers Mittelmeer.

    • Barbara Klebinger
      31. August 2015 um 14.07

      … danke für Ihren Mut in Ihrem Kommentar.

    • W. Lorenzen-Pranger
      3. September 2015 um 13.19

      Na, dann wollen wir mal all die deutschen „Wirtschaftsflüchtlinge“ aus den USA „heim ins Reich“ holen, was? Große Auswandererwellen gabs immerhin noch bis in die frühen 50-er. Könnte allerdings dann tatsächlich doch noch eng werden hier. Wenn ich da so an meine und die Familie meiner Frau denke, das sind längst mehr als hier leben…
      Im Übrigen ist es mir egal, ob einer wegen einer lebensbedrohenden Diskriminierung und Hungers, so wie die Roma etwa, oder wegen anderer Lebensbedrohungen hierher flieht. All unsere Kulturen auf der Welt haben schon immer und überall vom Austausch letztlich profitiert.
      Wie sagte die österreichische Künstlerin Valie Export einmal? „Die Japaner wern immer europäischer und i werd immer japanischer.“ Nur ein Beispiel für das, was ich meine!