Oldenburg

Aus dem Rettungsassistent wurde der Notfallsanitäter

Für Niels-Holger Brunkau und Sonja Stolle ist der schnelle Einsatz Alltag. Beide bilden Notfallsanitäter bei den Johannitern aus.

Für Niels-Holger Brunkau und Sonja Stolle ist der schnelle Einsatz Alltag. Beide bilden Notfallsanitäter bei den Johannitern aus.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg / zb – Niels-Holger Brunkau ist ausgebildeter Rettungsassistent und Leiter der Rettungswache des Ortsverbandes Oldenburg bei den Johannitern. Seit Jahren hilft er Menschen in Not und rettet Leben. Neuerdings gibt es seinen Beruf nicht mehr, denn der Rettungsassistent wird ab sofort vom Notfallsanitäter abgelöst. Der 49-Jährige begrüßt die neue Berufsordnung und hat als einer der ersten bereits die Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter erfolgreich abgelegt.

Das 24 Jahre alte Rettungsassistenten-Gesetz ist durch das Notfallsanitätergesetz (NotsanG) ersetzt worden. Bislang mussten Rettungsassistenten für ihre Ausbildung selbst zahlen. Das heißt, sie mussten ein Jahr lang Praktikum machen und sich selbst eine Schule suchen. Neuerdings ist ihre Ausbildung vereinheitlicht und stärker an andere Gesundheitsberufe angelehnt. Außerdem erstreckt sie sich über einen Zeitraum von drei statt bisher zwei Jahren und wird komplett vergütet.

„Es ist ein offizieller Ausbildungsberuf mit festgeschriebenen Qualitätsanforderungen geworden“, freut sich Sonja Stolle, Leiterin der neu gegründeten Notfallsanitäter-Schule Weser-Ems. „Wir haben jetzt ganz andere Möglichkeiten, unseren Nachwuchs zu gewinnen. Bisher haben sich ausgebildete Kräfte bei uns beworben, neuerdings suchen wir die jungen Leute aus, bilden sie aus und können sie auch formen. Außerdem sind die Inhalte erweitert worden, so dass die Notfallsanitäter künftig mehr Verantwortung übernehmen als die Rettungsassistenten“, erläutert die 45-Jährige.

In der neuen Ausbildung sind Theorie und Praxis verzahnt. „Die Azubis beginnen mit einem Theorieblock und gehen dann in die Praxis, wo sie ihr Wissen sofort vertiefen können“, berichtet Sonja Stolle. Künftig gibt es drei Lernorte: Die Schule, eine Klinik sowie die Rettungswache, wo die Azubis als Praktikanten mitfahren und lernen, worauf es bei einem Einsatz, sei es ein normaler Krankentransport oder ein lebensrettender Einsatz, ankommt. „Es ist ja nicht nur medizinisches Wissen gefragt, es geht auch immer um Logistik“, macht Niels-Holger Brunkau klar.

Kommunikation, Interaktion, Anamneseerhebung, Recht, Ökonomie und Qualität sowie Hygiene sind ganz wichtige Themen im ersten Lehrjahr, ehe die medizinischen Themen hinzukommen. „Die erweiterte Ausbildung bedeutet mehr Kompetenz und einen größeren Entscheidungsspielraum“, sagt der Notfallsanitäter. Dafür musste er für seine Ergänzungsprüfung ziemlich hart büffeln. „Wir haben sehr viel über Medikamente und ihre Wirkung auch in Verbindung mit anderen Medikamenten gelernt.“

Die geschützte Berufsbezeichnung Notfallsanitäter wurde bewusst gewählt. Während der Sanitäter mit der Leistung unmittelbarer Hilfe in Verbindung gebracht wird, assoziiert der Notfall analog zum Notarzt bzw. Notfallmediziner die schnelle Rettung. Genau diese Begriffskombination bildet das Tätigkeitsfeld eines Notfallsanitäters ab.

Nachwuchsprobleme gibt es derzeit nicht, berichtet Sonja Stolle. Viele junge Leute interessieren sich für den Beruf. Das ist gut so, denn aufgrund des demografischen Wandels werden mehr Notfallsanitäter gebraucht, weil die Rettungseinsätze zunehmen. Bis zu 30 Prozent mehr Rettungsdienst-Einsätze gab es innerhalb der vergangenen zehn Jahre in Deutschland. In ländlichen Regionen betrug der Anstieg sogar bis zu 50 Prozent. „Die Johanniter im Regionalverband Weser-Ems zählten 2012 insgesamt 10.847 Einsätze. Ein Jahr später waren es bereits 12.173 und im vergangenen Jahr 13.043 Einsätze“, berichtet Pressesprecher Stefan Greiber und bestätigt die Entwicklung.

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