Oldenburg

OOWV: Erster Spatenstich für zwei Faultürme

Direkt neben dem Agravis-Turm entstehen auf der OOWV-Kläranlage am Oldenburger Hafen zwei 23 Meter hohe Faultürme.

Direkt neben dem Agravis-Turm entstehen auf der OOWV-Kläranlage am Oldenburger Hafen zwei 23 Meter hohe Faultürme.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Gestern fand der erste Spatenstich für zwei neue Faultürme auf der Kläranlange an der Wehdestraße in Oldenburg des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) statt. „Mit dem 14,4 Millionen Euro kostenden Projekt stellt sich der OOWV frühzeitig auf neue Anforderungen in der Klärschlammverwertung ein“, erklärte der kaufmännische Geschäftsführer Karsten Specht.

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„Wir wollen der Entwicklung einen Schritt voraus sein. Das ist eine bewährte Maxime und Stärke unseres Verbandes“, sagte Specht weiter. Die Erweiterung der Klärschlammverwertung auf der größten der insgesamt 46 Kläranlagen im Verbandsgebiet sei ein weiteres Beispiel für vorausschauendes Handeln. Die Investition in zweistelliger Millionenhöhe sei zudem ein klares Bekenntnis zum Standort Oldenburg.

Eineinhalb Jahre beträgt die Bauzeit der beiden 23 Meter hohen Türme, die den Planern viel Ingenieurskunst abverlangt. Ihr Durchmesser beträgt 18,5 Meter, das Fassungsvermögen je 5000 Kubikmeter. 158 Betonpfähle wurden bereits zwölf Meter tief in den Untergrund getrieben, um für die nötige Standsicherheit zu sorgen. Anschließend erfolgt die Sanierung der beiden bereits vorhandenen Faultürme. „In zwei Jahren erleben wir hier an diesem Standort ein völlig verändertes Erscheinungsbild“, sagt Specht. „Die Türme werden weithin sichtbar sein und sind von großer strategischer Bedeutung.“

Gegenwärtig beträgt das Faulraumvolumen auf der Kläranlage rund 9300 Kubikmeter. Nach der Erweiterung steigt das Volumen auf 16.300 Kubikmeter, weil einer der alten Türme zu einem Faulschlammspeicher umgebaut wird. „In den neuen Türmen wird die Schlammmenge innerhalb von rund 20 Tagen um 30 Prozent abgebaut. Das entstehende Klärgas wird in einem Blockheizkraftwerk zu Strom und Wärme verwertet und deckt zu 80 Prozent den Strombedarf und zu 95 Prozent den Wärmebedarf der Kläranlage“, berichtet OOWV-Regionalleiter Jens de Boer. „Die Investition macht also dreifach Sinn. Wir gewährleisten langfristig die Entsorgungssicherheit, decken mehr Strombedarf der Anlage aus eigener Erzeugung und sparen CO2 ein.“

Der OOWV reagiert mit diesem Bauvorhaben auf neue Rahmenbedingungen, die demnächst in Berlin verabschiedet werden. Klärschlamm war bislang als qualitativ hochwertiger Dünger in der Landwirtschaft sehr geschätzt. Bei der Abwasserreinigung in den 46 Kläranlagen fallen pro Jahr 275.000 Kubikmeter Klärschlamm an. 60 Prozent davon wurden als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht, 40 Prozent wurde in einer Verbrennungsanlage in Hamburg verbrannt.

Hans-Gerd Noffke, Leiter der Kläranlage, Regionalleiter Jens de Boer, Bernd Müller als Vertreter des Oldenburger Oberbürgermeisters, Geschäftsführer Karsten Specht und der technische OOWV-Geschäftsführer Peter Kaufmann sorgten für den ersten Spatenstich der beiden Faultürme.

Sorgten für den ersten Spatenstich der beiden Faultürme (von links): Hans-Gerd Noffke, Leiter der Kläranlage, Regionalleiter Jens de Boer, Bernd Müller als Vertreter des Oldenburger Oberbürgermeisters, Geschäftsführer Karsten Specht und der technische OOWV-Geschäftsführer Peter Kaufmann.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Angesichts der Nährstoffentwicklung schlägt der OOWV jetzt eine andere Richtung ein. „Wir erleben ein Überangebot an Nährstoffen in der Region“, erklärt Specht. „Deshalb haben wir das Verhältnis längst ins Gegenteil verkehrt. Lediglich 40 Prozent wird an Landwirte abgegeben, der Rest verbrannt. Weil es sich abzeichnet, dass der Gesetzgeber die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm untersagen wird,
reagiert der OOWV frühzeitig, um weiterhin gut aufgestellt zu sein.“ Das heißt, künftig wird der Klärschlamm vollständig verbrannt.

Dass die beiden Faultürme künftig sichtbar sein werden, stellt für Bernd Müller, Leiter des Amtes für Verkehr und Straßenbau, kein Problem dar. „Entsorgung gehört in unserem Leben dazu“, sagte er als Vertreter des Oberbürgermeisters und begrüßte die Investition des OOWV in eine moderne Technik, von der alle profitieren. „Schließlich gelangt der Klärschlamm am Ende als Asche in unsere Umwelt zurück ohne eine Umweltgefahr darzustellen.“ Tatsächlich steckt die Asche voller Phosphor, der als Stoff endlich ist und benötigt wird.

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