Neuer Rekord: Neun wollen an die Rathausspitze

Jascha Rohr (links) und Ulf Prange trafen bei einer Podiumsdiskussion erstmals aufeinander. Am 27. September könnten sie sich in der Stichwahl wiedersehen.
Foto: Jonas Wendt
Von Michael Exner Bei der Oberbürgermeisterwahl im September hat Oldenburg nicht nur die Wahl, sondern gleich die ganz große Auswahl. Sieben Männer und zwei Frauen konkurrieren um den Chefsessel im Rathaus, den der bisherige Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) nach zwölf Jahren aus freien Stücken räumt. Der Rekord von neun Bewerbungen toppt die bisherige Bestmarke von sechs (2001/2021) um die Hälfte. Die Frist für die Anmeldung von Kandidaturen ist abgelaufen; den formellen Stempel drauf setzt der Wahlausschuss am 23. Juli.
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Es hätten noch mehr werden können. Bis zum Stichtag am Montag hatten sich 14 Interessenten im Rathaus gemeldet. Zwei zogen zurück, die anderen hatten offenbar die erforderlichen Unterstützungsunterschriften (vorgeschrieben für Bewerber aus nicht im Rat vertretenen Parteien sind 250) nicht zusammenbekommen. Übrig geblieben sind neun, von denen man sich erfahrungsgemäß nicht alle Namen wird merken müssen.
Traditionell kann man die Bewerbungen in drei Gruppen einteilen. Da sind zunächst die mit echten Chancen auf den Sieg oder zumindest die Qualifikation für die Stichwahl (im ersten Wahlgang müsste man die absolute Mehrheit der Stimmen holen, was in Oldenburg in dreißig Jahren noch nicht vorgekommen ist). Da fand sich bislang stets ein grün-rot-schwarzes Trio (Reihenfolge nach der Ratsfraktionsstärke), aus dem jeweils der Sieger kam.
Das ist erstmals auf ein Duo geschrumpft, weil die CDU (deren Kandidat es bei der Vorwahl von 2021 nicht mal in die Stichwahl geschafft hatte) diesmal auf eine eigene Kandidatur verzichtet und stattdessen den parteilosen Grünen-Kandidaten unterstützt. Das ist der gebürtige Oldenburger Jascha Rohr, ein 50 Jahre alter Unternehmer mit breitgefächertem Studium und buntem Lebenslauf, der aktuell als Geschäftsführer eines auf die Organisation von Beteiligungsprozessen spezialisierten Beratungsunternehmens mit Standorten in Oldenburg und Berlin fungiert. Rohr trifft auf Ulf Prange, der schon mal als SPD-Vorsitzender auf Krogmann gefolgt ist – ein Amt, das er nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der SPD-Ratsfraktion wieder abgab. Der 50 Jahre alte Jurist sitzt (mit dreieinhalbjähriger Unterbrechung) seit 2006 im Rat der Stadt und seit 2013 im Landtag, als dreimal in Folge direkt gewählter Abgeordneter für den Stadtsüden.
Die zweite Gruppe bilden diejenigen, deren Partei oder Gruppe gleichzeitig bei der Ratswahl antritt. Für sie geht es allein darum, Flagge zu zeigen. Sie nutzen die diversen Podiumsrunden vor allem zur Selbstdarstellung. Da steht dann bei der Befragung eben nicht nur eine Person im Mittelpunkt, sondern immer auch die Partei, für die jemand kandidiert. Hierzu zählt bei dieser Wahl Freidemokrat Sebastian Fröhlich, ein 46-jähriger Unternehmer, der (jeweils erfolglos) für die FDP 2011 zum Rat und 2013 für den Landtag kandidiert hat. Neben ihm Heike Boldt, eine 44 Jahre alte Gewerkschafterin, die für die Linke antritt. An ihr zeigt sich eine Feinheit des Wahlrechts. Obwohl die Linke aktuell nicht im Rat vertreten ist, brauchte sie keine Unterschriften – weil sie 2021 als Linke in den Rat gewählt worden war und ihre Mitglieder erst dort später zum BSW wechselten. Das BSW wiederum hätte (obwohl Fraktion) aus diesem Grund Unterschriften benötigt, hat aber auf eine Kandidatur verzichtet.
Mit einigem Wohlwollen kann man zu dieser Gruppe noch Holger Martin Wilkens zählen. Der 63 Jahre alte Betriebswirt kandidiert für das „Bürger Bündnis Oldenburg“, eine Gruppierung um den Ratsherrn Andreas Sander, die der in der auslaufenden Periode gemeinsam mit einer SPD-Renegatin gebildet hat. Das Bündnis will in allen sechs Bereichen der Stadt zur Ratswahl antreten und wird die Kandidatur zur Werbung nutzen. Dass ein solcher Plan funktionieren kann, hat nicht zuletzt Sander selbst bewiesen. Der trat 2021 als Einzelbewerber zur OB-Wahl an, erreichte dabei zwar nicht mal fünf Prozent, steigerte aber seinen Bekanntheitsgrad so, dass er sich das einzige Ratsmandat der Piraten sicherte.
Und dann gibt es wie bei jeder dieser Wahlen Bewerber(innen), bei denen man nicht so recht weiß, was sie zur (nach allen bisherigen Erfahrungen aus 30 Jahren aussichtslosen) Kandidatur treibt. Da ist Michael Stille, der schon bei der 21er Wahl antrat und gerade mal so die Wahrnehmungsschwelle berührte. Oder Byanca Küßner, eine parteilose Lehrerin. Und Ralph Butzin, Vorstand der Bremer Wohnungshilfe, der eigentlich für und mit seiner Wählergemeinschaft „Echt Oldenburg“ antreten wollte, derzeit aber als Einzelbewerber geführt wird. Allerdings läuft die Frist für die Anmeldung zur Ratswahl noch bis zum 20. Juli. Kann also noch was kommen. Eine gewisse Sonderrolle spielt Yakup Castur mit seiner Kandidatur für die DAVA Niedersachsen. Das Kürzel bedeutet „Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch“; eine vor gut zwei Jahren gegründete Partei, die nach eigenen Angaben die Interessen von Menschen mit ausländischen Wurzeln vertreten will.
Bei der ersten Runde am 13. September heißt es „Zwei aus Neun“. Die beiden Stimmstärksten sehen sich 14 Tage später in der Stichwahl wieder. Man braucht keine prophetischen Gaben für die Vorhersage: Dann gilt Grün-Schwarz gegen Rot. Und das könnte diesmal sehr wohl spannend werden.





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