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„Es gibt immer einen Weg“

Monique Rockel hat eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten begonnen und bereitet gerade ein EKG vor.

Monique Rockel hat eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten begonnen und bereitet gerade ein EKG vor.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – Monique Rockel strahlt. „Mir geht es wieder gut, und ich genieße mein Leben“, sagt die 18-Jährige, deren Geschichte durch viele Medien ging. Die Brakerin erhielt Anfang des Jahres Stammzellen, die ihr das Leben gerettet haben.

Obwohl sie wegen ihres 2007 diagnostizierten Blutkrebses wochenlang in Krankenhäusern gelegen hat, hat Monique im August ihre Ausbildung als Medizinische Fachangestellte im Klinikum Oldenburg begonnen. „Ich habe viele Krankenschwestern und –pfleger sowie Ärzte kennengelernt und bin sehr angetan von ihrer Arbeit. Sie haben mir unglaublich geholfen. Genau das will ich künftig auch tun, kranken Menschen beistehen, damit sie es schaffen, wieder auf die Beine zu kommen“, sagt sie und hält sich für ein gutes Beispiel. „Ich kann den Patienten meine Geschichte erzählen und sie ermuntern, unbedingt zu kämpfen.“

Moniques Leben hing am seidenen Faden. „Ich hatte Phasen, da habe ich nicht mehr klar denken können, hatte Höllenschmerzen und wollte dennoch leben“, erzählt sie. „Wer so ein Umfeld hat wie ich, der kann gar nicht anders“, fügt sie hinzu. Sie berichtet von ihren Eltern, die um sie gebangt und gekämpft haben. „Ich musste allein ihretwegen durchhalten“, sagt sie und ist froh über deren unermüdliche Unterstützung. Auch ihrer älteren Schwester, den Verwandten, Freunden, Nachbarn und eben den vielen unbekannten Menschen, die sich ihretwegen typisieren ließen, ist sie unendlich dankbar. „Sie alle haben mich getragen, und nur ich weiß, was das bedeutet“, sagt sie. Jetzt möchte sie unbedingt noch ihren Stammzellenspender kennenlernen. Das geht aber erst zwei Jahre nach dem Eingriff. „Ich weiß nichts von dieser Person, aber ihr habe ich mein Leben zu verdanken. Deshalb will ich sie kennenlernen und mich bedanken und hoffentlich Freundschaft schließen.“

2007 wurde bei Monique Leukämie festgestellt. Es folgte ein Jahr Dauertherapie. Drei Jahre hatte sie Ruhe. 2011 ging es ihr wieder schlecht, es folgten zwei Jahre Dauertherapie, die extrem anstrengend war. Irgendwann war klar, sie braucht Stammzellen. Daraufhin ließen sich in einer eigens von ihrer Familie für sie gestarteten Aktion in Brake viele Menschen typisieren. Am 11. März dieses Jahres kam die erlösende Nachricht, dass ein Spender, der hundertprozentig zu ihr passt, gefunden worden ist.

„Ich lag zu der Zeit in der Uni-Klinik Hannover, war psychisch am Ende, nicht mehr ich, habe Bestrahlung und Medikamente bekommen und dann diese Nachricht. Es war ein sehr bewegender Moment“, erinnert sie sich. Nach sechs Wochen ging es ihr spürbar besser. Sie schmiedete Pläne, wollte Führerschein machen, wieder gut aussehen, mit ihren Freunden unterwegs sein, normal leben und vor allem ihre Ausbildung beginnen. Das hat alles geklappt.

Monique hat trotz dieser schweren Zeit ihre Schule geschafft und sich 2013 im Klinikum beworben. Just als sie dort krank lag, bekam sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch von Frederike Henning-Seige, Ausbildungsbeauftragte für Medizinische Fachangestellte im Klinikum Oldenburg. „Moniques Vater rief mich daraufhin an und fragte, ob das Bewerbungsgespräch am Bett seiner Tochter stattfinden kann“, erzählt sie. Solch eine Situation kannte sie bislang nicht. Dennoch machte sie sich mit zwei Kollegen in die Onkologie auf, um mit Monique das Gespräch zu führen. „Wir hatten Gänsehaut, aber Monique hat uns sofort überzeugt. Sie wusste, was sie wollte und warum, war hochmotiviert und sehr kommunikativ“, erinnert sich Frederike Henning-Seige. Als Monique die Zusage erhielt, gab es Freudentränen auch auf der Station. „Weil wir ein großes Haus sind, können wir das leisten und wir empfinden auch eine soziale Verpflichtung“, sagt die Ausbildungsbeauftragte, die von Monique angetan ist.

Weil die 18-Jährige stärker Infekt gefährdet ist, arbeitet sie derzeit beim Betriebsarzt. Je stabiler ihr Gesundheitszustand wird, lernt sie nach und nach andere Stationen kennen und wird vermutlich am Ende ihrer Ausbildung auf ihrer Wunschstation Onkologie tätig sein. „Wer kann die Patienten dort besser verstehen als ich“, sagt sie selbstbewusst und verspürt schon jetzt den Drang, ihnen allen Mut zu machen, durchzuhalten, zu kämpfen. „Es gibt immer einen Weg“, ist sie überzeugt und macht sich gut gelaunt an die Arbeit.

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