Oldenburg

Kommentar: Jeder stirbt für sich allein

Das offiziell verkündete Aus für Grün/Rot im Rat ist nicht die politische Bombe, als die es vielleicht mancherorts empfunden wird.

Gemeinsame Abstimmung bei der konstituierenden Ratssitzung. 2021 war noch alles in Butter.
Foto: Archiv / Anja Michaeli

(Michael Exner) Das offiziell verkündete Aus für Grün/Rot im Rat ist nicht die politische Bombe, als die es vielleicht mancherorts empfunden wird. Derlei Aufführungen kennt man vom Ausklingen diverser Ratsperioden seit den Neunzigern. Da zerbrachen Bündnisse, kippten Mehrheiten, wechselten Leute kurz vor Toresschluss noch eben schnell die Front. Das ist für Oldenburg fast schon politischer Alltag.

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Für den Zustand des grün-roten Bündnisses in der jüngeren Vergangenheit kennt das Englische einen schönen Spruch: „The bear was long dead, before he got ill.“ Zu weit hatten sich die mittlerweile Möchtenichtgern-Partner im Streit über Großprojekte der künftigen Stadtentwicklung voneinander entfernt: von der Fliegerhorst-Straße bis zum Stadion-Neubau. Dass die Grünen aus dem Bündnis heraus hinter dem Rücken der Sozialdemokraten Fäden zur Union über ein Zusammengehen bei der Oberbürgermeisterwahl gesponnen (und letztlich einen politisch wenig erfahrenen CDU-Vorstand hübsch über den Tisch gezogen) hatten, sah die SPD als Vertrauensbruch – zu Recht; während die Grünen das als gelungenen Coup feierten – gleichfalls zu Recht. Eigentlich war es da schon aus mit der Ehe. Der letzte (und letztlich gescheiterte) Erpressungsversuch der Grünen mit dem Junktim zwischen Haushaltsbeschluss und Bürgerbefragung zur Stadionfinanzierung war nur noch das offizielle Scheidungspapier.

Man sollte das alles nicht ideologisch überhöhen. Weder den grün-roten Bruch, noch den rot-schwarz-gelben Haushalt, der quasi über Nacht zustande gekommen ist (für eine Sturzgeburt aber überraschend solide aussieht). Da stecken alle mit Blick auf den Doppel-Entscheid im September zu OB und Rat ihre Claims ab und suchen die beste Startposition. In Wahljahren gilt noch immer das alte Motto: Jeder stirbt für sich allein.

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