Acht OB-Kandidierende in der VHS

Acht der neun Kandidat/innen bei „Oldenburg fragt nach“ in der VHS.
Foto: Finn Gohra
Bei einer Podiumsdiskussion in der VHS Oldenburg haben sich acht der neun Kandidierenden für die Oberbürgermeisterwahl den Fragen des Publikums gestellt. Im Mittelpunkt standen Finanzen, Klimaschutz, Mobilität, Bürgerbeteiligung und soziale Themen.
Im LzO Forum der VHS Oldenburg diskutierten am Mittwoch, 26. August 2026, acht Bewerber/innen um das Amt des Oberbürgermeisters beziehungsweise der Oberbürgermeisterin. Neun Menschen treten bei der Wahl am 13. September an – so viele wie nie zuvor in Oldenburg. Heike Boldt von der Linken hatte ihre Teilnahme abgesagt und sich entschuldigen lassen. Moderatorin Inge von Danckelman führte durch die rund zweistündige Veranstaltung mit Fragen aus dem Publikum und einer zuvor durchgeführten Demokratiewerkstatt. Der Abend sollte Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kandidierenden vor der Wahl sichtbar machen.
Anwesend waren Jascha Rohr, unterstützt von Grünen und CDU, Ulf Prange von der SPD, Sebastian Fröhlich von der FDP, Holger Martin Wilkens vom Bürger Bündnis Oldenburg, Ralph Butzin von der Wählergemeinschaft „Echt Oldenburg“, Yakup Castur von der DAVA Niedersachsen sowie die parteilosen Byanca Küßner und Michael Stille. Erreicht im ersten Wahlgang niemand die erforderliche Mehrheit, ist für den 27. September eine Stichwahl vorgesehen.
Unterschiedliche Einschätzungen zur Entwicklung der Stadt
In einer ersten Runde sollten die Kandidierenden Themen nennen, die sie im Amt prioritär angehen würden. Anschließend wurden sie gefragt, ob Oldenburg aus ihrer Sicht insgesamt auf einem guten Weg sei. Sechs Bewerber/innen beantworteten diese Frage mit Ja. Ralph Butzin und Holger Martin Wilkens äußerten dagegen Zweifel.
Ihre Kritik bezog sich vor allem auf die finanziellen Belastungen durch bereits getätigte und künftig geplante Investitionen. Als Beispiele nannten sie unter anderem das Schwimmbad am Flötenteich und den geplanten Stadionneubau.
Für Wilkens steht fest, dass die Stadt zunächst ihre „Hausaufgaben“ machen müsse. In den vergangenen Jahren habe sie sich zu stark verschuldet. Künftig müssten die finanziellen Mittel stärker in Bereiche wie Schulen, Familien und Kinder fließen. Ralph Butzin bewertete die finanzielle Situation ähnlich. Die übrigen Kandidierenden hielten dagegen, das Fundament der Stadt sei tragfähig und biete eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung.
Klimaneutralität bis 2035
Weniger einheitlich waren die Positionen bei der vom Rat beschlossenen Klimaneutralität bis 2035. Die Kandidierenden sollten Stellung dazu beziehen, ob die Stadt an diesem Ziel auch dann festhalten solle, wenn dafür unpopuläre Entscheidungen notwendig seien.
Ulf Prange und Jascha Rohr sprachen sich klar dafür aus. Die Entwicklung zeige, dass sich die Stadt dem Thema Klimaschutz nicht länger entziehen könne, sagte Prange. Wer die Ziele immer weiter verschiebe, riskiere, dass zunächst gar nichts geschehe. Das könne sich Oldenburg nicht leisten.
Auch Michael Stille betonte die Bedeutung des Themas. Schottergärten wolle er nach eigenen Worten bereits am ersten Tag seiner Amtszeit beseitigen. Klima- und Umweltfragen prägten seine Wortbeiträge während des Abends. Gegen 20.15 Uhr verließ Stille die Gesprächsrunde. Kurz zuvor hatte er sich zu einer Publikumsfrage äußern wollen, die nicht an ihn gerichtet war. Die Moderation ließ seine Wortmeldung nicht zu.
Bürgerbeteiligung und soziale Fragen
Die Fragen aus dem Publikum waren teilweise spontan gestellt worden. Andere stammten aus der zuvor durchgeführten Demokratiewerkstatt. Sie zeigten, wie breit die Themen im Oldenburger Wahlkampf gefächert sind. Ein einzelnes dominierendes Wahlkampfthema wurde an diesem Abend nicht sichtbar.
Zur Sprache kamen unter anderem der Schutz wohnungsloser Frauen, Maßnahmen gegen Gewalt, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen am politischen Prozess sowie die Frage, wie Bürger/innen bei wichtigen und kostenintensiven Entscheidungen stärker einbezogen werden können.
Ralph Butzin stellte infrage, ob die Oldenburger Bevölkerung in den vergangenen Jahren tatsächlich ausreichend beteiligt worden sei oder ob ihr Beteiligung lediglich zugesichert wurde. Beim Kontakt zwischen Verwaltung und Bürgerschaft gebe es aus seiner Sicht noch deutlichen Verbesserungsbedarf.
Demokratisches Miteinander
Eine weitere Publikumsfrage beschäftigte sich mit demokratiefeindlichen Tendenzen, interkultureller Zusammenarbeit und Toleranz. Oldenburg befinde sich zwar in einer vergleichsweise offenen und friedlichen Situation. Damit dies so bleibe, müsse die Stadtgesellschaft jedoch aktiv daran arbeiten.
Alle anwesenden Kandidierenden betonten die Bedeutung eines demokratischen Miteinanders. Für Yakup Castur von der DAVA Niedersachsen, der Demokratischen Allianz für Vielfalt und Aufbruch, war dieses Thema nach eigenen Angaben ein wesentlicher Grund für seine Kandidatur.
„Das ist ein Herzensthema. Ich bin seit 1970 in Oldenburg und sehe die Gefahren, die auf uns zukommen. Wir können nicht so weitermachen wie bisher, sondern müssen uns besser kennenlernen. Frieden gibt es nur Hand in Hand“, sagte Castur.
Klima und Mobilität als Schwerpunktthema
Besonders häufig ging es bei den Publikumsfragen um Klima und Mobilität. Der 2023 beschlossene Mobilitätsplan sieht unter anderem eine nachhaltigere Gestaltung des Verkehrs sowie eine Stärkung des Radverkehrs und des öffentlichen Personennahverkehrs vor.
Jascha Rohr sprach sich dafür aus, den Ausbau von Fahrradstraßen und Radwegen stärker zu priorisieren. Anschließend müsse der öffentliche Nahverkehr weiterentwickelt werden. Außerdem plädierte er für Elektromobilität und ein durchdachtes Park-and-Ride-System.
Sebastian Fröhlich von der FDP setzte dagegen auf weniger Vorgaben. Die Menschen würden ihr Verhalten ändern, wenn sie den Nutzen einer Maßnahme erkannten, sagte er. Es sei unrealistisch, Autos vollständig aus der Innenstadt verbannen zu wollen. Durch Akzeptanz lasse sich mehr erreichen als durch Vorschriften.
Bildung und Ausbildung
Ein weiterer Themenblock war Bildung und Ausbildung. Byanca Küßner, die als Lehrerin arbeitet, setzte dabei einen Schwerpunkt auf eine bessere Vernetzung. Besonders für kleine Unternehmen sei es weiterhin schwierig, geeignete Auszubildende zu finden.
Gleichzeitig hätten Jugendliche mit Migrationshintergrund nach wie vor Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Notwendig sei deshalb ein offener und flexibler Umgang mit Menschen, die in den Arbeitsmarkt eintreten wollten und sollten, sagte Küßner.
Unterschiedliche Wege zu ähnlichen Zielen
Die Diskussion zeigte, dass sich viele Kandidierende bei den grundlegenden Zielen einig sind. Mehr Transparenz, eine stärkere Bürgerbeteiligung, ein gutes Miteinander sowie Fortschritte beim Klima- und Umweltschutz gehörten zu den wiederkehrenden Themen des Abends.
Unterschiede zeigten sich vor allem bei der Bewertung städtischer Investitionen, bei der Verkehrspolitik und bei der Frage, wie verbindlich klimapolitische Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Die gewählte Person übernimmt das Amt für acht Jahre.
NiedersachsenEinbruch in Oyten und mehrere Unfälle im Landkreis Verden
NachrichtenLinke legt Rechtsgutachten für bundesweiten Mietendeckel vor
NachrichtenCSU-Landesgruppenchef: Härtefallregelung bei Rente mit 63 nötig
NachrichtenWarken: Linnemanns Pflege-Vorstoß hat Berechtigung
NachrichtenNach Sturzflut in Nepal: Mindestens acht Deutsche vermisst
Niedersachsen61-Jähriger stirbt bei Arbeiten mit Radlader in Holle
