Innenstadt

Kommentar: Fußgängerzone bewahren

Die Oldenburger Fußgängerzone soll erhalten bleiben. Wegen der Luftverschmutzung muss gehandelt werden.

Die Oldenburger Fußgängerzone möchte niemand missen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

50 Jahre besteht Oldenburgs Fußgängerzone im August und wohl niemand möchte sie missen. Was einst für heftige Auseinandersetzungen gesorgt und vor allem den Kaufleuten schlaflose Nächte bereitet hat, hat sich längst als kluge Entscheidung entpuppt. Oldenburgs Fußgängerzone ist zum Einkaufsmagnet geworden, zum Anziehungspunkt für viele Menschen aus dem Oldenburger Land und darüber hinaus. Sie punktet bundesweit mit ihrer Überschaubarkeit, dem breiten Angebot, ihrem speziellen Charme. Egal, von welcher Seite man kommt, überall gibt es Parkmöglichkeiten, so dass die Wege für auswärtige Gäste kurz sind.

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Die Idee, eine Fußgängerzone einzurichten, hatte einen handfesten Hintergrund. Die Innenstadt stand damals kurz vor dem Verkehrskollaps. Der damalige Stadtrat hat nicht nur Mut bewiesen, die Entscheidung für die Fußgängerzone war vor allem zukunftsweisend und hat nichts an ihrer Wirkung verloren. Oldenburgs Fußgängerzone ist vital, und bis heute existiert ansprechender lokaler Einzelhandel, um den uns viele andere Städte beneiden. Dennoch müssen Stadt und Geschäftsleute stets auf der Hut sein, denn nichts bleibt wie es ist.

Das erlebte die Kaufmannschaft zuletzt mit dem Bau der Schlosshöfe. Das gewaltige Bauvorhaben sorgte für allerhand Unruhe. Zum Vorteil für die Innenstadtbesucher, denn manch ein Geschäftsmann nahm endlich Geld in die Hand und möbelte sein Geschäft auf. Es wurde sogar in der Haarenstraße auf eigene Kosten neu gepflastert und der Einsatz belohnt. Einstige Leerstände gehören seither der Vergangenheit an.

Dennoch ist nicht alles perfekt in Oldenburgs Fußgängerzone. Für jeden deutlich sichtbar ist die Misere in der Heiligengeiststraße. Sie hatte stets einen schwereren Stand, weil sie durch den Heiligengeistwall von der zusammenhängenden Fußgängerzone getrennt ist. Immer mal wieder wurde über Lösungen nachgedacht, sie besser anzubinden. Doch alle Ideen wurden verworfen. Fakt ist, die Straße war nie wirklich Fußgängerzone. Hier können die Fußgänger eben nicht laufen wo sie wollen, weil in der Mitte der Straße der Radweg verläuft. Aber genau das ist schädlich für eine Fußgängerzone. Stadtbummler möchten nicht von Fahrradfahrern gestört werden, was allerdings auch in der zusammenhängenden Fußgängerzone immer häufiger der Fall ist und schleunigst abgestellt werden sollte.

Die Heiligengeiststraße selbst wirkt wenig einladend. Der Weggang beziehungsweise Umzug und die Schließung von Geschäften erschwert die Lage zusätzlich. Hinzu kommt ein leerstehendes Finanzamt, das irgendwann aufgrund von Asbestvorkommen mühevoll abgetragen werden muss, was viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Was aus dem Areal wird, ist noch unklar. Hier muss die Stadtverwaltung am Ball bleiben und all ihren Einfluss beim niedersächsischen Finanzminister geltend machen. Denn was dort nicht hingehört, ist eine neue Behörde. Fest steht also, dass die Heiligengeiststraße abgehängt und klare Verliererin ist und dringend Unterstützung braucht im Interesse der restlichen Fußgängerzone.

Gefährlich könnte zudem der fortschreitende Online-Handel werden. Je mehr wir am häuslichen PC Waren ordern, umso bedrohlicher wird das für die Fußgängerzone. Nimmt das Überhand, werden die ersten Geschäfte schließen, weil der Umsatz nicht mehr stimmt. Wer also die schöne Fußgängerzone weiterhin mit all ihren Vorzügen genießen will, der sollte sich gut überlegen, wo er seine Waren künftig kauft.

Und die Kaufmannschaft sollte sich bei bestimmten Aktivitäten solidarischer zeigen. Am Beispiel der Weihnachtsbeleuchtung lässt sich das gut darstellen. Attraktive Weihnachtsbeleuchtung wird von der Kundschaft erwartet. Sie sollte flächendeckend vorhanden sein. Schließlich sorgt sie für weihnachtliche Stimmung und somit auch für Kauflust. Wer seiner Straße zu Weihnachten dann noch ein I-Tüpfelchen verpassen möchte, kann das tun. Aber auf Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten, ist für eine Fußgängerzone wie in Oldenburg schädlich.

Und nicht zuletzt sollten sich die Kaufleute Gedanken über die Schadstoffbelastung rund um die Fußgängerzone machen. Sie schwebt wie ein Damoklesschwert über ihr. Es nützt nichts, über die EU-Verordnungen oder die Messstelle am Heiligengeistwall zu schimpfen. Das ändert nichts an der Wahrheit, dass die Luft an bestimmten Stellen in der Innenstadt gesundheitsgefährdend ist. Drohende Fahrverbote sind also durchaus realistisch.

Wie vor 50 Jahren ist es der Verkehr, der die Innenstadt bedroht. Hier helfen nur kluge Ideen und intelligente Konzepte, die rechtzeitig entwickelt werden müssen, sowie ein Dialog mit allen Beteiligten, der zielorientiert und eben nicht ideologisch geführt wird, damit wir auch noch in zehn, 20 oder 30 Jahren auf Oldenburgs schöne Fußgängerzone anstoßen können.

Ein Kommentar von Katrin Zempel-Bley.

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6 Kommentare

  1. W. Lorenzen-Pranger
    8. Mai 2017 um 16.34

    Im Gegensatz zu Frau Katrin Zempel-Bley sehe ich in dem überall wachsenden Fahrradverkehr gerade eine positive Entwicklung für die Innenstadt. Natürlich soll in der „reinen“ Fußgängerzone nicht gefahren werden, aber, wenn alle Verkehrsteilnehmer, also Radler und Fußgänger, wie in der Heiligengeiststraße Rücksicht aufeinander nehmen, sollte das eigentlich kein Problem sein. Rücksichtslosigkeit findet da, nach meiner Erfahrung, schon eher von Unbelehraberen in den anderen Teilen der Innenstadt statt. Wer zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Fußgängerstraßen ballert, der hats eben bisher nicht begriffen. Da und am Lappan sollte die Polizei allerdings viel präsenter sein – und nicht nur wegen der Radfahrer.
    Ich bleibe dabei: Schulungen für Radler nicht nur in den Schulen für die Kinder, Schulungen auch immer wieder für Erwachsene. Für die ist es oft noch viel notwendiger!

  2. R. Schneder
    8. Mai 2017 um 18.07

    ..Ja, die Innenstadt hat was.. ! und sollte lebendig bleiben.
    Luftverschmutzung ist allesding nach wie vor eine grosses Thema.
    WAs da weggequalmt wird, ..dürfte manches Raucherherz zwar erfreuen.. (
    denn es erspart ihm erheblichen Kosten).., doch ..für die anderen 80% ,,inkll. Kinder usw.
    ist das für die meisten vermutlich eher abschreckend.
    ..Naja, wird sich wohl nichts dran ändern. ( Die armen Raucher….)

  3. Markus
    8. Mai 2017 um 23.58

    Der Onlinehandel bedroht die Innenstadt? Jein. Klamotten kaufe ich da, wo ich sie anprobieren kann. Meinen Tee und auch andere Lebens- und Genussmittel kaufe ich ebenfalls lokal. Bücher? Die Katastrophen, die ich mit den Buchhändlern hier bisher erlebt habe sind Legion. Wenn mir Bücher als „vergriffen“ verweigert werden, die Thalia und Amazon problemlos und schnell liefern, dann stimmt da was nicht. Schallplatten und CDs? Klar, gebraucht bei Scheibenkleister, aber Neuware? JPC war eine mittelschwere Katastrophe und ist verdient eingegangen. Unterhaltungselektronik? Über die beiden dicken Elektromärkte bette ich mal lieber den Mantel des Schweigens. Ganze zwei ernstzunehmende Händler gibt es Oldenburg, beide nicht in der Fussgängerzone. Kurz: immer öfter kann ich gar nicht anders, als online zu bestellen.
    Schön, dass durch den Bau des ECE endlich etwas mehr Platz ist und die Eigentümer notgedrungen mal etwas Geld in ihre alten Bruchbuden gesteckt haben. Wenn man sich einige etwas merkwürdig geschnittene Läden mal genauer anguckt, dann merkt man, dass die teilweise durch zwei oder gar drei Gebäude laufen – mit den entsprechenden Niveauunterschieden und – sehr nett – Undichtigkeiten. Da wurde teils jahrzehntelang nur das Allernötigste gemacht, aber die Miete regelmässig bis ans maximal mögliche erhöht. Viele Läden können und konnten das nicht mehr erwirtschaften. Die Folge sind jede Menge Filialen der Klamottenketten, Handyshops und Fastfoodbunker.
    Zum Thema Abgase und Feinstaub: Oldenburg hat P&R-Parkplätze. Diese zu reaktivieren und das Parkticket gleichzeitig als Busfahrkarte gelten zu lassen sollte möglich sein. Dieser wir-cruisen-stundenlang-auf Parkplatzsuche-um-die-City-Wahnsinn muss gestopt werden, hier ist auch ein Umdenken der Autofahrer erforderlich. Man muss nicht mit dem SUV bis direkt an die Ladentheke fahren!

  4. Wolf
    9. Mai 2017 um 10.56

    Oldenburg hatte ein funktionierendes P&R System, welches mit fadenscheiniger Begründung wieder abgeschafft wurde. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Innenstadt im Verkehr erstickt. Da sollte man als erstes ansetzen. Und dann sollte man vielleicht auch darüber nachdenken, ob es nicht vielleicht besser wäre die Preise im ÖPNV nicht ständig zu erhöhen.

  5. Manfred Murdfield
    9. Mai 2017 um 18.15

    Der Kommentar kommt mir, mit Verlaub, etwas vor wie das Pfeifen im Wald. Ein goldiger Mutmacher für die Zugereisten und die Touristen des Umlands, und ist denn nicht bald schon wieder Weihnachten? Sicherlich gehören die Probleme strukturiert und ein darauf aufbauendes Konzept wäre wünschenswert, aber leider steht (bisher) doch schon vorher fest, wer unterm Strich „Recht“ zu haben hat. Angesichts der doch immer wiederkehrenden Kritik sollten sich bestimmte Leute mal fragen, ob mit den derzeitigen Zielen und Strategien nicht doch zu kurz gesprungen wird.

  6. Manfred Murdfield
    11. Mai 2017 um 13.37

    Fläche Finanzamt: ich mach mal einen Vorschlag: da ich auch einige Jahre in Hannover gewohnt habe, wer kennt dort dann nicht die Markthalle, eine besondere Attraktion, finde ich. Oldenburg hatte früher ja auch mal eine Markthalle, und es ist ja auch mal der Vorschlage gemacht worden, am Waffenplatz (steht jetzt was anderes), oder im Bereich der Bauwerkhalle. Auf der Finanzamtsfläche könnte doch am Ende der Heiligengeiststrasse und in Nähe des Pferdemarktes auch eine Markthalle gut hinpassen, in Verbindung mit anderen Nutzungen (wobei Wohnen an der Bahn wohl eher weniger). Es gibt bestimmt Möglichkeiten (in Verbindung mit Gastronomie u.ä.), so dass eine lebhafte Ergänzung, und keine Konkurrenz zum Pferdemarkt entsteht.