Oldenburg

„Inklusion beginnt im Kopf“

Dagmar Sachse und Inge Voigtländer stellten die neue Leiterin der Fachstelle Inklusion, Susanne Jungkunz, vor.

Dagmar Sachse (links) und Inge Voigtländer (rechts) stellten die neue Leiterin der Fachstelle Inklusion, Susanne Jungkunz, vor.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Oldenburg ist bundesweit nicht nur die erste Stadt, die Partnerkommune im Projekt „Inklusion vor Ort“ der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft wird, sie hat neuerdings mit der Pädagogin Susanne Jungkunz auch eine Leiterin der Fachstelle Inklusion, was in den Kommunen keinesfalls Standard ist.

Anzeige

LzO Beratung

„Die Aufgabe der 46-Jährigen ist es, den vor einem Jahr gefassten Ratsbeschluss, dass Oldenburg eine inklusive Stadt werden soll, umzusetzen. Dabei wird von der Vision einer inklusiven Stadtgesellschaft ausgegangen, die alle Menschen willkommen heißt und niemanden ausgrenzt“, klärt Dagmar Sachse, Sozialdezernentin der Stadt Oldenburg, auf. Dabei werde der Inklusionsbegriff viel zu sehr auf den Bildungsbereich und auf Menschen mit Behinderungen reduziert, gibt sie zu bedenken. „Es geht deshalb genauso um Arme, Alte, Menschen mit Migrationshintergrund. Es geht gegen jede Form von Diskriminierung“, stellt Susanne Jungkunz klar und verweist auf Vereinten Nationen, die Inklusion als Menschenrecht betrachten, das für alle Menschen und Lebensbereiche gilt.

Inklusion beginne mit einer Haltung des Respekts und der Wertschätzung gegenüber allen Menschen in ihrer Verschiedenheit, also unabhängig von persönlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten, unabhängig vom Alter, von Behinderung, von Herkunft und sozialem Status, vom Geschlecht oder der sexuellen Identität, sagt Susanne Jungkunz. „Jede und jeder ist willkommen und ein Zugewinn für die Gemeinschaft. Inklusion beginnt also im Kopf.“

Doch diese Geisteshaltung ist längst nicht bei allen verinnerlicht. Wobei die Pädagogin davon überzeugt ist, dass oftmals Unüberlegtheit und Unerfahrenheit der Grund ist. „Doch wenn wir das Thema jetzt in der Verwaltung und unserer Stadt thematisieren, werden ganz neue Gedankenprozesse ins Rollen kommen und somit ein Bewusstseinswandel angestoßen“, ist sie überzeugt.

Konkret soll Susanne Jungkunz, die zuvor beim Deutschen Roten Kreuz in Kiel im Bildungsbereich und seit 2001 als leitende Mitarbeiterin beim Diakonischen Werk Oldenburger Land tätig war, einen kommunalen Aktionsplan erarbeiten, der alle gesellschaftlichen Bereiche umfasst. „Dabei wird Inklusion als Querschnittaufgabe des kommunalen Handelns begriffen“, informiert Inge Voigtländer, Leiterin des Sozialamts Oldenburg. Auch sollen alle Entscheidungen von Rat und Verwaltung zukünftig zugunsten einer inklusiven Ausgestaltung der kommunalen Strukturen und Angebote gefällt werden. Dazu sind gemeinsam erarbeitete Kriterien erforderlich, die in den nächsten zwei Jahren von ihr entwickelt werden.

Seit Inklusion in der Huntestadt verbrieft ist, endet auch jegliche Form von Bittstellerei bestimmter Gruppierungen. Ab sofort haben sie ein Anrecht darauf, mit ihren Bedürfnissen berücksichtigt zu werden. Dennoch gibt Susanne Jungkunz zu bedenken, „dass Inklusion ein Anspruch ist, der sich nur erfüllen kann, wenn viele ihre Ideen, ihre Wünsche und Anregungen in den Nachhaltigkeitsprozess einbringen. Deshalb wird sie schon bald eine Ideenbörse starten, an der sich jeder Interessierte beteiligen kann. „Ich bin für jede Anregung dankbar“, sagt sie.

Vorheriger Artikel

Studierenden bereits vor 30 Jahren Bioessen aufgetischt

Nächster Artikel

Groningen: De Duitse Ambassade