Oldenburg

Jugendherberge: Wie früher – nur besser!

An der Rezeption werden die Gäste begrüßt, sie hat 24 Stunden geöffnet.

An der Rezeption werden die Gäste begrüßt, sie hat 24 Stunden geöffnet.
Alle Fotos: Anja Michaeli

Oldenburg (Dominik Laupichler) Wer die neue Jugendherberge in Oldenburg betritt, sieht es auf den ersten Blick: Hier brechen moderne Zeiten an. Der Empfang gleicht einer Hotelrezeption, der große Saal ähnelt einer Lounge mit Bistrocharakter und die Bühne verspricht unterhaltende Veranstaltungen. Der Hausleiter Markus Acquistapace ist stolz: „Wir zeigen, was Jugendherberge in Zukunft bedeutet“.

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In der vergangenen Woche hat die Jugendherberge Oldenburg an der Straßburger Straße 6 geöffnet. Auf fünf Etagen bietet das beeindruckende Haus in fußläufiger Nähe zum Hauptbahnhof 64 Einzel- bis Vierbettzimmer (davon drei barrierefrei) und fünf Tagungsräume für Seminargruppen, Familien, Einzelreisende und Schulklassen. Konzeptionell habe man sich in der Natur und der näheren Umgebung in und um Oldenburg umgeschaut, betont Acquistapace. Farben wie Heide-Lila und Wattenmeer-Grau prägen die vom Architekten Dr. Malte Selugga konzipierten Räumlichkeiten der Herberge. Kleine Zimmer mit klapprigen Betten und Gemeinschaftsduschen waren gestern, stattdessen: hohe Decken, geräumige, helle Zimmer mit Fernseher, eigene Badezimmer, Einzelbetten und eigens für die neue Jugendherberge entwickelten Stockbetten. Der moderne Eindruck wird durch Kugelschreibereimalereien auf den Tapeten verstärkt – auf jeder Etage ein anderes Motiv.

Das Leben der Jugendherberge spielt sich in erster Linie im Erdgeschoss ab. In der Lounge treffen Holzelemente auf Grünkohl-grüne Sitzmöbel. Sie soll als Treff- und Sammelpunkt für die Besucher dienen und einen Raum für Live-Musik, die „Komische Nacht Oldenburg“ und andere Auftritte bieten. Für die Verpflegung sorgt das an die Lounge angefügte „Schirrmann’s“-Restaurant. Die Einrichtungen in Amsterdam seien sehr innovativ, deshalb habe man sich dort viele Inspirationen geholt, erzählt Acquistapace. Dementsprechend gibt es Reis- und Nudelgerichte, Pizza, Pasta und Wok-Menüs, aber auch Schirrmanns Stullen. Hier können Hausgäste und externe Besucher das gastronomische Angebot mit Frühstück, Mittagstisch und Abendessen am Buffet – auch vegetarisch und vegan – genießen.

Die Jugendherberge ist ein Inklusionsbetrieb. Knapp die Hälfte der Mitarbeiter haben eine Beeinträchtigung. Ursprünglich waren nur zwölf Stellen für Menschen mit Handicap geplant, mittlerweile sind es jedoch 17 geworden. Insgesamt werden hier 40 Mitarbeiter tätig werden, zwei Ausbildungsstellen sind geplant.

Für Markus Acquistapace hat auch eine moderne Jugendherberge einen Pädagogik- und Bildungsanspruch. Deshalb will er zukünftig mit regionalen Partnern der örtlichen Kultur- und Sporteinrichtungen zusammenarbeiten. Die Gäste der Herberge sollen in der Stadt und der Region aktiv sein und „rausgeschickt“ werden. Dies gilt für Schulklassen, Familien und andere Besuchergruppen, die unter anderem mit einem „Adventszauber“ im kommenden Dezember unterhalten werden sollen und sich auf „Gute Nacht Geschichten“ vom Herbergsvater, eine Stadtführung und Grünkohl freuen dürfen. Die in vielen Jugendherbergen beliebten „Näh-Camps“ werden ebenfalls in Oldenburg veranstaltet. Ein Termin im November ist bereits restlos ausgebucht, 2020 folgen weitere vier Camps. Auch eine Silvesterparty mit dem eigenen Schirrmanns Bier und ein Neujahrsspaziergang sind geplant. Daran können auch Oldenburgerinnen und Oldenburger teilnehmen. „Jeder kann zu uns kommen“, betont Acquistapace. Er sieht seine Rolle trotz des offenen Hauscharakters ganz klassisch „Ich bin kein Manager eines Hotels, sondern Herbergsleiter!“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Mein erster Spruch hier war: Auf dem Flur wird nicht gerannt!“

Mit einer klassischen Jugendherberge und alten Schullandheimen hat das neue Haus in Oldenburg nur noch wenig zu tun. Und trotzdem – ein paar Dinge werden sich wohl nie ändern, denn, den Hagebuttentee, an den sich wohl jeder Jugendherbergsbesucher erinnern kann, gibt es immer noch. Der spezielle Schirrmanns Hagebuttentee wurde gemeinsam mit dem alteingesessenen Betrieb „Nölker & Nölker“ konzipiert. Bei den ersten Besuchern scheint das Konzept anzukommen. Die erste Schulklasse, die hier übernachtet hat, zog Fazit: Als „viel moderner“ und „… nicht so hässlich und ungemütlich wie andere Jugendherbergen“ bezeichneten die Schülerinnen und Schüler die Räumlichkeiten.

Die Bühne wird für regionale Künstler geöffnet.

Die Bühne wird für regionale Künstler geöffnet.

Neben den Einzelbetten können Stockbetten aufgeklappt werden. Herbergsleiter Markus Acquistapace zeigt, wie es geht.

Neben den Einzelbetten können Stockbetten aufgeklappt werden. Herbergsleiter Markus Acquistapace zeigt, wie es geht.

Die größten Zimmer der neuen Jugendherberge haben vier Betten.

Die größten Zimmer haben vier Betten.

Es gibt auch kleinere Räume, beispielsweise für die Lehrkräfte.

Es gibt auch kleinere Räume, beispielsweise für die Lehrkräfte.

Frühstück, Mittagessen und Abendessen werden am Buffet angeboten.

Frühstück, Mittagessen und Abendessen werden am Buffet angeboten.

Mehrere Tagungsräume stehen in der neuen Jugendherberge zur Verfügung. Hier probt die Streicherakademie.

Mehrere Tagungsräume stehen in der neuen Jugendherberge zur Verfügung. Hier probt die Streicherakademie.

Mehr Informationen gibt es unter oldenburg.jugendherberge.de.

Richard Schirrmann

Der Lehrer Richard Schirrmann musste 1909 mit seinen Schülern Schutz vor einem Gewitter suchen. Sie kamen in einer leerstehenden Dorfschule unter. Dort entwickelte er die Idee, jungen Menschen aller sozialen Schichten die Möglichkeit zu geben, ihr Land zu erwandern. Im Sommer 1914 wurde in der Burg Altena im Sauerland die erste Jugendherberge der Welt eingeweiht, Richard Schirrmann war der Herbergsvater. Er war auch der erste Vorsitzende des Deutschen Jugendherbergswerkes. Heute gibt es weltweit mehr als 4500 Jugendherbergen.

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