Oldenburg

Handwerkskammer: Ausbildung für Flüchtlinge

Die Handwerkskammer Oldenburg hat das bundesweit einmalige Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA) vorgestellt.

Die Handwerkskammer Oldenburg hat das bundesweit einmalige Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA) vorgestellt.
Foto: www.amh-online.de

Oldenburg (zb) Während andere noch reden, handelt das Handwerk bereits. „Wir möchten Flüchtlinge integrieren und ihnen eine berufliche Perspektive ermöglichen“, erklärt Manfred Kurmann, Präsident der Handwerkskammer Oldenburg (HWK), anlässlich der Vollversammlung. Konkret stellte er das bundesweit einmalige Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber (IHAFA) vor, das seit November läuft.

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Alle sechs Handwerkskammern in Niedersachsen nehmen an dem Projekt teil, das vom Land gefördert wird. Die HWK Oldenburg hat dafür zwei Mitarbeiter eingestellt, die die Flüchtlinge auf ihrem Weg in die betriebliche Ausbildung begleiten, sie interkulturell beraten und den Integrationsprozess aktiv begleiten.

Ziel ist es, zunächst Flüchtlinge zu finden, die an einer fundierten beruflichen Ausbildung interessiert sind. Sie sollen bis zum Ausbildungsjahr 2016/17 fit für die Lehre gemacht werden. Zuvor wird in drei Wochen deren Kompetenz in den Werkstätten der Kreishandwerkerschaften Vechta und Cloppenburg sowie dem kammereigenen Berufsbildungszentrum (BBZ) in Oldenburg festgestellt.

Danach gehen sie für fünf Wochen in ein Praktikum. Während dieser Zeit können die Flüchtlinge für einen Tag pro Woche für Theorie und berufsbezogenen Sprachunterricht wieder in die Bildungszentren gehen. Die erste Gruppe mit 15 Personen startet im Februar mit einem Maler-, Metall- und Tischlerkursus im BBZ. Insgesamt sollen 90 junge Menschen aus dem Iran, Irak, Syrien und Eritrea beschult werden. Der letzte Kurs startet im Juni 2016.

Kurmann appelliert an alle Handwerksunternehmen im Kammerbezirk, sich für die Integration der Flüchtlinge zu engagieren. „Wir brauchen dringend Praktikumsplätze und bei Eignung der Flüchtlinge Ausbildungsplätze.“ Tatsächlich konnten im Kammerbezirk 300 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, wie HWK-Bildungsreferent und Projektleiter Wolfgang Jöhnk berichtet. „Die Betriebe erhalten die rechtliche Sicherheit, dass Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel die Ausbildung in Deutschland zu Ende bringen dürfen“, erklärte Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der HWK.

„Wir haben in Gespräch mit Ausbildern und Betriebsinhabern erfahren, das Azubis aus Syrien oder dem Irak sehr wissbegierig sind und sich schnell zu guten Arbeitskräften entwickeln“, berichtete Kurmann. Derzeit werden im Kammerbezirk 14 Syrer und 30 Iraker ausgebildet. „Insgesamt benötigen wir bundesweit 600.000 Fachkräfte“, erklärte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), der die einzigartige Initiative der niedersächsischen Handwerkskammern begrüßte.

„Es wird höchste Zeit, dass wir vom Reaktions- in den Aktionsmodus umschalten“, erklärte er mit Blick auf die Flüchtlingsdebatte. „Im Handwerk klappt das. Hier liegt der Migrationsanteil bereits bei 25 Prozent bundesweit.“ Er sprach von einer großen Herausforderung, die aber zu bewerkstelligen sei. Allerdings stellte er klar, dass Flüchtlinge unsere Gesetze und Werte respektieren müssten. „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgaben, ihnen genau das zu vermitteln“, so Wollseifer.

„Wir sollten Flüchtlinge als Chance sehen“, meinte Kurmann abschließend. „Sie können dabei helfen, unseren Bedarf an Fachkräften zu decken.“ Das würde zwar wegen der nicht vorhandenen Sprachkenntnisse etwas länger dauern, aber für den Sprachkurs sei bereits gesorgt. Betriebe, die einen Praktikumsplatz zur Verfügung stellen möchten, können sich ab sofort an die HWK per E-Mail an margraf@hwk-oldenburg.de wenden.

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1 Kommentar

  1. Markus
    11. Dezember 2015 um 16.43

    Fein, dann gibt es vielleicht endlich mal wieder motivierte Auszubildende, die auf die Arbeit achten und ihrem Ausbilder zuhören, anstatt permanent auf dem Handy herumzutippen. Die Anweisung, das private Handy während der Arbeitszeit im Spind zu lassen gab einen mittelschweren Aufstand…