Oldenburg

Der neue Grünkohlkönig ist ein Niedersachse

Kohlkönig Hüseyin Avni Karslıoğlu und seine Ehefrau Gamze, Ministerpräsident Stephan Weil, Bundeswissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und Oberbürgermeister Jürgen Krogmann kurz vor dem Krönungsakt in Berlin.

Kohlkönig Hüseyin Avni Karslıoğlu und seine Ehefrau Gamze, Ministerpräsident Stephan Weil, Bundeswissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und Oberbürgermeister Jürgen Krogmann kurz vor dem Krönungsakt in Berlin.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg/am – Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil ist die neue Oldenburger Grünkohlmajestät. Das war längst kein Geheimnis mehr, aber offiziell wurde die Neuigkeit erst am heutigen Abend beim 58. „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ in Berlin verkündet. Die endgültige Entscheidung traf das Kurfürsten-Kollegium unter dem Vorsitz von Dietmar Wischmeyer. Rund 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und öffentlichem Leben nahmen in der Vertretung des Landes Niedersachsens an dem „Krönungsakt“ teil, als der amtierende Kohlkönig Hüseyin Avni Karslıoğlu, Botschafter der Türkei das Zepter an seinen Nachfolger überreichte.

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann begrüßte die Gäste. Seine ersten Wochen im neuen Amt seien nicht einfach gewesen: das Thema Altpapier sei schwer, der Haushalt noch schwerer, aber die Sitzordnung für das Gröönkohl-Äten in Berlin festzulegen, wäre eine fast unlösbar Aufgabe gewesen, scherzte er. Eine grundsätzliche organisatorische Änderung teilte er auch noch mit: „Früher hieß es um 0.30 Uhr ‚Last Call‘, aber ab heute kommt mir hier vor 2.30 Uhr keiner raus.“

Schirmherr Landtagspräsident Bernd Busemann fand, dass es in Berlin keine vergleichbare Veranstaltung gebe, die so sinnvoll und sinnhaft sei wie das Oldenburger Gröönkohläten.

Gewohnt lustig mit zahlreichen Spitzen trat der Vorsitzende des Kurfürsten-Kollegiums Dietmar Wischmeyer, alias Günther der Treckerfahrer und bekannt aus der ZDF „heute show“, nach der Entscheidung des Kollegiums auf. Er machte dem neuen Kohlkönig die Auflage, dass die Staatskanzlei aus Hannover für ein Jahr nach Oldenburg verlegt werden müsse. Der niedersächsische Landtag könne auch gleich folgen. „Tja, das ist hier keine Mädchenveranstaltung mehr“, witzelte Wischmeyer. Klasse sei es, dass es von Berlin nach Oldenburg eine direkte Zugverbindung gebe. Das sei deshalb so gut, weil keine Fluglinie von Hatten nach BER angeboten würde. „Das liegt nicht an Hatten.“

Oldenburgs neuer Kohlkönig Stephan Weil nahm die Wahl an. Er freue sich, dass sich die Oldenburger freiwillig einem Hannoveraner unterworfen hätten. „Ich komme in friedlicher Absicht“, sagte Weil und versprach „Reformen, Reformen, Reformen.“ Er wolle sich für den Grünkohl und Oldenburg aufopferungsvoll einsetzen. Als Beispiel nannte er die Umbenennung der EWE-Arena in „Grünkohlarena“ und das lang gewünschte Fußballstadion könnte „Pinkelkampfbahn“ heißen.

Das Kurfürsten-Kollegium

Die Kurfürsten entscheiden – in diesem Jahr unter Leitung von Dietmar Wischmeyer – über die Vergabe der Königsehre. Zum achtköpfigen Kurfürsten-Kollegium zählen Dr. Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, Heinrich Engelken, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bremer Landesbank, Harald Tölle, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Landessparkasse zu Oldenburg, Harald Pirwitz, Vorstandsmitglied der CEWE & Co. KG, Patrick Tessmann, Vorstandsvorsitzender der Oldenburgischen Landesbank AG, Franz Thole, Vorstandsvorsitzender der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg und Bernd Busemann, Schirmherr und Präsident des Niedersächsischen Landtages.

Prominente Gäste aus der Politik

Zu den politisch prominenten Gästen des Kohlessens gehörten unter anderem: Bundeswissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, der Vorsitzende des Bundesvorstandes von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Enak Ferlemann, sowie die niedersächsischen Landesminister Stefan Wenzel (Umwelt, stellvertretender Ministerpräsident), Olaf Lies (Wirtschaft), Christian Meyer (Landwirtschaft), Antje Niewisch-Lennartz (Justiz) und Cornelia Rundt (Soziales).

Service und Grünkohl

Für den Service der Oldenburger Traditionsveranstaltung sorgten auch in diesem Jahr der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) und die Berufsbildenden Schulen Oldenburg (BBS) III. Unter ihrer Anleitung betreuten Auszubildende des Hotel- und Gastronomiegewerbes aus der Region Oldenburg die Gäste an den Tischen. Grünkohl, Pinkel und Kochwurst, Speck und Kasseler stammen aus original Oldenburger Herstellung von der Oldenburger Fleischerei Bartsch und dem „Bümmersteder Krug“ in Oldenburg. Der berühmte „Löffeltrunk“ ist gefüllt mit gutem Schnaps aus dem Hause Hullmann. Das Pils dazu kommt aus dem Friesischen Brauhaus zu Jever. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V., Deutsches Milchkontor GmbH und die Molkerei Ammerland eG servierten Käsespezialitäten.

Auf die Tische kamen:
200 Kilogramm Grünkohl
60 Kilogramm Fleischpinkel
95 Kilogramm Kasseler-Kotelett ohne Knochen
50 Kilogramm Kochmettwurst
38 Kilogramm geräucherter Speck
Zum Dessert wurde Rote Grütze mit Vanillesoße gereicht.

Spenden der Gäste

Die Gäste des Kohlessens werden seit 2012 um eine Spende für die Oldenburgische Bürgerstiftung e.V. gebeten. Sie setzt sich für benachteiligte Menschen ein, die aus unterschiedlichsten Gründen Unterstützung benötigen. Schwerpunkt der Aktivitäten war bisher insbesondere die Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Ein inzwischen etabliertes Projekt ist die „Schultütenaktion“, bei der bedürftigen Kindern zur Einschulung Schultüten (inklusive Material) überreicht werden. Ein zweites Projekt heißt „Schule in Bewegung“.

Geschichte

Einen Vorläufer des „Defftig Ollnborger Gröönkohl Äten” gab es bereits 1931. Im Oldenburgschen Hauskalender hieß es: „Den Höhepunkt im geselligen Leben der Oldenburger in Berlin bildet alljährlich die Veranstaltung des ,Braunen Kohl-Essens‘“. Das „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ wurde im Jahre 1956 in der alten Bundeshauptstadt Bonn aus der Taufe gehoben. Seit 1998 findet es in Berlin statt.

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