Gesundheit

Verbesserung der Versorgung mit Telepflege

Das Projekt Telepflege soll die pflegerische und medizinische Versorgung verbessern. Das Projekt wurde von der VITA-Akademie initiiert.

Dr. Georg Rohe zeigt Birgit Honé (links) wie er an mehreren Bildschirmen medizinische Daten eines Patienten von einem Windpark in Empfang nehmen und ihn auf dem Bildschirm sehen und mit ihm sprechen kann. Diese Technik könnte das Projekt „Telepflege“ unter Leitung von Melanie Philip (Mitte) auch nutzen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Niedersachsen (zb) „Telepflege“ heißt ein Projekt, das von der VITA-Akademie mit Sitz in Wittmund initiiert worden ist. Gemeinsam mit zwei Pflegediensten, darunter auch das Christophorus-Haus in Brake, sowie den Johannitern und dem Klinikum Oldenburg sollen nachhaltige Lösungen zur Verbesserung der pflegerischen und medizinischen Versorgung im ländlichen Raum Weser-Ems entwickeln werden.

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Das zwei Jahre dauernde Projekt, dessen Gesamtvolumen bei 300.000 Euro liegt, überzeugte auch das Land Niedersachsen, weshalb es im Zuge der Förderrichtlinie „Soziale Innovation“ unterstützt wird. Grund genug für Birgit Honé, Staatssekretärin für Europa und regionale Landesentwicklung in der Niedersächsischen Staatskanzlei, den Projektbeteiligten einen Besuch in Oldenburg abzustatten und sich umfassend über das Vorhaben informieren zu lassen.

„Ziel des Projekts ist es, angesichts des Fachkräftemangels die Gesundheits- und Pflegedienstleistungen im ländlichen Raum sicherzustellen und zu verbessern“, sagt Projektleiterin Melanie Philip. „Denn 48 Prozent aller Beschäftigten in der Pflege sind Pflegeassistenten und keine Pflegefachkräfte“, berichtet sie. Das heißt, sie dürfen bestimmte medizinische Pflege nur unter Aufsicht durchführen. „Medizinische Pflege beginnt aber schon mit dem Überziehen eines Thrombosestrumpfes“, klärt Philip auf. „Assistenten können also nur begrenzt eingesetzt werden“, macht sie deutlich.

Mit Telepflege könnte das möglicherweise anders werden. Im Klinikum Oldenburg wird seit 2014 Telemedizin praktiziert. Mit Hilfe eines handlichen Telemedizin-Endgerätes können Rettungsassistenten beispielsweise auf einem Offshore-Park Kontakt zum Telemedizin-Zentrum im Klinikum Oldenburg aufnehmen und einen erkrankten Mitarbeiter unter Aufsicht der Ärzte behandeln. Das Gerät kann verschiedene Messungen wie Blutdruck oder Puls vornehmen, ein EKG schreiben und ist mit einer Kamera ausgestattet, so dass die Ärzte im Klinikum den Patienten auch sehen.

„So ähnlich könnte es auch in der Pflege zugehen und für erhebliche Entlastung sorgen“, ist Michael Wilhelm, Leiter des Christophorus-Hauses in Brake überzeugt. „Deshalb haben wir uns um die Projektbeteiligung beworben.“ Dass das Christophorus-Haus den Zuschlag bekam, sieht er als große Chance. „Wir müssen in der Pflege mit der Zeit gehen und dazu gehört auch der Einsatz intelligenter Technik“, sagt er. „Telepflege könnte unseren Beruf bei jungen Leuten zudem attraktiver machen“, hofft er und fügt hinzu: „Es ist gegenwärtig sehr schwer, beruflichen Nachwuchs zu bekommen.“

Pflegeassistenten im ländlichen Raum könnten unter Einsatz von Technik problemlos bestimmte medizinische Pflege vornehmen, indem eine Fachkraft des Christophorus-Hauses via Videoübertragung zugeschaltet wird und sie so Anleitung und Unterstützung erfahren. So wird das Fachwissen den Pflegebedürftigen, Angehörigen und Pflegekräften orts- und zeitunabhängig zur Verfügung gestellt. Ob Telepflege das leisten kann, soll in den kommenden zwei Jahren in Brake und in Harpstedt (Landkreis Oldenburg) erprobt und ausgewertet werden.

Parallel dazu soll über Möglichkeiten einer Fortbildung von Pflegeassistenten nachgedacht werden. „Es wäre wichtig, dass sie berufsbegleitend lernen könnten mit dem Ziel, ein Zertifikat zu erhalten, dass ihnen bestimmte medizinische Pflege erlaubt“, sagt Wilhelm. „Viele Pflegeassistenten würden von so einer Möglichkeit sofort Gebrauch machen“, weiß er. „Zumal viele Pflegeassistenten seit 30 Jahren ihren Beruf ausüben und absolut versiert sind – auch was die medizinische Pflege wie Medikamente verabreichen oder Wunden versorgen betrifft, die sie noch unter Aufsicht durchführen müssen“, ergänzt Philip. „In Nordrhein-Westfalen ist das übrigens anders geregelt. Dort dürfen Pflegeassistenten erheblich mehr als in Niedersachsen.“

Staatssekretärin Honé war nicht nur äußerst interessiert und aufgeschlossen, sie versprach den Projektbeteiligten, sich für ihre Anliegen stark zu machen. Dazu gehört unter anderem der Breitbandausbau im ländlichen Raum, denn ohne Internetverbindung kann Telepflege nicht funktionieren. Beeindruckt waren alle Akteure vom Telemedizin-Zentrum des Klinikums, das Oberarzt Dr. Georg Rohe vorstellte. „Tatsächlich ist Telemedizin in der Lage, Leben zu retten“, berichtete er.

„Gleichwohl gilt es in der Pflege nicht nur die technischen Herausforderungen anzunehmen, sondern auch Ängste vor Technik in der Pflege zu nehmen“, meinte Philip. Telepflege, so stellte sie klar, will genau nicht den Menschen ersetzen, sondern die Voraussetzungen dafür schaffen, mehr Zeit für pflegebedürftige Menschen zu haben und mehr Kompetenz in den ländlichen Raum zu bringen.

„Möglicherweise gibt es schon bald die Pflegekraft 4.0“, meinte die Staatssekretärin abschließend. Eben eine Pflegekraft, die nicht nur fachlich qualifiziert sondern technisch perfekt ausgestattet ist und ihren Patienten möglicherweise auch zeitlich aufwendige Arztbesuche ersparen kann, weil auch die per Telemedizin absolviert werden können – sofern es sich um einfachere Fragen handelt.

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