Geschichte

Schüler erinnern an Reichspogromnacht

Vom 9. auf den 10. November 1938 wurden jüdische Männer von den Nazis durch die Stadt Oldenburg zum Gefängnis getrieben.

Vom 9. auf den 10. November wurden jüdische Männer von den Nazis durch die Stadt zum Gefängnis getrieben.
Foto: Landesbibliothek

Oldenburg (zb) „Aus unserer Mitte“ lautet der Titel einer Ausstellung, die vom 10. bis 22. November in der Landesbibliothek Oldenburg zu sehen und von Schülerinnen und Schülern des Neuen Gymnasiums Oldenburg (NGO) präsentiert wird. Sie erinnert an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Oldenburg, als die Nazis jüdische Männer von der Pferdemarktkaserne zum Gefängnis an der Gerichtsstraße getrieben haben und sie von dort aus ins Konzentrationslager gebracht wurden.

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Bei der Ausstellung handelt es sich um ein Gemeinschaftswerk der gesamten Schule, an dem viele Klassen und Kurse während des regulären Unterrichts breit gefächert gearbeitet haben. So widmeten sich die Schüler unter anderem der Geschichte und nehmen den Aufstieg der NSDAP in Oldenburg ebenso in den Blick wie das Leben der jüdischen Bevölkerung Oldenburgs zwischen 1933 und 1938.

An der brennenden Synagoge sind die jüdischen Männer in der Nacht vom 9. auf den 10. November vorbeigetrieben worden.

An der brennenden Synagoge sind die jüdischen Männer in der Nacht vom 9. auf den 10. November vorbeigetrieben worden.
Foto: Landesbibliothek

Ein Student der Jade Hochschule hat die einstige Synagoge an der Peterstraße anhand von historischen Aufnahmen am PC rekonstruiert.

Ein Student der Jade Hochschule hat die einstige Synagoge an der Peterstraße anhand von historischen Aufnahmen am PC rekonstruiert.
Foto: Jade Hochschule

Bei der Betrachtung der Geschehnisse um die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 befassen sie sich schwerpunktmäßig mit den Ereignissen danach wie der Deportation der jüdischen Männer in das Konzentrationslager Sachsenhausen, ihrem Aufenthalt vor Ort und ihrer Entlassung aus der Lagerhaft. Außerdem setzen sie sich mit dem Lager selbst auseinander. Dabei lassen die Schüler die Oldenburger Zeitzeugen Leo Trepp und Heinrich Hirschberg zu Wort kommen. Leo Trepp war der letzte Landesrabbiner in Oldenburg und wurde zusammen mit den anderen jüdischen Männer von den Nazis an der brennenden Synagoge an der Peterstraße vorbeigetrieben.

Neben der historischen Auseinandersetzung haben sich die Schüler auch künstlerisch und kreativ mit dem Thema auseinandergesetzt. Dabei sind Tonplastiken und abstrahierende Holzskulpturen als Denkmalentwurf für Janusz Korczak (1878 – 1942) herausgekommen. Der jüdische Arzt und Pädagoge begleitete 200 jüdische Waisenkinder in das Warschauer Ghetto und ging mit ihnen im Vernichtungslager Treblinka in die Gaskammer, obwohl ihm das Ausland die Ausreise ermöglicht hatte.

Darüber hinaus haben die Schüler Plakatentwürfe zu Denkmälern in Oldenburg, Zeichnungen und Collagen zum Thema „Erinnerungsbogen“, die eine Brücke aus der Gegenwart der Schüler zurück zur Geschichte des Nationalsozialismus schlagen, sowie ein Klangbild zu Rose Ausländers Gedicht „Schallendes Schweigen“, das die Situation der Überlebenden klanglich umzusetzen versucht, entworfen.

Jedes Jahr am 10. November erinnern die Oldenburger an den Judengang und gehen ihn nach.

Jedes Jahr am 10. November erinnern die Oldenburger an den Judengang und gehen ihn nach.
Foto: privat

Der Erinnerungsgang führt auch am Mahnmal an der Peterstraße vorbei. Hier hat einst die Synagoge gestanden, die in der Reichspogromnacht von den Nazis angezündet wurde.

Der Erinnerungsgang führt auch am Mahnmal an der Peterstraße vorbei. Hier hat einst die Synagoge gestanden, die in der Reichspogromnacht von den Nazis angezündet wurde.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Die Besucher werden mit Opferbiographien konfrontiert, die aus fiktiven Interviews und Tagebucheinträgen entstanden sind. Zeichnungen, Collagen und Modelle zum Thema Erinnerungen an Anne Frank und Bildergeschichten, die die frei gestaltete Annäherung der Kinder heute an die von Schreck und Angst begleitete Flucht der Geschwister Hans und Ursula Landsberg zeigen, runden die Ausstellung ab.

Die Ausstellung wird am Montag, 10. November, um 11 Uhr eröffnet und ist Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr und Samstag von 9 bis 132 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Der Erinnerungsgang vom Pferdemarkt bis zum ehemaligen Gefängnis an der Gerichtsstraße beginnt um 15 Uhr.

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