Kultur

World Press Photo: Weltbewegendes im Bild

Sommer 2018: Sandra Sanchez wird mit ihrer Tocher Yanela vom US-Grenzschutz aufgegriffen. Während die junge Mutter aus Honduras abgetastet wird, fängt die Zweijährige an zu weinen. Das Pressebild des Jahres zeigt aus der Sicht eines Kindes die Auswirkungen der strikten Einwanderungspolitik des US-Präsidenten Donald Trump.

Sommer 2018: Sandra Sanchez wird mit ihrer Tocher Yanela vom US-Grenzschutz aufgegriffen. Während die junge Mutter aus Honduras abgetastet wird, fängt die Zweijährige an zu weinen. Das Pressebild des Jahres zeigt aus der Sicht eines Kindes die Auswirkungen der strikten Einwanderungspolitik des US-Präsidenten Donald Trump.
Foto: John Moore

Oldenburg (Dominik Laupichler) Zum fünften Mal kommt die Ausstellung der weltbesten Pressefotos nach Oldenburg. Vom 15. Februar bis zum 8. März wird der aktuelle Jahrgang der World Press Photos im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte – im Oldenburger Schloss – gezeigt. Eröffnet wird die diesjährige Ausstellung von dem amerikanischen Pressefotografen John Moore. Er hat das Gewinnerfoto geschossen.

Anzeige

Das Siegerfoto und die Ausstellung

Der US-Amerikaner John Moore, der als Fotokorrespondent für die Agentur Getty Images arbeitet, wird als Wettbewerbssieger am 15. Februar nach Oldenburg kommen und die Ausstellung offiziell eröffnen. Sein Siegerfoto zeigt die zweijährige Honduranerin Yanela Sanchez, die an der mexikanisch-texanischen Grenze in Tränen ausbricht, während ihre Mutter von US-Grenzschutzbeamten abgetastet wird. Es zeigt die Folgen der strikten Einwanderungspolitik des US-Präsidenten Donald Trump. Unter rund 79.000 Aufnahmen von 4.700 Pressefotografen wurde John Moores Foto zum Gewinner gekürt. Das Pressebild des Jahres stehe laut dem Initiator der Ausstellung, Claus Spitzer-Ewersmann von der Agentur Mediavanti, sinnbildlich für die aktuellen politischen Debatten über Immigration und Einwanderungspolitik und gleichzeitig stellvertretend für die thematische Ausrichtung des aktuellen Jahrgangs: „Dieser Jahrgang ist mehr politisch, es gibt weniger Gewalt auf den Fotos zu sehen, weniger Kriegsszenen.“ Mit Migration und Flucht stehen vor allem die Folgen der weltweit bestehenden Konflikte im Vordergrund. Aber auch andere politische Themen wie Tier- und Umweltschutz spielen in vielen Fotografien eine zentrale Rolle. Die Ausstellung zeigt neben dem Gewinnerfoto insgesamt 150 preisgekrönte Aufnahmen von 43 Fotografen aus 25 Ländern.

Petronella Chigumbura ist Mitglied einer rein weiblichen Anti-Wilderei-Einheit namens Akashinga in Simbabwe. Sie schützen ein 300 Quadratkilometer großes Ökosystems des Sambesi-Tals, in dem in den vergangenen Jahrzehnten Tausende Elefanten illegal getötet wurden.

Petronella Chigumbura ist Mitglied einer rein weiblichen Anti-Wilderei-Einheit namens Akashinga in Simbabwe. Sie schützen ein 300 Quadratkilometer großes Ökosystems des Sambesi-Tals, in dem in den vergangenen Jahrzehnten Tausende Elefanten illegal getötet wurden.
Foto: Brent Stirton

„Bob“ ist ein karibischer Flamingo, der in ein Hotelfenster flog und sich schwer verletzte. Heute ist er Botschafter einer Tierschutzorganisation auf Curacao. Das Tier hilft Kindern nahezubringen, wie Plastik das Leben von Wildtieren gefährdet.

„Bob“ ist ein karibischer Flamingo, der in ein Hotelfenster flog und sich schwer verletzte. Heute ist er Botschafter einer Tierschutzorganisation auf Curacao. Das Tier hilft Kindern nahezubringen, wie Plastik das Leben von Wildtieren gefährdet.
Foto: Jasper Doest

Dass der Wettbewerbssieger auch in diesem Jahr nach Oldenburg kommt, ist laut Spitzer-Ewersmann eines der Erfolgsgeheimnisse für die Popularität der Ausstellung. Die Zahlen sprechen für sich. Letztes Jahr kamen 19.000 Besucherinnen und Besucher zu der Veranstaltung in das Oldenburger Schloss. Dr. Rainer Stamm, Leiter des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte betont: „Keine andere Ausstellung in Oldenburg hatte so viele Besucher wie die World Press Photo.“ Das Team des Landesmuseums unterstützt seit vier Jahren die Ausstellung intensiv, unter anderem durch Führungen. Alleine 128 waren es im Frühjahr 2019.

Sonderschau Eveyday Africa

Besonders stolz ist Spitzer-Ewersmann auf die Sonderschau Everyday Africa, denn bisher gab es nur wenige Einsendungen für die Wahl des World Press Photos von afrikanischen Fotografen. Unter anderem auch, weil es den Beruf des Pressefotografs laut Spitzer-Ewersmann so in Afrika nicht gebe. Auch die World Press Photo Foundation in Amsterdam, die den Wettbewerb durchführt, bemängelt diesen Umstand und hat daher die Initiative Everyday Africa gegründet. Afrikanische Fotografen bekommen hierbei die Chance, den Alltag in ihren Ländern fotografisch festzuhalten. Aus 30.000 Aufnahmen von zirka 30 afrikanischen Fotografen wird in Oldenburg nun zum ersten Mal in Europa eine Auswahl im Rahmen einer Ausstellung gezeigt. Bisher waren die Bilder nur im Internet zu sehen. Diese Sonderschau wird von der Ägypterin Laura El-Tantawy eröffnet.

Rahmenprogramm und Gäste

Als weiterer Gast steht die Cheffotografin des Alfred-Wegener-Instituts Esther Horvath bereits fest. Sie ist Teil der aktuellen Arktis-Expedition MOSAiC und wird in ihrem Vortrag „Behind Arctic Science“ eindrucksvolle Bilder aus dem Nordpolarmeer zeigen. Auch mit weiteren Fotografen und potentiellen Gästen der Veranstaltung laufen derzeit noch Gespräche und Verhandlungen. Schon fest im Programm eingeplant ist ein Workshop-Programm mit der Werkschule IGS Kreyenbrück. Den Schülerinnen und Schülern sollen dabei Themen wie Pressefreiheit, Naturfotografie oder auch Digital Storytelling nähergebracht werden. Auch Kunstvermittlung und die Gestaltung einer Ausstellungsführung sind Teile des Workshop-Programmes. Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende ihre eigenen Mitschülerinnen und Mitschüler durch die Ausstellung führen können. Weitere Programmpunkte und Gäste werden in nächster Zeit bekannt gegeben. Das Informationsheft zum endgültigen Ausstellungsprogramm wird voraussichtlich am 10. Januar veröffentlicht werden.

World Press Photo – Exhibition 2019

15. Februar bis 8. März 2020
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Samstag, 5. März, 10 bis 22 Uhr
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg (Schloss)
Weitere Informationen gibt es unter www.worldpressphoto-oldenburg.de.

Vorheriger Artikel

Warme Kleidung für kalte Zeiten

Nächster Artikel

„Kunstfehler – wann haften Ärzte?“

Keine Kommentare bisher

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.