Theater

Kritik: Hamlet

m Staatstheater Oldenburg feierte man am Samstag die Premiere von Hamlet.

Im Staatstheater Oldenburg feierte man am Samstag die Premiere von „Hamlet“. Die Publikumsstimmen waren klar, man fand es gut.
Foto: Andreas J. Etter

Oldenburg (nb) Im Staatstheater Oldenburg feierte man am Samstag die Premiere von „Hamlet“. Die Werke Shakespeares sind allgemein bekannt, darum liegt ein Auge immer auf der Inszenierung, im Staatstheater kann man nun eine frische Version erleben. Die Publikumsstimmen zur Pause waren klar, man fand es gut, aber irgendwie war man nicht richtig überzeugt von einem Stück voller Sidesteps. Ist Hamlet sonst ein zwiegespaltener Geist, der sich zu einer blutigen Rache hinreißen lässt, gibt er sich in Oldenburg als ein labiler in verrückt-amüsanter Umgebung – und zeitgenössischen Wulff-Witzen.

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Hamlets Vater wird von dessen Bruder umgebracht, dieser heiratet seine Mutter und herrscht über das Königreich der Dänen. So schreibt es Shakespeare und so schreibt es Saxo Grammaticus, von dem die Grundzüge der Geschichte eigentlich stammen. Unterschied ist unter anderem der Geist des Vaters, der sich des Nachts im Schloße zeigt und Hamlet zur Rache treibt. Sein oder nicht sein, philosophiert der Hamlet Shakespeares allzu bekannt. Soll er leiden, soll er kämpfen? Beides brächte den Tod mit sich. Da wo das Vorbild des Hamlet, Amlethus, einfach heldenhaft alles niedermetzelt, was am Hofe tagt, schreitet Hamlet erst nicht zur Tat und folgt zweifelnd und mutlos den Vorgaben. Die Gesellschaft verschließt die Augen vor der Lüge am Hof – das System steht auf maroden Säulen. Unterdrückte oder verdrängte Ungerechtigkeit ist ein Nährboden für Rache und Gewalt – bei aller Vernunft sehnt sich bald auch Hamlet nach der Rache, den Tod des Mörders seines Vaters. Und dann ändert sich die Welt zur Pause – Hamlet wird zu Amlethus. Es endet im dänischen Niedermetzeln, wie es schon um 1200 geschrieben stand.

Alles scheint auf jung gemacht: Da ist Hamlet, der überhaupt nicht heroische Wittenberger Student, Ophelia, eine Zahnspangen tragende Verliebte, und musisch wird es auch: rockige Live-Einbauten in ein queres Konstrukt.

Ein Stück wie Hamlet stellt man sich geistesintensiv vor, hintergründige Handlungen, insgesamt eine drei Stunden schwere Kost. Dass man sich nicht immer an den Originaltext hält, kann vorteilhaft sein. Fernab verstaubtem Aufsagen war das Stück, doch trabt man zu sehr von der eigentlichen Handlung ab, bleibt nach dem Besuch das Gefühl der guten Unterhaltung – mehr nicht.

Dabei bleibt einem noch so einiges länger im Kopf, die Bühne, eine Spiegelung des Großen Hauses, hinter der aus dem Zuschauerraum bekannten Balustrade wandelten die Darsteller oder hangelten sich an ihr herab. Manch einer wagte sogar den Sprung aus der Höhe, ein Moment des Herzstillstandes für die gestandenen Zuschauer. Das Bühnenbild ist dem Stück angepasst, war „etwas faul im Staate Dänemark“, hatte man das Gefühl, auch die Bühne verlor an Glanz, auch die Welt des Hamlets seichte dahin. Vincent Doddema, der den Hamlet gab, bleibt neben den anderen Darstellern im Kopf – sie machten das Stück trotz der gewöhnungsbedürftigen Regie (Jan-Christoph Gockel) doch noch zu etwas Anschaulichem. Denn das ist es, gerade für Schüler, die sich dem vorgegebenem Rahmen der Schullektüre auf eine lockere Art nähern wollen.

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