Kultur

Kultursommer: Schlossplatz wird ab Mittwoch zur Freiluftbühne

Das Berliner Trio „The Trouble Notes“ eröffnet am 20. Juli um 19 Uhr mit Folk-Jazz und Gipsy das Doppelkonzert vor dem Reggae-Musiker Rocky Dawuni aus Ghana.

Das Berliner Trio „The Trouble Notes“ eröffnet am 20. Juli um 19 Uhr mit Folk-Jazz und Gipsy das Doppelkonzert vor dem Reggae-Musiker Rocky Dawuni aus Ghana.
Foto: Julian Daiber

Oldenburg (vs) Mit einem Empfang im Schloss eröffnet an diesem Mittwoch der Kultursommer Oldenburg. Zum 41. Mal ist anschließend der Schlossplatz der zentrale Veranstaltungsort für Musik jenseits des Mainstream. Zum Programm gehört aber wesentlich mehr: Freiluftkino vom Cine k im Schlosshof, Lesungen, Theater, Kinderprogramm, Akrobatik-Show, Theater-Diner, Global lokal und der Museumstag mit freiem Eintritt.

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A propos freier Eintritt: Kulturetagen-Chef Bernt Wach freut sich, dass immer noch der größte Teil der 45 verschiedenen Programmpunkte kostenlos ist. Wie groß die Vorfreude der Oldenburger auf den Kultursommer ist, lässt sich gut daran erkennen, dass der Vorverkauf für zwei Kino-Vorstellungen bereits ausverkauft ist. Jetzt ist auch das kostenlose Programmheft erschienen.

Man wolle „andere Kulturen nach Oldenburg holen und nicht den Konsum in den Vordergrund stellen“, so der Tenor von Bernt Wach und Programmleiter Andy Holtz. Deshalb gebe es auch in diesem Jahr nicht die ganz großen Namen auf dem Schlossplatz, die sowieso immer im Radio zu hören seien. Von den nicht zu bezahlbaren Gagen wahrscheinlich mal ganz abgesehen.

Musikalische Weltreisen für Kopf und Beine

Mit „World Music Africa“ startet am 17. Juli der Kultursommer 2019. „Les Amazones D’Africa“, ein westafrikanisches Künstlerkollektiv, geht um 19.15 Uhr auf die Bühne. Drei Sängerinnen und drei Musiker des Kollektivs bieten Soul und Funk. Das Groove-Konglomerat aus verschiedenen Ländern streift durch ein stilistisches Labyrinth aus Afrofunk & Soul – und gönnt sich zudem Ausflüge in Rock, Reggae und Soul, die mit einer feinen Prise an Elektronik-Effekten abgerundet werden. Aktuelle politische Themen sind Bestandteile ihrer Texte.

Die „Combo de la Musica“ aus Schweden spielt am Donnerstag um 19.30 Uhr ihre tanzbare Pop-Soul Melange. Elemente aus Afro-Beat, Boogaloo, Jazz, Motown, Pop und Salsa werden gekonnt miteinander kombiniert. Mit ihren Up-Tempo-Songs, Balladen und ihrer Bühnenpräsenz zieht Sängerin Kristin Amparo das Publikum in ihren Bann.

„KC Robertson & The Live Revolution“ bieten laut Andy Holtz „99 Prozent Funk und ein Prozent Jazz“ am 19. Juli ab 20 Uhr. Aus Kanada stammend ist diese große Formation erstmals in Europa zu erleben. Die Besucher können sich auf eine rhythmisch vielfältige und spannende Mixtur freuen. Das deutsche Jazz-Rock Quartett „Jin Jim“ eröffnet den Abend um 19 Uhr.

Afrobeat, Dancehall und Reggae spielen „Rocky Dawuni“ am 20. Juli um 20 Uhr. Der internationale Musikstar und politische Aktivist aus Ghana verbindet seit Jahrzehnten Dancehall, Dub, Highlife, Reggae und Soul zu seiner persönlichen Form eines zeitgenössischen Afrobeats. Laut Kulturetage gehört er zu den musikalisch wie politischen Erben Bob Marleys. Das Trio „The Trouble Notes“ eröffnet mit Folk-Jazz und Gipsy das Dopppelkonzert um 19 Uhr.

Die Berlinerin Ava Asante ist mit Electronic und Dance Music am 21. Juli ab 20.15 Uhr zu hören. Die Enkelin eines ghanaischen Königs kombiniert mit ihrer Stimme und Violine impulsive afrikanische Beats mit sphärischen Klängen. Das Konzert gehört zum Weltmusik-Tag „Global Lokal“, der um 15 Uhr beginnt.

Rony Sheridan aus Irland eröffnet die zweite Woche am Montag, 22. Juli, um 19.30 Uhr mit besinnlichem und stimmungsvollem Songwriter Folk-Rock und perkussivem Gitarrenspiel. Mit seinem Debut-Album erreichte er in Irland Platin-Status. Von der Straße in die Stadien könnte sein Motto lauten. Und immer mit persönlichem Kontakt zum Publikum.

Melodisch-rhythmische Klänge aus Westafrika gibt es am 23. Juli um 19.30 Uhr mit Sona Jobarteh und ihrer Kora. Die Kora ist ein westafrikanisches Harfeninstrument mit 21 Saiten, das traditionell von Männern gespielt wird. Sona Jobarteh spielt die Kora stehend und demonstriert auf der Bühne ihr komplexes musikalisches Können als Frontfrau ihrer eigenen Band.

New Folk und Indie-Pop spielen „Bears of Legend“ aus Kanada am 24. Juli. „Sie erzählen Geschichten, als seien sie in Kontakt mit den Geistern alter Seefahrer, beschwören Geschichten von Reinkarnationen – und setzen dazu musikalisch Streichinstrumente wie Violine und Cello klassisch ein, die sie dann auf moderne Elemente wie Prog-Rock oder Indie-Pop treffen lassen. Es ist ein erdiger Soundtrack zu verwunschenen Filmen“, schreibt die Kulturetage. Der Oldenburger Gitarrist und Songwriter „Stenz“ eröffnet dieses Doppelkonzert um 19 Uhr.

„Rupa & The April Fishes“ aus den USA bringen am 25. Juli ab 19.30 Uhr Worldmusic und Indie-Pop nach Oldenburg. Die musikalische Bandbreite umfasst Gipsy Swing, Texmex, Balkaneskem, Chanson, Saudade, Latin Moods sowie American Folk und reicht von Zirkusmusik bis Moulin Rouge.

Tanzbarer New Cumbia von „La Yegros“ aus Südamerika sorgt am 26. Juli ab 20 Uhr dafür, dass die Füße nicht stillhalten. Musikalisch zwischen Tradition und Zukunft bewegt sich die schillernde Sängerin und Musikerin. Jamaikanischer Dancehall, Soca und Elektro-Styles sind einige Bestandteile ihrer aktuellen Platte und der energiegeladenen Live-Show. „Botticelli Baby“ aus dem Ruhrpott spielen zuvor ab 19 Uhr „Swingmusik mit Punkattitüde“.

Zweimal deutschsprachig wird es am 27. Juli. Die Brüder „Klan“ aus Berlin spielen um 19 Uhr von der Berliner Songwriterin mit türkischen Wurzeln „Elif“. Mit „Elif“ kommt eine Stimme nach Oldenburg, die dann doch ab und zu im Mainstream-Radio zu hören ist, was aber im besonderen Maße für ihre Qualität spricht. Ihre türkischen Wurzeln und damit verbundene Konflikte in der Familie und Gesellschaft sind Teile ihrer persönlichen Texte. Deutscher Pop mischt sich perfekt mit orientalischen Klängen und melancholischem Chanson.

Die Abschlussband am 28. Juli auf dem Schlossplatz ist das Frauen-Punk Duo „Gurr“ mit Andreya Casablanca und Laura Lee. Garage-Rock-Basics mit Psychedelic- und Wave-Elementen auf Pop-Melodien spielen die beiden Frauen aus Berlin. Authentisch, direkt, dreckig und frech sind Texte und Musik.

Das komplette Programm ist unter www.kultursommer-oldenburg.de zu finden.

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3 Kommentare

  1. W. Lorenzen-Pranger
    19. Juli 2019 um 12.57

    … und schon sehen wir an den Fotos einer anderen Zeitung den eindeutigen Trend: Selbst beim Start des Kinderprogramms waren offensichtlich Kinder weit in der Minderheit (selbst auf der historischen Kirmes im Museumsdorf Cloppenburg waren ganz offensichtlich mehr, ich war da) – beim ersten Konzert kaum jemand unter dreißig, die Meisten über vierzig Jahre.
    Ich meine mich zu erinnern, daß das schon mal ganz anders war.
    Meine „Kinder“,.längst Mitte zwanzig, sagen mir sie gehen nicht hin, weils einfach nur noch langweilig ist. Übrigens – meine Frau und ich (71), kulturell SEHR interessiert, gehen nicht hin, weils einfach nur noch langweilig ist. Es ist ja nicht umsonst so, daß Bier-, Kaffee- und Wurstbuden den Platz besetzen, an dem früher mal das Publikum dicht gerdängt stand.
    Vielleicht sollte man diese Veranstaltung endlich an Menschen übergeben, die auch etwas von Kultur und Kunst heute verstehen?

  2. A. Sinner
    20. Juli 2019 um 12.19

    Wir waren gestern Abend auf dem Kultursommer.
    Es war super. KC Roberts & the live revolution haben richtig tolle Musik gemacht. Hat sich mal wieder gelohnt. funky!

    • W. Lorenzen-Pranger
      21. Juli 2019 um 11.14

      Ich war am 20. da – und mir drängen sich drei Fragen auf:
      Erstens, welchen Kurs muß als Fotograf ich besuchen um einen bestenfalls zwei Drittel besuchten Schloßplatz, die Verkaufsstände nicht einmal berücksichtigt, aussehen zu lassen, als wäre Woodstock ein Kurkonzert in Klein Kleckersdorf dagegen gewesen? Sollte die Presse nicht doch eher wahrheitsgemäß berichten?
      Zweitens: Was sind das für „Weltstars“, die eigentlich niemand bisher kennt? Nach den einzelnen Titeln nicht mal wirklich Applaus!!!
      Und drittens, das „Kunstpublikum“ – aber das kann die hier viel beser ausdrücken: https://www.youtube.com/watch?v=Fj3LNy5TjTE
      So, jetzt war ich aber ganz, ganz böse, was? (Ganz dicker Smily!)

      Ach – und wenn ich grad am lästern bin – schenkt dem „Goethe“, ich nehme jedenfalls an, daß der das sein soll, doch bitte mindestens mal ne Perücke die zumindest ungefähr sitzt. Im Ernst? Neununddreißig bis fünfundvierzig Euro (!) Eintrintt für eine Veranstaltung, in der aus einem Villon aus den 14-hunderter Jahren, ich wette, wieder einmal ein Expressionist namens Paul Zech aus dem späten 19. Jahrhundert wird, der dem Villon Texte auch mal eben locker flockig untergeschoben hat? Sowas konnte sich ein Kinski mit seiner ganz speziellen, damals eigentlich schon veralteten, Sprachkunst in den 50-ern und 60-ern leisten (worum es da wirklich ging, weiß,wer das jemals gehört hat), eine „Kulturetage“ ganz sicher nicht.