Kultur

Erinnerungskultur: Esther Bejarano kommt nach Oldenburg

Die Auschwitzüberlebende und Künstlerin Esther Bejarano tritt gemeinsam mit der Band Microphone Mafia und der Projektgruppe CiNS in Oldenburg auf.

Die Auschwitzüberlebende und Künstlerin Esther Bejarano tritt gemeinsam mit der Band Microphone Mafia und der Projektgruppe CiNS in Oldenburg auf.
Foto: Veranstalter

Oldenburg (am/pm) Die Künstlerin und Auschwitzüberlebende Esther Bejarano gastiert am Samstag, 2. Februar, gemeinsam mit der Band Microphone Mafia und der Projektgruppe Circus im Nationalsozialismus (CiNS) in Oldenburg. Mit Musik, Lesung und Zirkuseinlagen wird das Programm im Kulturzentrum PFL, Peterstraße 3, an diesem Abend gestaltet. Beginn ist um 19 Uhr, Karten gibt es an der Abendkasse. Empfohlen wird die Veranstaltung für Menschen ab zehn Jahren.

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Für Mehr-Woller

Als eine der letzten Überlebenden des Frauenorchesters in Auschwitz ist Esther Bejarano bis heute mit ihren 94 Jahren äußerst wach für politische Fragen. Sie engagiert sich gegen Faschismus und für Toleranz, setzt sich als Zeitzeugin für Aufklärungsarbeit in Schulen und für Erinnerungsarbeit ein und ist Mitbegründerin und Vorsitzende des Auschwitz-Komitees. Gemeinsam mit der Rap-Band „Microphone Mafia“ tourt sie seit 2009 von Ort zu Ort und bewegt das Publikum mit Lesungen aus ihrer Biographie „Vom Mädchenorchester zur Rap-Band gegen rechts“ und einem Songprogramm, das in verschiedenen Sprachen gesungen und als Rap neu interpretiert wird.

Mit seinen Texten und Erzählungen schlägt das Trio – Rapper Kutlu Yurtseven, Esther und ihr Sohn Joram Bejarano – durch persönliche und politische Worte und Liedern zu den Themen Rassismus, Zivilcourage und Erinnerungskultur inhaltlich und künstlerisch den Bogen in die Gegenwart.

Im ersten Teil der Veranstaltung wird von der Gruppe CiNS die wahre Geschichte der verfolgten, jüdischen Artistin Irene Bento, die sich und Teile ihrer Familie im Circus Adolf Althoff verstecken und so den Holocaust überleben konnte, gezeigt. Durch artistische Einlagen und musikalische Live-Untermalung wird Geschehenes lebendig vermittelt und Wege einer kritischen Erinnerungskultur, die in naher Zukunft ohne Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auskommen muss, aufgezeigt.

Die Projektgruppe CiNS (Circus im Nationalsozialismus) arbeitet interdisziplinär zum wenig aufgearbeitetem Themenfeld von Zirkus in der Nazi-Zeit und verfolgten Artistinnen und Artisten. Ihre Ausstellungen und Lesungen waren bereits europaweit an unterschiedlichsten Orten zu sehen (unter anderem DOCH Circus University Stockholm, Ernst-Deutsch-Theater Hamburg, Zirk’Art Festival, At.tension Festival, Museum Europäischer Kulturen Berlin, Synagoge Enschede, Galerie Olga Benario Berlin, Stadtmuseum Pfungstadt).

Im Rahmen des Projektes „Erinnern für die Zukunft – Keine Zukunft ohne Erinnern“ wird die Veranstaltung unterstützt von der Stiftung „Erinnerung Verantwortung und Zukunft“ aus Berlin, der Oldenburgischen Landschaft und der Vereinigung Niedersächsischer Bildungsinitiativen. Nachdem das Konzept im Frühjahr 2018 abschließend bei einer Residenz der „International Art Research Location Schloß Bröllin“ entwickelt wurde, wird es am Montag einen Durchlauf dieses einmaligen Konzeptes mit der IGS Flötenteich geben. Teilnehmen wird ebenfalls eine Projektgruppe der OBS Eversten.

„Die Veranstaltung ist der Startpunkt zu einer bundesweiten Tour des Projektes und wird den Namen der Stadt Oldenburg mit dem Konzept einer kritischen, lebendigen Erinnerungskultur eng verknüpfen“, so die Veranstalter. Das Konzept wird zu Beginn kurz vorgestellt.

Der Eintritt kostet fünf bis zehn Euro.

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