Kultur

Diplom-Künstler wird neuer Stadtschreiber

Peter Löffler, Finn-Ole Heinrich, Monika Eden und Dr. Michael Brand (von links) sehen dem literarischen Experiment Blogbuch Oldenburg erwartungsvoll entgegen.

Peter Löffler, Finn-Ole Heinrich, Monika Eden und Dr. Michael Brand (von links) sehen dem literarischen Experiment erwartungsvoll entgegen.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am) Der ausgezeichnete Hamburger Schriftsteller und Filmemacher Finn-Ole Heinrich ist der dritte Virtuelle Stadtschreiber Oldenburgs. Er will neue Wege einschlagen. Dabei darf getrost mit viel Humor gerechnet werden – von einem, der sich lachend als „Diplom-Künstler“ vorstellt. Heinrich lädt dazu ein, den Entstehungsprozess seiner Geschichte mitzuerleben. Auch er weiß noch nicht, wohin ihn diese literarische Reise führt.

Anzeige

Nach den Schriftstellern Tilman Rammstedt und Gregor Sander ist Finn-Ole Heinrich der dritte Stipendiat, der das „BLogbuch OLdenburg“ füllen wird. Anders als seine Vorgänger wird er sich nicht medial Oldenburg nähern, sondern seine Geschichte anhand von Trödel-Fundstücken entwickeln. Dabei erhält er Hilfe von Monika Eden, der Leiterin des Literaturbüros, die die Flohmärkte nach geeigneten Gegenständen absucht. Am heutigen Dienstag wurde die neue Website von Webmaster Peter Löffler freigeschaltet. Unter www.blogbuch-oldenburg.de erleben die Leser den fiktiven Protagonisten, der heute einen leeren Koffer per Post aus Oldenburg erhielt. Irgendjemand möchte ihm wohl etwas mitteilen …

Das literarische Stadtschreibertum

Das Stadtschreiberamt ist ein Literaturstipendium oder eine literarische Auszeichnungen. Üblicherweise verbinden die Förderer damit die Residenzpflicht in ihrer Stadt. Das Oldenburger Literaturbüro hat sich für eine moderne Form des traditionellen Stadtschreibertums entschieden und den Virtuellen Stadtschreiber 2011 „als eine Art von Spielwiese für Schriftsteller“ ins Leben gerufen. Der jeweils ausgewählte Schriftsteller stellt regelmäßig Texte ins Netz. „Wir wollen damit Menschen erreichen, die beispielsweise nicht an den Lesungen im Musik- und Literaturhaus Wilhelm13 teilnehmen“, erklärt Monika Eden. Das Literaturbüro Oldenburg betrag erstmals mit „Netznotizen eines Zeitgenossen“ das Internet als virtuellen Veranstaltungsort. Erstmals unterstützt die Oldenburgische Landschaft das Projekt und tritt als Förderer und Partner auf. „Es ist auch für uns ein Experiment. Wir sind gespannt, was dabei herauskommt“, so Dr. Michael Brand, Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft.

Finn-Ole Heinrich

Der gebürtige Cuxhavener debütierte nach seinem Filmregie-Studium im Alter von 23 Jahren mit dem Erzählband „die taschen voll wasser“ (2005). Sein Roman „Räuberhände“ (2007) ist zurzeit Abiturprüfungsthema an allen Hamburger Gymnasien und wird vom Thalia Theater auf die Bühne gebracht. 2009 erschien der zweite Erzählband „Gestern war auch schon ein Tag“. Für sein erstes Kinderbuch „Frerk, du Zwerg!“ (2011) erhielt Finn-Ole Heinrich den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Kinderbuch. Gerade abgeschlossen ist das Kinderbuchprojekt „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ in drei Bänden, der erste Teil erschien im Hanser Verlag im vergangenen Jahr. Heinrich fungierte bereits in Otterndorf und Erfurt als Stadtschreiber.

Nach seinem Bezug zu Oldenburg befragt, sagt Finn-Ole Heinrich, dass viele seiner alten Schulfreunde hier studiert hätten. Gemeinsam mit dem „Unsortierten Orchester Oldenburg“ gestaltet er Lesungen mit Livesoundtrack. Außerdem spielen sich im Kopf seine Geschichten teilweise auf Oldenburger Straßen ab. „Die Größe scheint mir zu liegen.“

Vorheriger Artikel

Beschluss zum Strategieplan Verkehr aufgeschoben

Nächster Artikel

Freiwillige Abgabe statt Bettensteuer