Wirtschaft

Lampenschirm und Armband aus dem 3D-Drucker

Michael Sorkin ist überzeugt davon, dass die 3D-Drucker ein neues Zeitalter einläuten. Der 22-Jährige eröffnet mit iGo3D das bundesweit erste Geschäft, in dem die revolutionären Drucker sowie Zubehör gekauft, aber auch vor Ort genutzt werden können.

Michael Sorkin präsentiert die Material- und Farbenvielfalt für den 3D-Drucker.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg/zb – Michael Sorkin ist überzeugt davon, dass die 3D-Drucker ein neues Zeitalter einläuten. Der 22-Jährige eröffnet Samstag zusammen mit Tobias Redlin bundesweit das erste Geschäft, in dem die revolutionären Drucker sowie Zubehör gekauft, aber auch vor Ort genutzt werden können.

Vom Armband über den Lampenschirm bis hin zur Schraube kann der 3D-Drucker alles in relativ kurzer Zeit herstellen. Das Material dazu, ob Kunststoff, Stein-Mischungen, Holz oder Nylon befindet sich auf Rollen in allen möglichen Farben. Je nach Wunsch spannt er den passenden Faden ein, programmiert den Drucker und schon legt der Druckerkopf auf einer blauen Acrylplatte los und produziert eine blaue Kette, deren Glieder gleich miteinander verbunden sind.

Das Ende des Fadens wird auf 210 Grad erhitzt, so dass das Material flüssig und formbar wird und der Druckerkopf genau das herstellen kann, was ihm vorgegeben wurde. Der Vorgang, der weder riecht noch dampft, ist faszinierend, denn nach und nach bauen sich Schicht für Schicht Gegenstände auf wie Becher, Ringe, die abgebrochene Nadel an der Nähmaschine oder auch der Flügel eines abgebrochenen Modellflugzeuges buchstäblich aus einem Guss. „Ich kann auch einen Hund scannen und ihn dreidimensional in der Größe eines Schlüsselanhängers ausdrucken“, macht Sorkin die unendliche Vielfalt dieser neuen und inzwischen erschwinglichen Technik deutlich.

In den USA und Niederlanden ist sie lange auf dem Vormarsch. In Deutschland gehören 3D-Drucker, die schon für 3000 Euro erhältlich sind, noch nicht wie Papierkopierer in unseren Alltag. Das wird sich ändern. Sorkin und sein Partner Tobias Redlin wollen möglichst vielen Menschen die neue Technik zugänglich machen. „Die Leute können online mit uns kommunizieren oder in unser Geschäft iGo3D im City Center Oldenburg (CCO) an der Heiligengeiststraße kommen“, sagt er. Hier stehen rund 20 verschiedene Drucker, die auf ihre Aufträge warten.

„Selbst das Programmieren ist nicht aufwendig. Die Kunden können Teile mitbringen, die sie dringend brauchen. Wir regeln das“, klärt er auf. „Das kann eine kaputte Schraube sein oder die Zeichnung eines Hakens. Wir sorgen dafür, dass der Gegenstand im gewünschten Material in kurzer Zeit vorliegt.“ Tatsächlich bleiben die Eigenschaften des Materials bestehen. Gegenstände können also angebohrt, angesägt oder geschliffen werden, je nachdem, worum es sich handelt.

Für Sorkin, der an der Universität Oldenburg Wirtschaft studiert hat, stand lange fest, dass er sein eigenes Ding macht. „Meine Passion ist selbstbestimmtes Arbeiten. Ich will etwas bewegen, und vor fünf Monaten kam mir die Idee mit den 3D-Druckern.“ Inzwischen besitzt er Exklusivrechte für Deutschland für den Verkauf bestimmter Drucker, deren Hersteller in den USA und Niederlanden sitzen.

„Wir haben uns Oldenburg ausgesucht, weil hier optimale Voraussetzungen herrschen“, findet Sorkin, der aber schon im nächsten Jahr vier weitere Läden u.a. in Hannover und später in Berlin eröffnen will. Wie bedeutsam seine Geschäftsidee ist, beweisen die Anfragen. Aus Großbritannien wurde die Bitte nach einem bestimmten Teil für eine Operation an ihn herangetragen. „Ich denke, dass demnächst auch Kliniken 3D-Drucker betreiben, um künstliche Knie- oder Hüftgelenke selbst herzustellen. Da wird wohl einiges ins Wanken geraten.“

In der Autoindustrie kommen 3D-Drucker längst zum Einsatz. Modelle, die neu entworfen werden, können auf diese Weise schnell ausgedruckt, betrachtet und verändert werden. Stundenlanges modellieren und feilen gehört der Vergangenheit an. Das spart Zeit und Geld. Selbst Möbel können mit dieser Technik gebaut werden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

„Menschen in Entwicklungsländern könnten sich selbst Ersatzteile drucken, die nicht lieferbar sind“, nennt er ein weiteres Beispiel und verschweigt nicht, dass so auch eine Pistole hergestellt werden kann. „Es gibt immer zwei Seiten“, sagt der Jungunternehmer abschließend. „Aber es liegt doch an uns, Grenzen zu ziehen.“

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