Oldenburg

Wenn der Mensch zu Asche wird

Zu den Aufgabenbereich von Uwe Ahlers, Fachdienstleiter Stadtgrünpflege und Friedhöfe bei der Stadt Oldenburg, gehört das Krematorium an der Sandkruger Straße.

Uwe Ahlers kann am Computer, der ihm sämtliche technischen Daten anzeigt, den Einäscherungsvorgang verfolgen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Asche, ein paar Knochenreste und je nach Leichnam auch Zahngold und das Metall von Kunstgelenken bleiben übrig von Menschen, die sich nach dem Tod verbrennen lassen. Danach wird die Asche zermahlen und gesiebt und in eine umweltfreundliche Urne geschüttet, die dann beigesetzt werden kann.

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Obwohl jeder von uns irgendwann sterben muss, wollen sich die wenigsten mit dem Tod befassen. Das ist zumindest die Erfahrung von Uwe Ahlers, Fachdienstleiter Stadtgrünpflege und Friedhöfe bei der Stadt Oldenburg. Zu seinem Aufgabenbereich gehört das Krematorium der Stadt an der Sandkruger Straße.

Von außen ist das Krematorium nicht zu erkennen. Selbst wenn man bei der Fachangestellten Inka Link ins Büro kommt, deutet rein gar nichts auf das Krematorium hin, das seit 1961 existiert und stets den technischen Anforderungen angepasst wurde. „Alle Krematorien unterliegen der 27. Bundesimmissionsschutzverordnung, die vor schädlichen Umwelteinwirkungen – in diesem Fall Luftverunreinigung – schützt“, klärt Uwe Ahlers auf. Dementsprechend ist das Krematorium mit einer modernen Rauchgasreinigungsanlage ausgestattet.

Es arbeitet kostendeckend und macht somit keinen Gewinn. Seit 1996 haben sich die Gebühren nicht erhöht. Die Gebührensatzung kann jederzeit eingesehen werden. Hier ist alles transparent, jeder kann erfahren, wie die Abläufe sind. Ursprünglich existierte nur das Oldenburger Krematorium. Inzwischen gibt es auch in Wilhelmshaven, Emden, Aurich und Verden Krematorien, die seit 2006 laut Bestattungsgesetz auch privat betrieben werden dürfen.

Obwohl die Konkurrenz größer geworden ist, haben die Einäscherungen im städtischen Krematorium stetig zugenommen. 1981 waren es 504, im vergangenen Jahr schon 1923. „Es ist so, immer mehr Menschen möchten eingeäschert werden“, bestätigt Uwe Ahlers. Und selbst in welchem Krematorium das geschehen soll, kann jeder von uns selbst bestimmen. Der Vorgang selbst dauert eine Stunde.

Im Büro von Inka Link geht es still zu. Außer ihr arbeitet ein weiterer Kollege im Nebenraum am PC, wo er den Einäscherungsvorgang im Flachbettofen beobachten kann. Das ist Hightech pur. Der Computer zeigt ihm alle relevanten technischen Daten an und rechnet aus, wie lange der Verbrennungsvorgang noch dauert.

Doch bevor es dazu kommt, benötigt Inka Link alle notwendigen Papiere. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, wird zudem jede Leiche vor der Einäscherung grundsätzlich noch einmal eingehend untersucht, ob ein Mensch wirklich eines natürlichen Todes gestorben ist. Denn sollten später Zweifel daran bestehen, können die nicht mehr aufgeklärt werden. Bei Ungereimtheiten muss die Staatsanwaltschaft informiert werden. Diese Untersuchungen finden zu 80 Prozent beim Bestatter statt. In den restlichen Fällen kommt ein Rechtsmediziner ins Krematorium.

Wie ist das, in einem Krematorium zu arbeiten? „Inzwischen ganz normal“, sagt Inka Link. „Anfangs musste ich mich daran gewöhnen, aber nach ein paar Tagen war es für mich normal. Ich besitze die Fähigkeit, meine Arbeit gedanklich nicht mit nach Hause zu nehmen“, verrät sie. Das ist gut so, denn in ihrem Büro geht es überwiegend traurig zu. „Natürlich weinen die Leute, die ihre Angehörigen oder Freunde verloren haben. Ich kann damit umgehen und bin davon nicht angesteckt. Sonst könnte ich hier nicht arbeiten.“

„Wir alle haben uns aufgrund der Arbeit mit unserem Tod auseinandergesetzt und wissen, wie eine Einäscherung abläuft. Uns hat das eher geholfen. Jeder muss sterben, also ist es besser, sich mit dem Gedanken zu befassen. Dadurch bauen sich Ängste ab“, meint Uwe Ahlers. Wenn Leute in seinem Umfeld mitbekommen, was er beruflich macht, dann halten einige das für den Vorhof der Hölle. Es gibt sogar Reinigungskräfte, die dort nicht saubermachen wollen und Zeitgenossen, die den Mitarbeitern aufgrund ihrer Tätigkeit nicht die Hand geben mögen. Das ist befremdlich, aber sie können damit umgehen.

Sieben bis acht Werktage dauert es, bis die Bestatter die Urnen abholen können. „Wir arbeiten hier sehr flexibel“, sagt Uwe Ahlers. „Mitunter im Zweischichtbetrieb, das heißt, es wird 16 Stunden gearbeitet. Denn wir wissen, dass Angehörige die Bestattung noch vor sich haben, und wir wollen sie nicht länger als nötig warten lassen.“ Es kommt durchaus vor, dass plötzlich mehr Menschen sterben und mitunter sind es auch mal weniger. Aber genau darauf reagieren Uwe Ahlers und seine Kollegen, weil sie sich in die Hinterbliebenen sehr gut hineinversetzen können.

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