Oldenburg/zb – „Selbstbestimmt zu Hause – auch bei Pflege rund um die Uhr?“ lautete das Thema einer Fachtagung, zu der das Versorgungsnetz Gesundheit ins Klinikum Oldenburg eingeladen hatte. Geht das, ist das finanzierbar und vor allem legal?

Rund 100.000 Personen bundesweit haben laut Schätzungen Bedarf an einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung im häuslichen Umfeld. Allerdings sind deutsche Pflegekräfte rar und kosten viel Geld. Was liegt näher, als nach günstigeren Alternativen zu suchen. Im Laufe der letzten Jahre hat sich deshalb eine Schattenwirtschaft entwickelt, die zunehmend in die öffentliche Kritik geraten ist. Der Landescaritasverband hat nach einer legalen Form gesucht und ist ganz eigene Wege gegangen, indem er Caritas-Partnerschaften in Polen geschlossen hat.

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„Dort gibt es viele Frauen, die als hauswirtschaftliche Kräfte nicht aber als Pflegekräfte gerne in Deutschland arbeiten“, berichtete Manfred Bockhorst, Referent für Altenpflege bei der Caritas. Die Caritas stellt auf Wunsch Kontakt zu ihnen her. „Der Kunde selbst schließt einen Vertrag mit einer solchen Kraft ab und ist somit als Arbeitgeber weisungsbefugt“, sagt er weiter. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, gibt es regelmäßig Kontrollen. Spätestens nach drei Monaten findet ein Wechsel statt. Zwischen 1500 und 2000 Euro kostet die Hilfe.

Genau wie bei einer Pflegeagentur aus dem Ammerland, die ebenfalls mit Polinnen arbeitet, sind sie versichert, zahlen Lohnsteuer, haben Freizeit- und Urlaubsanspruch und benötigen ein eigenes Zimmer. Allerdings wird hier der Vertrag zwischen dem Unternehmen und den Polinnen geschlossen. „Das heißt, wir kümmern uns um alles, der Kunde ist jedoch nicht weisungsbefugt und erhält wie im ersten Fall keine Pflegeleistungen“, berichtet Geschäftsführer Thomas Gottschling. Eine solche Hilfe kostet rund 1700 Euro.

Die dritte Alternative präsentierte Lydia Steinke, Bereichsleiterin eines bundesweit agierenden Pflegeunternehmens, das seit zehn Jahren mit qualifizierten deutschen Pflegekräften zusammenarbeitet. „Wir bieten alle Arten von Pflege an, verfügen über ein großes Netzwerk zu Sozialdiensten und Medizinern und betreiben darüber hinaus eine eigene Akademie für Aus- und Weiterbildung“, berichtete Steinke. Allerdings werden sich diese optimale Pflege nur die Wenigsten leisten können. 6210 Euro kostet sie monatlich.

Ganz neue Perspektiven eröffnete Wiebke Hendreß, die hauptberuflich Studierende mit chronischer Erkrankung und/oder Behinderung an der Oldenburger Universität berät, mit dem Modell des „persönlichen Assistenten“. Den darf jeder in Anspruch nehmen, der behindert oder von einer Behinderung bedroht ist. Abgerechnet wird mit der Pflege- oder Krankenversicherung oder wenn es sich um einen Arbeitsunfall handelt, mit der Berufsgenossenschaft.

Die Betroffenen führen Bewerbungsgespräche und suchen sich ihren persönlichen Assistenten selbst aus, der ihnen entsprechend den eigenen Vorstellungen hilft. Ein Modell, das bei den 70 Tagungsteilnehmern auf sehr offene Ohren stieß, weil hier die Selbstbestimmung im Mittelpunkt steht und die Assistenten, häufig sind es Studierende, zwischen 10 und 14 Euro verdienen.

„Es gibt kein Patentrezept“, fasste Rita Wick, Vorsitzende des Versorgungsnetzes Gesundheit, zusammen. „Entscheidend ist jedoch, dass sich die Pflege am Patienten orientiert, bezahlbar und legal ist.“ Um sich im Angebotsdschungel orientieren zu können, gibt es in Oldenburg auf Anregung des Versorgungsnetzes ab 2014 den städtischen Pflegestützpunkt, den Interessierte nutzen können, um Licht in das Dunkel zu bringen.

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