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Landrat Jörg Bensberg kritisiert Berichterstattung

Die Gesundheitsämter arbeiten in der Corona-Krise auf Hochtouren.

Die Gesundheitsämter arbeiten in der Corona-Krise auf Hochtouren.
Foto: Tumisu

Ammerland (pm) Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Ammerland betreuen zurzeit 14 Coronafälle und 68 Kontaktpersonen (Stand 17. März) in täglichem Kontakt. In allen 82 Erkrankungs- und Kontaktfällen müssen neben der Fall- und Betreuungsarbeit auch schriftliche mehrseitige Verfügungen mit Rechtsbehelfsbelehrung vom Gesundheitsamt erlassen werden. Falsche Berichterstattung sorgt für zusätzliche Arbeit. Das kritisiert Landrat Jörg Bensberg.

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„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben täglich bis spät abends im Büro und stellen anschließend noch einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst an allen sieben Tage die Woche sicher. Aus Sicht des Landkreises leistet unser Gesundheitsamt in dieser für alle sehr schweren Zeit ausgezeichnete Arbeit. Das belegen auch viele Rückmeldungen, in denen Bürger und allgemein nachfragende Unternehmen spiegeln, dass sie gerade den persönlichen Kontakt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als sehr unterstützend und menschlich erleben und es ihnen helfe, sich in der schwierigen Situation einer häuslichen Quarantäne bestmöglich zurechtzufinden bzw. sich als Betrieb so gut wie möglich vorzubereiten“, unterstreicht der Landrat.

Daher enttäusche es ihn umso mehr, wenn Medien Informationen, die ihnen gefühlt nicht schnell genug geliefert werden, durch eine unangemessen sensationelle Darstellung ersetzen und ihre Zuschauer und Leser damit in Angst und Schrecken versetzen. „Was die Menschen jetzt brauchen sind Aufklärung, Rat und Orientierung. Das Schüren von Angst und Unsicherheit verträgt sich nicht mit verantwortungsvollem Journalismus “, so der Landrat. Diese nicht ausreichend recherchierte Berichterstattung bewirke, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die seit Wochen mit einer Welle von Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern, medizinischem Personal, Krankenhäusern, Schulen, Veranstaltern per Telefon, E-Mail oder auch schriftlich konfrontiert sind, zusätzlich und mit ganz erheblichem Zeitaufwand damit beschäftigt sind, diese Falschnachrichten zu korrigieren.

Ein prägnantes Beispiel ist die unreflektierte Berichterstattung über eine Bürgerin, die vorgab, das Gesundheitsamt des Landkreises Ammerland ließe mutwillig Corona-Infizierte im Stich. Die Westerstederin, die sich Anfang März in Österreich aufgehalten habe und nach ihrer Rückkehr an leichten Erkältungssymptomen litt, sei von ihrem Hausarzt an das Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung verwiesen worden, wo eine Abstrichuntersuchung vorgenommen worden sei. Sie meldete sich danach beim Gesundheitsamt und schilderte dort ihren Fall. Da noch keine bestätigte Infektion vorlag, wurde sie vom Gesundheitsamt korrekt als Verdachtsfall eingestuft und es wurde mündlich eine häusliche Quarantäne angeordnet. Erst bei einer bestätigten Infektion wäre die Quarantäne dann schriftlich für insgesamt 14 Tage verfügt worden. Vorsorglich waren auch die Kontaktpersonen bereits erfasst worden, sodass alle bei einem Verdachtsfall notwendigen Maßnahmen seitens des Gesundheitsamtes korrekt erfolgt waren. Die Westerstederin ist darüber hinaus in Telefongesprächen sowohl von der Gesundheitsassistentin als auch einer Ärztin des Gesundheitsamtes mehrfach und eingehend zur Quarantäne und allen damit einhergehenden Fragen und Problemen beraten worden. Zur ärztlichen Behandlung und Betreuung wurde sie an den Hausarzt verwiesen, dem die medizinische Versorgung und die Veranlassung aller weiteren notwendigen Maßnahmen zur Versorgung obliegt.

„Heute, am 18. März, wurde uns vom Labor gemeldet, dass der Abstrich negativ sei. Der Verdacht auf eine Infektion mit Covid-19 hat sich damit bislang nicht bestätigt. Im weiteren Verlauf wurde allerdings zur Beruhigung der Westerstederin vom Bundeswehrkrankenhaus Westerstede noch ein weiterer Abstrich genommen und eingeschickt. Das Ergebnis dieser Untersuchung liegt noch nicht vor. Diese Informationen hätten auch alle Medienvertreter bekommen können, wenn man uns nach Bekanntwerden der Vorwürfe wenigstens 24 Stunden zur Ermittlung des Sachverhaltes eingeräumt hätte. Vielleicht kann diese Darstellung deutlich machen, wie viel Zeit wir mit dem Ausräumen falscher Vorwürfe verbringen müssen, kostbare Zeit, die wir sinnvoller für das Wohl unserer Bürgerinnen und Bürger einsetzen könnten. Daher meine Bitte: Lassen Sie sich nicht verunsichern und seien Sie versichert, dass alle, die Verantwortung haben, wissen, was sie zu tun haben. Im Landkreis Ammerland wird niemand mit Covid-19 alleingelassen!“, unterstreicht der Landrat.

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