Oldenburg/am – Die Bewohnerinnen und Bewohner der Wagenburg wenden sich mit einem Offenen Brief an die Öffentlichkeit und den Verwaltungsausschuss, um auf die aktuellen Ereignisse aus ihrer Sicht aufmerksam zu machen. Am 4. Oktober, 9 Uhr, wird am Oldenburger Landgericht eine Verhandlung zwischen der Stadt Oldenburg und der Wagenburg stattfinden.

Mit diesem Offenen Brief möchte die Oldenburger Wagenburg erreichen, dass die Gespräche und Verhandlungen über ein Ersatzgelände wieder aufgenommen werden. 3000 Menschen haben das Schreiben unterschrieben.

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Offener Brief

„Sehr geehrte Mitglieder des Verwaltungsausschusses der Stadt Oldenburg,

progressiv und zukunftsorientiert versucht sich die Stadt Oldenburg schon seit einigen Jahren zu vermarkten. Ganz erfolgreich schien es auch zu funktionieren, Oldenburg brachte unterschiedlichen und alternativen Wohnformen mehr und mehr Akzeptanz entgegen. Aus dieser Zeit stammt auch der sogenannte Wagenburg-Beschluss des Rates der Stadt aus dem Jahre 2008. In diesem Beschluss wurde festgehalten, dass Wagenleben als eine anerkannte Wohnform in Oldenburg ausdrücklich erwünscht ist. Aktuell ist von dieser Stimmung kaum noch etwas zu vernehmen – dieser Beschluss darf nicht zu einer bloßen Floskel verkommen.

Als Beobachtende der regionalen Medien und der Veröffentlichungen der Wagenburg scheint es uns eher so, als sollten den Wagenburgler_innen durch unannehmbare Vertragsklauseln und überhöhte Kosten die Lust genommen werden, in Oldenburg weiter aktiv zu wohnen. Dass dies nicht im Sinne einer weltoffenen Stadt sein kann, liegt auf der Hand.

Statt Eilanträge abzulehnen, die eine Wiederaufnahme der Gespräche bedeutet hätten, müsste sich die Politik wieder verhandlungsbereit zeigen und im Zuge dessen von der Räumungsklage absehen.
Die Stadtverwaltung sollte sich als Verhandlungspartnerin aufgeschlossener zeigen und einem Vertrag zustimmen, welcher diesem einzigartigen Wohn- und Kulturprojekt Rechnung trägt.

So erscheint es unverständlich, dass die Wagenburg für Erschließungskosten aufkommen soll, obwohl das Gelände am Fliegerhorst nur gepachtet wird. Hier sollte die bisherige Linie überdacht werden. Genauso schwer nachvollziehbar ist es, dass der Pachtzins zweckgebunden scheint – würde die Fläche zum gleichen Preis auch einem Kleingartenverein angeboten werden?

Dass auch das Mieten des Shelters durch die Wagenburg ein Streitpunkt ist, erscheint rätselhaft. Eine einfache Lösung liegt doch auf der Hand: Die Wagenburg bei der Verwirklichung ihres partizipativen Nutzungskonzeptes zu unterstützen und endlich die langjährige Suche nach einem Ersatzgelände zu einem verträglichen Ende zu bringen!“

Der Offene Brief wurde unter anderem unterschrieben von:

Manfred Klöpper – Dozent Carl v. Ossietzky Universität
Hilbert Meyer – Professor em. Carl v. Ossietzky Universität
Jürgen Humer – Bezirksgeschäftsführer Verdi Weser-Ems
Bernd Wacht – Künstlerische Leitung Kulturetage
Winfried Wrede – Künstlerische Leitung Theater Wrede
Marga Koop – Künstlerische Leitung ko.produkt
Wolfgang Nitsch – Professor Carl v. Ossietzky Universität
Ines Rosemann – Künstlerische Leitung Circus Radieschen
Niko Paech – Professor Carl v. Ossietzky Universität
Werner Onken – Postwachstumsökonom Carl v. Ossietzky Universität
Ulrich Schachtschneider – Freier Sozialwissenschaftler
Frank Wegener – Vorsitzender DGB-Stadtverband Oldenburg
Uwe Schwettmann – Kultur Nord
Heike Ellermann – Kinderbuch Autorin
Ruben Eick – DGB Jugend
Katrin Windheuser – Künstlerische Leitung Freifeld Festival
IBIS e.V.
Dettmar Koch – Jugendkulturarbeit e.V.
Stefan Mühlhaus – Polyester Klub
Farschid Ali Zahedi – Filmemacher Künstlerische Leitung Werkstattfilm e.V.

Über den bisherigen Verlauf in Sachen Wagenburg berichtete die Oldenburger Onlinezeitung unter anderem unter oldenburger-onlinezeitung.de/lokal/wagenburg-stadt-signalisiert-gesprachsbereitschaft.

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